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Kahn oder Lehmann?: Neue Runde im Torhüterduell

Vor dem Länderspiel gegen Frankreich geht das Torhüterduell im deutschen Team weiter: Jens Lehmann erklärt in einer Pressekonferenz, dass er sich nicht als Ersatz für Kahn sieht.

Bevor Jens Lehmann spricht, überlegt er meist einige Sekunden lang. Zu oft hat sich der 36-Jährige schon den Mund verbrannt im quälenden Gerangel um den Stammplatz als Nationaltorhüter. Auch am Freitag zögert der Profi von Arsenal London zunächst kurz, als er eine Antwort auf die Frage formuliert, ob er bei der Weltmeisterschaft 2006 als Nummer zwei hinter Oliver Kahn zur Verfügung stünde. Diesmal entscheidet sich der stets kontrolliert wirkenden Hüne gegen die Taktik und für die Wahrheit: "Es würde es mir sehr, sehr schwer fallen, mich nochmal auf die Bank zu setzen", sagt er - und schlägt damit ein neues Kapitel im schier unendlichen "Torhüterduell" auf. Lieber Rücktritt als Reservetorwart - diese Drohung steht nun kaum verklausuliert im Raum.

Laut Klinsmann ist Lehmann der "Herausforderer"

Doch schon Augenblicke später schwant ihm das drohende Unheil, hastig folgen Beschwichtigungsversuche: "Dies ist das Gefühl, das ich jetzt habe. Das muss nicht die nächsten Monate andauern." Zu spät, denn Lehmanns ursprüngliche Antwort entspricht dem Eindruck, den die meisten Beobachter in den vergangenen Monaten sammelten: Kahn und Lehmann sind zwei unverbesserliche Alpha-Männchen, die sich zum einen nicht riechen können und zum anderen nicht unterordnen wollen. Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat schon vor Wochen aus dem Dauer-Zwist Konsequenzen gezogen. Zu Länderspielreisen reist nun abwechselnd immer nur einer der beiden mit, der andere macht Zwangspause. Laut Bundestrainer Jürgen Klinsmann ist zurzeit Bayern-Keeper Oliver Kahn bei der Nationalelf die Nummer eins und Lehmann der "Herausforderer".

Es könnte Lehmanns letztes Spiel im National-Trikot sein

Wer letztlich bei der WM im Juni und vielleicht auch noch im Juli spielt, will Klinsmann erst kurz vorher entscheiden. Im Pariser Stade de France bestreitet Lehmann am Samstagabend das Freundschaftsspiel gegen Frankreich. Das nächste Länderspiel ist erst im März. Auf die Spekulation, bis dahin werde der Torhüterstreit entschieden und Kahn zum Stammtorwart gekürt, lässt sich Lehmann nicht ein: "Ich gucke nicht über den Tellerrand hinaus. Mit dem März-Termin beschäftige ich mich gar nicht." Trotzdem: Am Samstag könnte für Lehmann womöglich sein letztes Spiel im DFB-Dress sein - wenn er denn seine Rücktrittsdrohung wahr macht.

Lehmann für mehr "Spaß am Spiel"

Bei den letzten Partien, der lahmen 1:2-Niederlage in der Türkei und dem mühsamen 1:0-Sieg zuhause in Hamburg gegen China, hat er gefehlt. Da fällt es offenbar leichter, der Mannschaft ein paar gute Tipps mit auf den Weg zu geben. "Mehr Spaß am Spiel" als zuletzt müsse die deutsche Elf den Fans vermitteln, fordert er. Ein nur am bloßen Ergebnis orientierter Fußball mit dürren 0:0 oder 1:0 interessiere keinen mehr, sagt Lehmann. "Wir haben die Verpflichtung, die Leute zu unterhalten." Zudem gelte: "Wenn man erfrischenden Fußball spielt, verzeihen einem die Leute auch gerne Fehler." Damit meinte der Keeper den Confederations Cup, bei dem die deutsche Elf zwar reihenweise Tore geschossen, aber auch viele kassiert hat.

Deutschen Elf droht Debakel in Frankreich

Gegen Frankreich droht der jungen deutschen Abwehr nun erneut ein Schützenfest, denn ihnen stehen Weltklassestürmer wie Thiery Henry, Djibril Cisse oder David Trezeguet gegenüber. Lehmanns Rezept dagegen lautet: "Eng beieinander stehen und versuchen, den Franzosen die Zeit zu nehmen, schnell zu spielen." Zudem will der 36-Jährige seiner Verteidigung Anweisungen zurufen - hoffentlich ohne lange Denkpausen.

Thorsten Holtz/DPA / DPA

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