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Sebastian Deisler: Die Bayern glauben an das Sorgenkind

Nach mehr als drei Jahren Anlaufzeit scheint Sebastian nun in die Rolle hineinzuwachsen, für er vorgesehen war. Inzwischen gilt Deisler sogar als Kandidat für die Ballack-Rolle.

Aus dem Sorgenkind ist selbst für Trainer Felix Magath im vierten Jahr nach Deislers Wechsel für 9,2 Millionen Euro von Hertha BSC nach München ein Hoffnungsträger geworden, der sogar als mögliche interne Nachfolge-Lösung im Falle eines Ballack-Abschieds nach der Weltmeisterschaft gehandelt wird.

Denn Deisler blüht in der WM-Saison spürbar auf. "Ich fühle mich rundum wohl", erklärte der 25-Jährige vor dem Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Rapid Wien. Ein halbes Jahr vor Ablauf seines hoch dotierten Vierjahresvertrages beim deutschen Meister stehen die Zeichen nicht mehr auf Trennung, sondern auf Verlängerung. "Ich bin hoffnungsfroh, dass wir in Kürze Vollzug melden können", erklärte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Auch Magath will den 25 Jahre alten Mittelfeldspieler unbedingt halten. "Sebastian hat sich stabilisiert. Und wir sind überzeugt, dass seine Entwicklung weiter geht. Darum wollen wir mit ihm verlängern", sagte der Trainer.

Deisler im Aufwind

Deisler selbst zögert zwar noch mit der Unterschrift unter das vorgelegte Vertragsangebot, aber an einen Vereinswechsel denkt er nicht. Der Nationalspieler will anscheinend noch ein wenig abwarten, ob sich die positive Entwicklung der vergangenen Wochen, in denen er beim Bundesliga-Spitzenreiter regelmäßig zur Startformation zählte, fortsetzt. "Im Moment läuft es ganz gut bei mir", bemerkte Deisler.

Das war in der Vergangenheit selten der Fall. "Es gibt Phasen, die wie verflucht sind", klagte Deisler noch Anfang Oktober vor dem Länderspiel der Nationalmannschaft in der Türkei (1:2). Doch dann schoss er eine Woche später beim 2:1-Sieg gegen Juventus Turin sein erstes Europapokal-Tor. "Das war ein bisschen eine Initialzündung", kommentierte er rückblickend. Beim 1:2 im Rückspiel gelang ihm in Turin prompt Saisontor Nummer zwei. Hinzu kamen ständige Einsätze über 90 Minuten. "Da kriegt man ein anderes Gefühl für das Spiel."

Labiles Sorgenkind

Der labile Profi, der körperlich so fit wirkt nie zuvor in seiner Karriere, nennt mehr Geduld als einen der Hauptgründe für seinen Aufschwung. "Es ging für mich auch darum, ruhiger zu werden, weniger hektisch." Magath bestätigt das: "Er ist mittlerweile nicht mehr ganz so aufgeregt. Zu Beginn der Saison wollte er zu viel."

Inzwischen wird Deisler sogar als mögliche interne Lösung gehandelt, falls Ballack nach der Saison den FC Bayern verlassen sollte. "Ich traue mir das zu", sagte Deisler. Er will ohnehin mehr Verantwortung im Münchner Star-Ensemble übernehmen. "Es funktioniert aber nicht so einfach, dass man sagt: Geht der Ballack, übernimmt der Deisler", kommentierte Magath. Der Trainer kann sich eine Versetzung Deislers von der rechten Außenbahn ins Zentrum zwar vorstellen, aber beide Spieler könne man nicht vergleichen. Deisler verfüge nicht über die Kopfballstärke und Torgefährlichkeit eines Ballack. "Sebastian ist ein großartiger Techniker. Er kann gefährliche Flanken schlagen und hat einen guten Schuss aus der zweiten Reihe", so Magath.

Obwohl die Spielmacher-Rolle seine erklärte Lieblingsposition ist, hofft Deisler nicht auf einen Ballack-Wechsel. Er finde es vielmehr "unfair", dass von Außen versucht werde, "einen Keil zwischen die Mannschaft und Ballack zu treiben". Deisler wirbt um Verständnis für den Teamkollegen. "Es ist eine normale Geschichte, dass ein Spieler, wenn sein Vertrag ausläuft, nicht direkt einen neuen unterschreibt."

Klaus Bergmann/DPA

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