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Paul Rooij im stern: Jetzt spricht der Wettpate

Der frühere St.-Pauli-Profi René Schnitzler enttarnte ihn als Schlüsselfigur im Fußball-Wettskandal: der Niederländer Paul Rooij. Im aktuellen stern kommt der Wettpate jetzt selbst zu Wort.

Auch in Deutschland werden nach Aussagen des niederländischen Fußball-Wettpaten Paul Rooij Spiele verschoben. Das bestätigte Rooij dem stern. "Man braucht mehr als zwei, drei gekaufte Spieler in einer Mannschaft, das können Sie mir glauben", sagte der Niederländer bei einem Interview mit dem Hamburger Magazin, das am Flughafen Amsterdam geführt wurde. Die Erste Bundesliga sei "sicher nicht" betroffen. "Weiter unten geht es besser, auch in anderen Ländern. In Ligen, wo die Gehälter nicht so pünktlich gezahlt werden."

Vergangene Woche hatte der frühere St. Pauli-Profi René Schnitzler im stern beschrieben, wie er von Rooij knapp 100.000 Euro für die Manipulationen von Auswärtsspielen des FC St. Pauli erhalten hatte. Der Beschuldigte widerspricht: "Ich habe Schnitzler kein Geld gegeben. Er hat bei mir gewettet wie all die anderen. Schnitzler hat sogar 30.000 Euro Schulden bei mir." Auf die Frage, warum der Stürmer sich mit einer falschen Aussage selbst belasten solle, antwortete Rooij: "Mit dieser Frage muss ich mich wohl beschäftigen." Rooij streitet eine Verwicklung in Manipulationen von Fußballspielen ab. "Ich habe niemals ein Spiel verschoben."

Dem stern liegen jedoch interne Aussageprotokolle von weiteren Verdächtigen vor, die unabhängig voneinander schildern, wie sie Zeugen waren, als Rooij den damaligen St.-Pauli-Profi bestach, darunter einer der beiden Hauptverdächtigen im Bochumer Wettprozess, Marijo Cvrtak. Der Nürnberger Cvrtak gab gegenüber den Bochumer Ermittlern zu Protokoll, dass Rooij neben Schnitzler sogar noch vier weitere Spieler vom FC St. Pauli gekauft habe.

Vom stern mit diesen Aussagen konfrontiert, sagte Rooij: "Okay, stimmt. Sieht scheiße für mich aus. Ich sehe schon, die Aussagen sind ein Problem für mich. Aber es ist nun mal so: Ich habe nie ein Spiel verschoben."

Rooij gibt gegenüber dem stern an, bis 2005 mehr als fünf Jahre in Süddeutschland im Gefängnis gesessen zu haben. Er habe damals "mehrere hundert Kilo Marihuana" geschmuggelt. Anschließend befasste er sich mit dem internationalen Wettmarkt und setzte bis vor einigen Monaten für "rund 50 Kunden aus ganz Europa" hohe Summen bei asiatischen Wettanbietern. Dieses Geschäft betreibe er nun nicht mehr. Rooij: "Es gibt zu viele Personen, die nicht zuverlässig sind. Und die zu hohen Schulden haben. In der Fußball-Wettszene steckt nicht mehr sehr viel Geld."

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