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Schalke unterliegt Galatasaray 2:3: An der eigenen Dummheit gescheitert

Eine erste Halbzeit zum Vergessen hat Schalke das Aus gegen Galatasaray Istanbul in der Champions League beschert. Nach Wiederanpfiff fehlte in einem packenden Duell die Kaltschnäuzigkeit.

Von Tim Schulze

Benedikt Höwedes stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Nach der 2:3-Niederlage gegen Galatasaray Istanbul und dem Aus in der Champions League stellte sich der Kapitän der Schalker dennoch tapfer den Fragen der Journalisten – und beschrieb das ganze Dilemma der Niederlage sehr zutreffend: "Es war unsere eigene Dummheit und die Fehler, die wir gemacht haben. Es hat nichts mit Cleverness von Galatasaray zu tun. Wir haben sie zu Toren eingeladen."

Genauso war es. Leider, muss man aus Schalker Sicht sagen. Gegen die Mannschaft des ehemaligen Knappen Hamit Altintop wäre in diesem packenden Duell mehr drin gewesen. Doch das Team von Jens Keller verschlief die komplette erste Halbzeit. In den zweiten 45 Minuten fehlten Schussglück und Kaltschnäuzigkeit, die man in der Königsklasse braucht, um in die Runde der letzten Acht einzuziehen.

Ausgerechnet der Ex-Schalker Altintop trifft

Dabei war die Ausgangslage gut. Im Hinspiel hatte Schalke ein 1:1 erreicht. Die Mannschaft hatte nach dem berauschenden Derbyerfolg gegen Dortmund die Krise der vergangenen Monate überwunden und war voller Selbstbewusstsein in die Partie in der Schalker Arena gegangen, in der unter den 54.000 Zuschauern 10.000 türkische Fans Galatasaray anfeuerten. Der türkische Meister begann mit viel Druck und überrumpelte die Gastgeber, die sich zunächst in die Defensive gedrängt sahen. In dieser frühen Phase hielt Schlussmann Timo Hildebrand Schalke im Spiel. Sowohl gegen den ivorischen Stürmerstar Didier Drogba (6.) als auch gegen Selcuk Inan (13.) rettete Hildebrand reaktionsschnell. Auch später zeigte der Keeper einige starke Paraden auf der Linie.

Doch Schalke konnte sich frei spielen. Roman Neustädter gelang nach einem abgewehrten Kopfball von Höwedes aus nächster Distanz der Führungstreffer in der 17. Minute. – 1:0. Das Tor zum Viertelfinale stand weit offen. Dass Galatasaray dann bis zum Halbzeitpfiff zwei Tore erzielte und den Rückstand in eine Führung drehte, war dem Glück und dem Unvermögen der Gastgeber zu verdanken. Bei Altintops Sonntagstreffer aus 30 Metern schlief die gesamte Schalker Defensivabteilung kollektiv und brav aufgereiht auf der Strafraumgrenze (37.). Dabei ist Altintop bekannt für seinen starken Schuss. Der gebürtige Gelsenkirchener hat schließlich lange auf Schalke gespielt. Aber keiner wollte seine Kreise stören. Hildebrand im Tor war ohne Chance. Altintop bat danach um Nachsicht: "Die Fans von Galatasaray verdienen meinen Jubel und meine Leidenschaft, so wie ich es damals auf Schalke gezeigt habe. Deswegen hoffe ich, dass die Schalker Fans es mir nicht übel nehmen werden."

Hart aufgeschlagen in der Realität

Übel nahmen sie es ihrer Mannschaft, die immer wieder unerklärliche Fehler produzierte. Sie ließ Galatasaray viel zu viel Raum. Dem 2:1 durch den extrem gefährlichen Burak Yilmaz ging ein haarsträubender Fehlpass von Roman Neustädter voraus. Das anschließende Laufduell verlor Höwedes gegen den türkischen Torjäger – und Hildebrand kam zu spät aus dem Tor (42.).

In den zweiten 45. Minuten trat dann eine andere Schalker Mannschaft auf. Angeführt von Spielmacher Julian Draxler spielten sich die Königsblauen zahlreiche Torchancen heraus. Nach einem Lattenschuss von Marco Höger nutzte Michel Bastos das Chaos im Strafraum zum Ausgleich (63.). Schalke war die überlegene Mannschaft, auch weil den Türken langsam die Puste ausging. Allein Draxler scheiterte drei Mal, einmal nach einem tollen Solo, als er drei Istanbuler wie Slalomstangen umkurvte. Der für den verletzten Klaas Jan Huntelaar spielende Teemu Pukki hatte ebenfalls gute Gelegenheiten ebenso wie Bastos und Höwedes – aber nix war es mit dem dritten Tor und dem Erreichen des Viertelfinales. In der Nachspielzeit schloss Galas Umut Bulut einen Konter mit dem Tor zum 2:3-Endstand ab. "Wir waren in beiden Spielen die klar bessere Mannschaft. Wir sind einfach unnötig ausgeschieden", zog Hildebrand die bittere Bilanz.

Gescheitert an den eigenen Fehlern – Schalke ist nach dem Aufwärtstrend der vergangenen Wochen wieder auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet. Trainer Jens Keller, dem das Erreichen des Viertelfinales gute Argumente für ein Engagement über den Sommer hinaus geliefert hätte, war enttäuscht: "Aber es gibt gar keinen Grund, in Depressionen zu verfallen." Bezogen auf die zweite Halbzeit hat Keller recht.

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