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Michael Ballack in der Kritik: Bayer demontiert den "Capitano"

Er war ein Fußball-Weltstar, doch jetzt findet seine Karriere ein unwürdiges Ende: Bayer Leverkusen rechnet öffentlich mit Michael Ballack ab. Seine Verpflichtung war für den Verein ein Fehlschlag.

Für Bayer Leverkusen ist die Zeit der Abrechnung gekommen: Die Verantwortlichen des Clubs nehmen sich Michael Ballack vor. Knallharte Aussage von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im Kölner "Express": "Es ist der Zeitpunkt erreicht, wo wir uns alle eingestehen müssen, dass unsere Überlegungen, die wir vor 20 Monaten hatten, nicht aufgegangen sind." Die Verpflichtung Ballacks 2010 war für Bayer also ein Fehlschlag.

Auslöser der Abrechnung des Chefs des Bundesliga-Sechsten war das Verhalten des ehemaligen Kapitäns der Nationalmannschaft nach seiner Auswechslung im Spiel gegen Mainz, als er Trainer Robin Dutt den obligatorischen Handschlag verweigerte. Holzhäuser zur "Bild": "Ballacks Verhalten hat mich enttäuscht. Von ihm ist zu wenig gekommen. Er kann durch seine Aura auf das Publikum einwirken - das hat er nicht getan." Die Zuschauer hatten sich auf die Seite Ballacks geschlagen und seine - sportlich gesehen vollkommen korrekte - Auswechslung nach einer Stunde mit Pfiffen quittiert. Sportdirektor Rudi Völler hatte überhaupt kein Verständnis für die Reaktion Ballacks und des Publikums: "Ich hätte ihn schon zur Halbzeit ausgewechselt", sagte er nach dem 3:2-Sieg am vergangenen Wochenende.

Erfolglose Gespräche

Der frühere Nationalmannschaftskapitän hat in Leverkusen keine Zukunft mehr, schaut man sich weitere Aussagen des Clubchefs an. "Er sollte überlegen, ob er sich immer im Sinne des Vereins verhält. Rudi Völler und ich haben in dieser Woche auch darüber mit ihm gesprochen – leider erfolglos", so Holzhäuser im "Express". Am Samstag beim Spiel in Bremen wird Ballack wohl auf der Bank sitzen.

Ein Verkauf des 35-jährigen Mittelfeldstars noch in der Winterpause will Bayer dennoch nicht forcieren. "Das ist nicht die Absicht. Ich gehe davon aus, dass Michael die nächsten drei Monate seinen Job gut macht", sagte Holzhäuser der Nachrichtenagentur DPA. Das Transferfenster schließt am 31. Januar, also kommenden Dienstag.

Ballack hat mit seiner Reaktion eine Debatte neu entfacht, die bereits abgeschlossen schien. Der frühere Weltklassespieler war in dieser Saison bereits zum achten Mal ausgewechselt worden. Zuletzt hatte es deshalb keinen Ärger gegeben. Seine Leistungen in Leverkusen sind insgesamt durchschnittlich, nach einem Zwischenhoch im Herbst hatte Ballack in den vergangenen Bundesligaspielen eher dürftige Auftritte hingelegt. Mit seinem Abgang am Sonntag könnte er jetzt dafür gesorgt haben, dass es sein vorerst letzter Auftritt von Beginn an war. In der Mannschaft, so berichtet der Kicker, soll er zunehmend isoliert sein. Die anderen Spieler nerve es, ständig auf den Ex-Capitano der Nationalmannschaft angesprochen zu werden. Damit könnte es bald ein Ende haben.

ben

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