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Prozess: Harte Strafe gegen "Stadionflitzer"

Immer wieder stören so genannte "Stadionflitzer" Bundesliga-Spiele. Hansa Rostock konnte in Deutschlands ersten Prozess einen Erfolg verbuchen - das Urteil ist richtungweisend.

Fußball-Zweitligist FC Hansa Rostock hat in erster Instanz einen bislang einmaligen Prozess im deutschen Fußball gegen "Stadionflitzer" gewonnen. Wie der Verein bekannt gab, verurteilte das Landgericht Rostock drei Zuschauer zur Zahlung von zusammen 20.000 Euro an den Club. Zu dieser Summe war Hansa vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verurteilt worden, nachdem im Bundesliga-Spiel am 25. Oktober 2003 drei Zuschauer in den Innenraum gelangt waren und das Spiel durch Überqueren des Rasens gestört hatten.

Die Verurteilten haben gegen die Entscheidung Berufung beim Oberlandesgericht Rostock eingelegt. Hansa-Anwalt Gunnar Kempf geht davon aus, dass die zweite Instanz das Urteil bestätigt. "Dann läge erstmals eine obergerichtliche Grundsatzentscheidung zu den Flitzerfällen vor", sagte er. Auch während des Confederations Cup im vergangenen Juni in Deutschland waren mehrmals Zuschauer auf das Spielfeld gestürmt.

Besucher dürfen Spielbetrieb nicht stören

Wie Kempf erklärte, verurteilte das Gericht in Rostock die Störer wegen einer vertraglichen Pflichtverletzung. "Ein Stadionbesucher schließt mit dem Veranstalter des Bundesliga-Spiels einen Zuschauervertrag", erläuterte Kempf. In diesem Vertrag verpflichte sich der Veranstalter, dem Besucher gegen einen Eintrittspreis das Zuschauen des Spiels zu ermöglichen. Der Besucher darf von seinem Platz aus zuschauen, aber den Spielbetrieb zwischen den Mannschaften auf dem Spielfeld nicht stören. Da die Zuschauer die Nebenpflicht aus dem Vertrag verletzten, müssen sie nun dem Verein den entstandenen Schaden ersetzen.

Da auch andere Störungen wie das Abbrennen von Feuerwerkskörpern oder das Werfen von Gegenständen Verletzungen der Nebenpflicht darstellen, könnten zukünftig auch andere Vereine die Strafen von DFB und Deutscher Fußball-Liga (DFL) und die dazugehörigen Anwalts- und Gerichtskosten an die Verursacher weiterreichen.

DPA / DPA
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