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Lionel Messi: Der "spanische" Gaucho

In seinem Heimatland Argentinien sehen die Fans in ihm zwar nicht den Messias, so aber doch keinen geringeren als den neuen Maradona: Lionel Messi, 18 Jahre jung, 1,69 Meter klein und 67 Kilo leicht.

Ein jugendlicher Wunderknabe als WM-Hoffnungsträger einer ganzen Nation? Die Antwort lautet: ja, eindeutig ja. Fragen Sie mal nach beim großen FC Barcelona. Dort bildet er gemeinsam mit Ronaldinho und Eto’o das infernalischste Angriffstrio des Weltfußballs.

Lionel Messi war im zarten Alter von dreizehn Jahren aus Argentinien nach Barcelona gekommen. Kaum habe ihn Charly Rexach bei der Nachwuchsinspizierung den Ball berühren gesehen, soll der alte Barca-Haudegen ausgerufen haben: "Nehmt den Knirps unter Vertrag, aber rapido!" Inzwischen hat der FC Barcelona seinen Vertrag bis ins Jahr 2014 verlängert und eine Ablösesumme von 150 Millionen Euro festgelegt. Aber halt, stopp, alles der Reihe nach. Es drängt sich die Frage auf, wie ein 13-jähriger Teenager dazu kam, seine Heimat zu verlassen. Es ist schon paradox. 900 Dollar gaben den Ausschlag. Lächerlich fast. Doch 900 Dollar monatlich waren den Newell’s Old Boys 1998 zu viel. Längst schauen sie daher alt aus in Rosario. Denn weil der argentinische Klub damals die monatlichen Kosten für eine medizinische Behandlung nicht aufbringen wollte, suchte Vater Jorge Messi flugs einen anderen Verein, der bereit war, seinen begabten Sohn Lionel im Juniorenkader aufzunehmen - gegen Übernahme der 900 Dollar, die der Metallarbeiter von seinem Gehalt nicht aufbringen konnte.

Vertrag auf der Serviette unterschrieben

Doch weil sie auch in Buenos Aires bei River Plate knauserten und Messis Hormonstörung, die ein normales Wachstum vorübergehend behinderte, überbewerteten, wanderte die Familie nach Spanien aus - mit Peseten waren die Arztkosten leichter zu bezahlen. Zwei Jahre später, mit 13, spielte Messi beim FC Barcelona vor - und schoss im ersten Probetraining prompt fünf Tore. "Nach einer halben Minute war alles klar. Den Vertrag unterschrieben wir auf einer Serviette", sagt Carlos Rexach, der Messi quasi entdeckte.

Der kleine Lionel lebte fortan in Barcas Internat Masia - bis ihn der Coach Frank Rijkaard in der vergangenen Saison sieben Mal in der Primera Division ranließ. Jeweils nur Minuten. Doch vor allem die am 1. Mai hatten es in sich, als der für Samuel Eto’o eingewechselte Messi mit der ersten Ballberührung die Kugel mit links aus 15 Metern über Albacete-Torhüter Valbuena hinweg zum 2:0 ins Gehäuse hob. Ein Traumtor. Und ein Versprechen auf das, was im Juni kommen sollte: Bei der U-20-WM in Holland führte Messi Argentinien zum WM-Titel, wurde bester Spieler und Torschützenkönig, überzeugte dank extremer Explosivität, dem sicheren linken Fuß und phänomenaler Spielübersicht, zeigte bei zwei Elfertoren im Finale gegen Nigeria (2:1) zudem Nervenstärke und war trotz seiner zierlichen Statur kaum vom Ball zu trennen.

Ronaldinho schwärmt von Messi

Diese Saison gehört Messi, nach langem Hin und Her mit einem spanischen Pass ausgestattet und keinen Ausländerplatz mehr belegend, endgültig Barcas Profikader an. Am 17. August machte Messi gegen Ungarn sein erstes A-Länderspiel - wie einst Diego Maradona, der ihn bereits als seinen Nachfolger feiert. Dass ihn Schiedsrichter Markus Merk nur Sekunden nach seiner Einwechslung wegen Nachschlagens vom Platz stellte, ist nurmehr eine Anekdote. Längst gehört er dem A-Nationalkader Argentiniens an. "Mit einem solchen Spieler kann man nichts falsch machen", sagt Nationalcoach Pekerman. "Ich sehe ihn ja täglich: Es ist unglaublich, was der Kleine draufhat", meint auch Barca-Teamkollege Ronaldinho. Und der muss es schließlich wissen.

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