VG-Wort Pixel

FC Barcelona Astronomisches Gehalt veröffentlicht: der schmutzige Krieg um Lionel Messi


Durch die Veröffentlichung seines Vertrages weiß die Welt nun, wie viel Lionel Messi verdient. Es bleibt die Frage, warum jemand Messi offenbar schaden will. Gewiss ist nur eines: Der FC Barcelona versinkt immer mehr in einem Sumpf aus Intrigen.

Jetzt wissen wir endlich, wie viel Lionel Messi verdient. Dass es sich um eine sehr, sehr hohe Summe handeln würde, ahnte man. Doch so hoch? Die Summen, die die spanische Zeitung "El Mundo" am Sonntag präsentierte, geistern seitdem durch Welt wie Meldungen von der Landung Außerirdischer. Irgendwie eine dolle Sache, aber so recht glauben mag man es nicht.

Kurz zusammengefasst die wichtigsten Zahlen: Messis Gehalt beim FC Barcelona soll brutto 555.237.619 Euro in vier Jahren betragen, wenn er alle möglichen Boni und Prämien abschöpft. Das wird er nicht schaffen. "El Mundo" rechnete einer staunenden Öffentlichkeit vor, dass er wohl nur 92 Prozent des Volumens erhalten wird, also knapp 511.000.000 Euro, macht netto schätzungsweise 297 Millionen Euro (Fixgehalt 74,9 Millionen Euro). Pro Tag macht das ein Einkommen von 210.000 Euro. Allein für die Unterzeichnung des vier Jahre laufenden Arbeitspapiers soll der Argentinier 97,9 Millionen Euro kassiert haben.

Was steckt hinter der Veröffentlichung?

Der Entblößte ließ sich unterdessen nicht in seiner Arbeit stören. Im Spiel gegen Athletic Bilbao zauberte er einen Freistoß in den Winkel, ansonsten schwieg er. Der FC Barcelona gewann mit 2:1 und ist nun Tabellenzweiter. Trainer Ronald Koeman stellte sich schützend vor seinen Superstar: "Was herausgekommen ist, soll ihm Schaden zufügen", sagte Koeman am Sonntagabend nach dem 2:1-Erfolg des FC Barcelona gegen Bilbao: "Messi verdient Respekt. Er hat so viel für den spanischen Fußball getan." Und: "Es gibt Leute, die Barcelona und Messi verletzen wollen", sagte Koeman.

Aber wer? Das ist im Moment die große Frage. Denn kaum jemand glaubt, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung Zufall ist. Schon seit über einem Jahr versinkt der stolze katalanische Verein in einem Sumpf aus Intrigen und Machtkämpfen. Präsident Josep Bartomeo trat im Oktober zurück, im März soll ein neuer Klubboss gewählt werden. Jüngst war bekannt geworden, dass der FC Barcelona mit über 1,17 Milliarden Euro verschuldet ist. Davon seien 730,67 Millionen Euro kurzfristige Verbindlichkeiten, schrieb die Sportzeitung "AS". Die Coronakrise hat voll durch geschlagen. Dem Klub droht, wenn nicht etwas geschieht, der Konkurs - und jetzt die Durchstecherei von Messis Vertrag. Die Veröffentlichung soll dem 33-Jährigen wohl irgendwie eine Teilschuld für die existenzbedrohende Verschuldung schieben.

Lionel Messi war im Spiel gegen Athletic Bilbao nichts von den Veröffentlichungen zu seinem Gehalt anzumerken
Lionel Messi war im Spiel gegen Athletic Bilbao nichts von den Veröffentlichungen zu seinem Gehalt anzumerken - im Gegenteil: Er zauberte beim 2:1-Sieg des FC Barcelona einen Freistoß in den Winkel
© Alex Caparros / Getty Images

Der Versuch wird aber vermutlich aus vielerlei Gründen gründlich schiefgehen. Der Verein hat rechtliche Schritte angekündigt. Messis Anwälte wollen gegen die Zeitung und den Ex-Präsidenten Bartomo vorgehen. Aus Messis Lager heißt es, nur er und vier weitere aus der Führungsebene hätten den Vertrag gekannt.

Messi bloßzustellen, wird nicht funktionieren

Auch der Versuch, das Bild eines gierigen Profis zu zeichnen, der Barca durch maßlos überzogene Forderungen in die Pleite getrieben hätte, wird kaum funktionieren. Die Anhänger des FC Barcelona wissen nur zu gut, dass die unfähige Klubführung unter Bartomeo (Präsident von 2014 bis 2020) für die sportliche Talfahrt verantwortlich ist durch zahlreiche misslungene Transfers und Fehlbesetzungen auf der Trainerbank seit 2015. Und das Gehaltsgefüge ist nicht nur durch Messi ausgeufert. Auch andere Profis, deren sportlicher Wert nicht immer recht erkennbar ist, kassieren wohl exorbitante Gehälter wie etwa Ousmane Dembélé. Im Fall von Messi zieht zudem das Argument, dass der Verein durch ihn ziemlich Geld verdient hat. Sponsorenverträge, Merchandising, teuer bezahlte Testspiele - der Name Messi lässt die Einnahmen sprudeln.

Dass der kleine Argentinier für die die erfolgreichste Zeit des Vereins steht und von den Fans vergöttert wird, ist in Barcelona quasi Naturgesetz. Nur ein Beispiel: In 48 Jahren ohne ihn gewannen de Katalanen einmal den Landesmeister Cup beziehungweise die Champions League, mit ihm viermal.

Dennoch könnte Messis Zeit beim FC Barcelona ablaufen. Die Beziehung zum Verein ist schon lange abgekühlt. Im vergangenen Sommer gab es schon viel Drama, als Messi frustriert von Erfolglosigkeit und Personalentscheidungen unbedingt wechseln wollte, und die Klub-Bosse um Bartomeo nur kühl auf seinen Vertrag verwiesen. Der läuft zum Ende der Saison aus und es gibt offenbar Kräfte im Verein, die ihn loswerden wollen. Das könnte klappen.

Quellen: DPA, "Süddeutsche Zeitung""Spiegel", "ran"

tkr

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker