Ronaldos Comeback Weinen, beichten und von vorn beginnen


Noch ist Ronaldo nicht vergessen. Nicht in Spanien, wo der dreimalige Weltfußballer in den Diensten von Real Madrid und dem FC Barcelona seine Tore schoss. Eins davon ist vergangene Woche Gegenstand einer Klage vor dem Obersten Gerichtshof in Madrid gewesen.
Von Martin Henkel

Sieben Spieler des unterklassigen Klubs Sociedad Deportiva Compostela fühlten sich durch einen reaktivierten Werbespot des Sportartikelherstellers Nike aus dem Jahr 1997 in ihrer "Ehre verletzt". Der Film zeigt sie als Statisten eines Sololaufs des damals 20 Jahre alten Brasilianers, er schließt mit den Worten: "Stell dir vor, du bittest Gott, der beste Fußballer der Welt zu sein ... und Gott erhört dich." Die Richter haben die Klage abgewiesen.

Erleichterung in Beaverton, dem Stammsitz Nikes in den USA. Mit Ronaldo verbindet den Sportwarenhersteller der größte Werbedeal der Geschichte, er kostet 1 Mio. $ jährlich, auf Lebenszeit. Doch ist mit dem einstigen Wunderstürmer gerade nicht gut werben, da braucht es die Bilder der Meisterwerke von einst.

Vor gut einem Jahr riss Ronaldo im Spiel des AC Mailand gegen Livorno das linke Kniescheibenband. Seither bemüht er sich um ein Comeback. Am Donnerstag war es so weit. Beim unterklassigen Provinzverein Itumbiara trat sein neuer Klub SC Corinthians São Paulo an und gewann ein Pokalspiel 2:0. Ronaldo wurde erst 27 Minuten vor Schluss eingewechselt - und war hinterher erschöpft. Kein Tor, kein Torschuss, dabei wäre Ronaldo mit einem Treffer auf einen Schlag eine Menge Probleme los. Vor allem den Spott der Medien und das Geschwätz in den Straßen seiner Heimat. Dass er schwul sei, kokainabhängig, alkoholsüchtig, zu dick, zu alt. Die Aura des von Gott Erhörten ist verflogen.

Ronaldo selbst hat sie beseitigt. Zuerst in Mailand, als er sich für einen Werbevertrag eine Kraushaarfrisur zulegte, die an den Schopf eines Anstaltsirren erinnerte. Danach vor Ibiza, als er schmerbäuchig, rauchend und Bier trinkend auf einer Jacht abgelichtet wurde. Schließlich in São Paulo, wo er drei Prostituierte auf sein Motelzimmer bestellte. Die Damen waren Männer und der Skandal trotz Abbruch des Schäferstündchens perfekt. Einer der Transvestiten erzählte später, Ronaldo habe ihn zum Kokainkauf in die nächste Favela geschickt.

Kaum ein Fußballer hätte allein den letzten Eklat so annähernd schadlos überstanden wie Ronaldo, der weinte, beichtete und versicherte, heterosexuell zu sein und drogenfrei. Es hätten auch nur die wenigsten einen Verein gefunden, der bereit ist, für die Dienste eines maladen Altmeisters die Werbeflächen auf Trikotärmel und Hose zur Selbstvermarktung herzugeben und auf diesen Deal auch noch 140.000 Euro Monatsgehalt zu legen. Doch Corinthians hat den Einjahresvertrag bereits jetzt über den Verkauf des Trikots mit der Rückennummer 99 gegenfinanziert - weshalb man letzte Woche auch Ronaldos frühmorgendlichen Besuch eines Striplokals hingenommen hat. Und schließlich: Wann hat der Fußball seine Helden jemals fallen lassen? Diego Armando Maradona hat es vorgemacht, wie man Gott wird, in die Hölle sinkt und wieder aufersteht.

Die Hoffnung auf so eine Wiedererweckung hält auch Nike davon ab, den Vertrag mit Ronaldo aufzulösen. Denn die Geschichte des 32-Jährigen ist nicht zu Ende. Zwar wird ihm eine Rückkehr wie 2002, als er Brasilien im Finale gegen Deutschland zum WM-Titel schoss, wohl verwehrt bleiben, denn die Knie halten den Haken früherer Tage nicht mehr stand. Doch Hauptsache, Ronaldo trifft - wie in einem Testspiel vergangene Woche: Da erzielte er drei Tore, das letzte aus 40 Metern.

FTD

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