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Kommentar

EM-Aus für Marco Reus: Trotz der persönlichen Tragik - Löws Entscheidung ist richtig

Er ist mittlerweile der große Schmerzensmann des deutschen Fußballs: Marco Reus verpasst nach der WM wieder ein großes Turnier wegen einer Verletzung. Joachim Löw kann man dabei keinen Vorwurf machen.

Marco Reus im DFB-Trikot. Für die EM wurde er wegen einer Verletzung aus dem Kader gestrichen

Die persönliche Tragik, den Schmerz und die Enttäuschung, die das EM-Aus für Marco Reus gerade an seinem 27. Geburtstag bedeuten, kann man als Außenstehender nur erahnen.

Es ist eine Hammer-Nachricht: Joachim Löw verzichtet bei der Nominierung des endgültigen EM-Kaders auf Marco Reus. Wieder ist der Dortmunder Angreifer nicht bei einem großen Turnier dabei. Wie schon bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren verhindert eine Verletzung seine Teilnahme. Die persönliche Tragik, den Schmerz und die Enttäuschung, die das EM-Aus für ihn gerade an seinem 27. Geburtstag bedeuten, kann man als Außenstehender nur erahnen.
Tatsache ist auch: Mit Reus verliert die Nationalelf einen ihrer besten Spieler. Ein fitter Reus wäre eine "enorme Bereicherung" für die Nationalelf gewesen, sagte Löw. Das sind keine wohlfeilen Worte des Bundestrainers, sondern sie entsprechen der Wahrheit.

Reus wird nicht nach Frankreich zur EM fahren.

Entscheidung aufgrund der medizinischen Prognose

Und doch ist die Entscheidung des Bundestrainers richtig und souverän, auf einen verletzten Spieler zu verzichten, dessen Heilungsverlauf nicht vorhersehbar ist. Man darf Löw glauben, dass er und sein Trainerteam die Entscheidung hauptsächlich aufgrund der medizinischen Prognose gefällt haben. Mittlerweile ist bekannt, dass Reus an einer Schambeinentzündung leidet. Er könne im Moment "nur geradeaus laufen" sagte Löw. Für ein langes und kräftezehrendes Turnier aber braucht Löw gesunde Spieler, oder solche, bei denen absehbar ist, dass sie rechtzeitig fit werden, so wie es bei Schweinsteiger, Hummels oder Khedira der Fall ist.

Deshalb sind Spekulation darüber müßig, ob Reus Opfer einer generellen Abneigung Löws gegenüber Dortmunder Spielern geworden ist. Oder dass Reus in der Wertschätzung des Bundestrainer nicht so hoch rangiert wie ein Podolski. Es ist Löw zu zutrauen, dass er einen Schweinsteiger gestrichen hätte, wenn der aus gesundheitlichen Gründen kaum eine Chance auf einen Einsatz gehabt hätte. Doch das ist nicht Fall. Schweinsteiger ist bereits wieder voll belastbar. Gleiches gilt für Hummels. Der wird wegen eines Muskelfaserisses höchstens das Auftaktspiel verpassen, soll dann aber wieder voll eingreifen.

Geheimhaltung der Verletzung war professionell

Dass der DFB die Schwere der Verletzung von Reus so lange nicht kommuniziert hat, ist den Verantwortlichen ebenfalls nicht vorzuwerfen. Sie haben so wilde Spekulationen im Vorfeld der endgültigen Nominierung und damit Unruhe bei der EM-Vorbereitung verhindert. Das ist nur professionell.

Löw hat als Bundestrainer alles dem Erfolg unterzuordnen. Das ist seine wichtigste Aufgabe und das hat er mit der Entscheidung im Fall Reus getan, so bitter das persönliche Schicksal des Dortmunders auch ist.

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