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Schweinsteiger wechselt zu Manchester Muss so ein Abschied sein, liebe Bayern?

Bastian Schweinsteiger im roten FC Bayern Trikot hält auf dem Fußballplatz grinsend seine Daumen in die Luft
Bastian Schweinsteiger nimmt das Angebot von Manchester United an
© Michaela Rehle/DFL/Reuters
Bastian Schweinsteiger verlässt die Bundesliga. Für ihn selbst ist der Schritt nachvollziehbar. Doch der FC Bayern muss sich fragen lassen, ob er einen seiner größten Stars seiner Geschichte nicht würdiger hätte verabschieden können.
Ein Kommentar von Felix Haas

Auf den ersten Blick kann sich der FC Bayern nichts vorwerfen lassen. Alle Fristen sind eingehalten worden, es wurden keine Absprachen gebrochen, die Entscheidung über einen Abgang überließen die Bosse stets Bastian Schweinsteiger allein - und: Schweini bekommt vielleicht einen Abschied. Bei der Team-Präsentation zur neuen Saison am Nachmittag könnte er noch einmal im Fokus stehen. Die Fans könnten ihn feiern, ihren Fußballgott. Sie könnten ihm alles Gute wünschen für den Karriere-Neustart in Manchester. Vordergründig scheint also alles okay zu sein beim Wechsel von Schweinsteiger nach Manchester.

Und doch gibt es dieses unangenehme Gefühl in der Magengegend, wenn man an die letzten Wochen und Monate denkt. Eigentlich hat sich dieser Wechsel ja schon seit mindestens einem halben Jahr angedeutet. Zumindest im Nachhinein ist es nun einfach, das ganze Brimborium so zu interpretieren. Bastian Schweinsteiger war in der vergangenen Saison viel verletzt, kam nur schleppend an die Mannschaft heran, und wenn er fit war, dann merkte man schon: Pep Guardiola schätzt ihn, er schätzt ihn so wie er alle super super Fußballer schätzt. Aber dann eben auch nicht ganz so, wie er super super super Fußballer schätzt. Thiago, Lahm und Xabi Alonso - das sind Guardiolas Lieblinge im Mittelfeld. Das werden sie auch in der kommenden Saison bleiben.

Bei Guardiola bloß als Ersatz auf der Bank

Also ging es in den vergangenen Wochen immer hin und her. Der FC Bayern betonte stets, nur Schweinsteiger allein könne die Entscheidung treffen, ob er gehen wolle oder nicht. Das sei man einem großen Spieler wie ihm schuldig. Medien verkündeten die eine, dann wieder die andere Tendenz. Letztlich hatte er allerdings kaum eine Wahl. Seine vermeintliche Entscheidungsfreiheit existierte nicht. Bei Pep Guardiola hätte er, das hat sich schon im vergangenen Jahr angedeutet, in den wichtigen Spielen auf der Bank gesessen.

Die Münchner haben ihrem eigenen Helden also etwas vorgemacht. Warum so ein Hickhack, wenn man intern klare Absprachen hätte treffen können?  Eine ehrliche (nur interne) Ansage kurz vor dem Saisonende wäre für alle angenehmer gewesen: Schweini, der Pep plant nicht mit dir, hätten Sammer und Rummenigge sagen können. Und Schweinsteiger hätte im großen Stil verabschiedet werden können. Mit der Meisterschale in der ausverkauften Allianz-Arena. Er wäre mit Sicherheit nicht nachtragend gewesen. Denn Spieler seines Formats kennen das Geschäft, sie können mit klaren Ansagen umgehen.

Für ihn selbst ergibt es absolut Sinn, eine neue Herausforderung zu suchen. Zu Manchester und in die Premier League passt er perfekt mit seinem schnörkellosen, kampfbetonten Spiel, mit seinen präzisen langen Bällen. Schweinsteiger muss spielen, er muss wichtig sein für eine Mannschaft, allein schon mit Hinblick auf die Nationalmannschaft und die Europameisterschaft 2016. Schweinsteigers letztes großes Turnier. Da will er noch einmal gewinnen.

Er wird zurückkehren

Nun verlässt er den Verein immerhin mit der Gewissheit in einer Reihe zu stehen mit den Bayern-Größen: Beckenbauer, Hoeneß, Maier, Müller, Matthäus, Effenberg. Schweinsteiger hat den Club geprägt auf dem Weg zur internationalen Weltmarke nach einem kleinen Durchhänger zwischen 2001 und 2010. Er wird daher mit Sicherheit irgendwann zurückkehren an die Säbener Straße. Und wenn er dann 2020 Jugentrainer wird, dann kann er immerhin eines besser machen als sein aktueller Coach: Er kann klare Ansagen an seine Spieler formulieren. Zeit zu üben hat er ja bis dahin noch genug - bei seinem ersten anderen Verein.


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