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Michel Platini: Nur eine Puppe Blatters?

Michel Platini ist auch als Sportfunktionär ein Siegertyp geblieben. "Als Fußballer habe ich bei großen Siegen einen Pokal bekommen. Heute ist es für mich ebenfalls ein großer Erfolg", freute sich der zum neuen Uefa-Präsidenten gewählte frühere französische Nationalspieler.

Im Duell um die Macht in der Europäischen Fußball-Union (Uefa) setzte er sich beim Kongress am Freitag in Düsseldorf mit 27:23 Stimmen gegen den Schweden Lennart Johansson durch. "Ich bin sehr bewegt, gerührt und glücklich. Es ist der Beginn eines Abenteuers", sagte Platini.

Als "Nummer 10" hat Platini 72 Mal Regie in der französischen Nationalmannschaft geführt und wurde zum Weltstar. Als Nummer 1 der Uefa will er nun die Fäden im europäischen Fußball ziehen. Den Aufstieg zum Spitzenfunktionär schaffte der im lothringischen Jouef geborene Platini nahtlos. Der heute 51-Jährige war Kapitän der "Equipe tricolore", gewann 1984 die Europameisterschaft und wurde drei Mal "Europas Fußballer des Jahres".

Blatter-Statthalter

Nach einem Intermezzo als französischer Nationaltrainer (1988- 1992) begann seine Funktionärslaufbahn mit der Ernennung zum Vizepräsidenten des Organisationskomitees für die WM 1998. Danach war er vier Jahre Berater von Fifa-Präsident Joseph Blatter und zog 2002 in die Exekutivkomitees von Uefa sowie Fifa ein.

Die Nähe zu dem Schweizer, der für Platini offen und gegen die Regel der Neutralität als Fifa-Chef ("Meine Sympathie gehört Platini") noch in seiner Kongress-Rede warb, war zweischneidig: Während Johansson, 1998 Gegenkandidat von Blatter im Kampf um den Fifa-Chefsessel, nicht das beste Verhältnis zu dem Eidgenossen hatte, könnte der Franzose schnell den Ruf eines Statthalters bekommen.

Platini mit revolutionären Plänen

Den Vorwurf, nicht über genügend sportpolitische Erfahrung für so ein Spitzenamt zu verfügen, wies Platini zurück. "Ich bin bereit, weil ich 35 Jahre Erfahrung und intimste Kenntnisse des Fußballs gewonnen habe", konterte er in seiner rhetorisch brillanten Rede auf dem Uefa-Kongress, in der er versprach, "den Schatz Fußball" zu hüten und ihn nicht zum Spielball der Wirtschaft werden zu lassen.

In seinem Wahlkampf hat sich Multimillionär Platini als dynamischer Fußball-Romantiker profiliert, der für die kleinen Ländern kämpft, die Macht des Geldes anprangert und die großen Vereine zur Solidarität sowie Verzicht mahnt. So will er die Zahl der Champions-League-Plätze auf höchstens drei pro Land begrenzen und die Zahl der EM-Endrundenteams von 16 auf 24 aufstocken.

DPA

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