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Kaka: Der weiße Pele

Für Brasiliens Fußball-Idol Pele ist er "ein wahres Genie", für seinen Trainer beim AC Milan Carlo Ancelotti "der neue Platini". Die Rede ist von Ricardo Izecson Santos Leite, besser bekannt als Kaka.

Im Sommer 2003 wagte der damals 21-Jährige den Sprung über den Atlantik und wechselte für den Spottpreis von 8,5 Millionen Euro von Sao Paolo zu den "Rossoneri" in die italienische Serie A. Mittlerweile wird sein Marktwert auf 30 Millionen Euro geschätzt.

Kaka beförderte in seinem ersten Jahr bei Milan Stars wie Rui Costa und Rivaldo auf die Bank, machte 14 Tore und erhielt eine Durchschnittsnote, die in ihrer Debüt-Saison nicht einmal Zico, Michel Platini oder Maradona bekamen. "Einen Spieler wie ihn gibt es alle 50 Jahre nur ein Mal", schwärmt sein brasilianischer Nationalcoach Carlos Alberto Parreira. "Das schmeichelt mir, aber ich habe doch noch gar nichts erreicht", antwortet Kaka bei den inflationären Elogen artig. Und sein schüchternes Lächeln und das feine Gesicht hinter der Nickelbrille erinnern dann eher an einen Harvard-Absolventen. Seine Eleganz ist nicht nur moralisch. "Kakacetes" nennen sich die zahllosen Groupies der Heimat, wo er schon zwei Mal zum sexiest Fußballer gewählt wurde. In Europa verzauberte das Teenie-Idol unlängst Giorgio Armani. "Er ist mein modisches Ideal, der Beckham Brasiliens."

"Ich gehöre Jesus"

Doch gerade das Italien der "bella figura" wurde für Kaka anfangs zum Kulturschock. "Die Kabine ist hier wie ein Laufsteg. Im Vergleich zu Brasilien achten die Italiener auf jedes äußere Detail. Sogar welche Strümpfe sie anziehen." Kaka lernte sich anzupassen, an die neue Kultur, die neue Stadt und den neuen Fußball. "Ich war selbst überrascht, wie schnell das ging." Seine Herkunft spielte ihm dabei in die Karten. Denn Kaka kickte nie barfuß in den Gassen der Favelas. Er hungerte nie, sondern kuschelte sich in ein gut behütetes Elternhaus der gehobenen Mittelklasse Sao Paolos. Vater Ingenieur, Mutter Lehrerin. Gehobene Schulausbildung und Markenkleidung. Eine Ohrfeige für den Zuckerhut-Mythos. Den Karneval mag Kaka nicht besonders. Kein Straßen-Fußball, keine Familien-Dramen.

Seit 2002 zählt der schüchterne Brasilianer zum Kreis der Selecao und war im Kader der Weltmeistertruppe 2002. Beim Turnier in Japan/Südkorea kam Kaka aber über einen 18-minütigen Kurzeinsatz im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica nicht hinaus. Inzwischen gehört der Mittelfeldstratege zum festen Kreis der brasilianischen Nationalmannschaft. In 27 Länderspieleinsätzen hat er bereits zehn Treffer erzielt und damit seine Torgefährlichkeit unterstrichen. Auch in Deutschland hat der Star des AC Milan schon für Furore gesorgt. Ein Jahr vor Beginn der WM verzauberte die Selecao beim Confederations Cup 2005 - angetrieben von einem überragenden Kaka - die Massen. Das 4:1 gegen Argentinien im Finale von Frankfurt gegen Argentinien war eine fußballerische Demonstration, Kaka steuerte einen Treffer zum Erfolg der Samba-Kicker über den Erzrivalen bei. Übrigens: Kaka, der von seinen Kollegen nur "Sandy" gerufen wird, ist ein frommer Evangelist, der auf jedem Schuh die Aufschrift trägt: "Ich gehöre Jesus". Nach der WM 2006 will er seine Verlobte Caroline heiraten, mit der er seit zehn Jahren befreundet ist.

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