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Sonntagsspiele: Kämpferische Bayern-Show gegen Bochum

Eine frühe Führung für Bochum, eine Gelb-Rote Karte für van Bommel und am Ende ein sicherer Sieg für wütende Bayern - der Tabellenführer baute seinen Vorsprung in der Tabelle auf neun Punkte aus und marschiert unaufhaltsam Richtung Meisterschaft. Leverkusen erlebte gegen Dortmund einen Last-Minute-Schock.

Bayern München ist der 21. Meisterschaft einen großen Schritt nähergekommen. Der Rekordtitelträger gewann nach kämpferisch starker Leistung und in Unterzahl gegen den VfL Bochum 3:1 (1:1) und hat nun neun Punkte Vorsprung auf Platz zwei. Mimoun Azaouagh hatte die Gäste nach nur vier Minuten in Führung gebracht, und nach der Gelb-Roten Karte gegen Mark van Bommel (27.) sprach zunächst alles gegen die Münchner. Doch Lucio (31.) und Franck Ribery (74./Handelfmeter) drehten das Spiel, ehe Christian Lell nach toller Vorarbeit des eingewechselten Miroslav Klose in der 88. Minute alles klar machte.

Vier Tage vor dem Viertelfinal-Rückspiel im Uefa-Cup beim FC Getafe schien die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld zunächst gedanklich schon in Spanien. Nach ganz schwachem Beginn steigerte sich der Tabellenführer erst in Unterzahl gegen die zuvor in sechs Spielen ungeschlagenen Gäste spielerisch und kämpferisch. Der Sieg gegen den mit zunehmender Spieldauer immer mehr abbauenden VfL war somit verdient.

Bochum war zunächst besser

Vor 69.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner WM-Arena stellte der Gast zunächst die bessere und konzentriertere Mannschaft. Bochum war gut organisiert und die Bayern taten sich entsprechend schwer. Das 0:1 war der verdiente Lohn der sehr guten Anfangsphase der Gäste. Ein unnötiger Befreiungsschlag von Lucio landete über Umwege bei Azaouagh, der den Ball mit voller Wucht aus 24 Metern unhaltbar für Oliver Kahn in die obere Torecke knallte.

Ribery hatte nach 16 Minuten die beste Torchance zum Ausgleich, doch er zielte alleine vor Torwart Jan Lastuvka knapp am Bochumer Tor vorbei. Als kurz darauf Lucio per Kopf vergab und auch noch van Bommel nach einem zu risikoreichen Tackling gegen Oliver Schröder Gelb-Rot sah, schien Bochum endgültig die besseren Karten zu haben - doch der Platzverweis war ein Weckruf für die Münchner.

Bayern blieben am Drücker

Vier Minuten später traf Lucio nach einem Freistoß von Bastian Schweinsteiger per Kopf zum 1:1, und die Bayern blieben am Drücker. Das Fehlen der Stammspieler Christoph Dabrowski und Thomas Zdebel im VfL-Mittelfeld machte sich erst jetzt bemerkbar, und Luca Toni sowie Ribery ließen noch vor der Pause gute Chancen ungenutzt.

VfL-Coach Marcel Koller musste Azaouagh nach der Pause in der Kabine lassen: Der bis dahin beste Mann auf dem Platz hatte sich bei einem Zweikampf mit Ribery verletzt. Mit dem eingewechselten Tommy Bechmann lief im Offensivspiel der Bochumer nur noch wenig zusammen, Kahn wurde in seinem 553. Bundesliga-Spiel, mit dem er Platz 3 der ewigen Bestenliste eroberte, kaum mehr geprüft.

Podolski spielte schwach

Doch auch bei den Bayern war das Feuer aus der Endphase der ersten Hälfte erloschen. Ein weit über das Tor gesetzter Freistoß von Schweinsteiger blieb lange das einzige Lebenszeichen, vor allem die Angreifer Toni und Lukas Podolski spielten schwach. Letzterer wurde folgerichtig in der 66. Minute durch Klose ersetzt, doch es war Toni, der freistehend aus fünf Metern den Siegtreffer bereits auf dem Kopf hatte - und vergab (69.).

Es bedurfte schon eines Handspiels von Marc Pfertzel, um die Bayern auf die Siegerstraße zu bringen. Ribery verwandelte den fälligen Strafstoß ohne Mühe. Klose vergab nur eine Minute danach die mögliche Vorentscheidung gegen den gut reagierenden Lastuvka, ehe er dann genial das 3:1 durch Lell vorbereitete. Die Münchner hatten in Martin Demichelis und Ze Roberto ihre besten Spieler. Beim VfL gefiel neben Azaouagh noch Kapitän Marcel Maltritz am besten.

Bayer lebte einen Last-Minute-Schock

Im zweiten Sonntagsspiel erlebte Bayer Leverkusen einen Last-Minute-Schock und rutschte tiefer in die Krise. Nach zwei Liga-Niederlagen und der 1:4-Abfuhr gegen Zenit St. Petersburg verschenkte Bayer bei Borussia Dortmund in der Schlussphase eine 1:0-Führung und verlor noch mit 1:2 (0:0). Alexander Frei (87.) und Dede (90.+3) schafften für den BVB noch die späte und vielumjubelte Wende, die Fans hatten ihre Mannschaft zuvor bereits ausgepfiffen. Für Dortmund war es der erste Sieg nach zuvor fünf Spielen ohne Dreier.

Frei erzielte sein erstes Bundesliga-Tor seit elf Monaten, zuvor hatte Stefan Kießling einen Blackout des BVB-Torhüters Marc Ziegler zum 0:1 (51.) genutzt. Ziegler hatte nach einer Rückgabe von Siegtroschütze Dede völlig unbedrängt über den Ball getreten, der Leverkusener brauchte nur noch einzuschieben.

Nahezu kampflos, emotionslos und torlos verlief die erste Halbzeit, in der die Borussia zwar größere Spielanteile besaß, jedoch spielerisch zuviele Mängel offenbarte, um die nach dem Debakel gegen St. Petersburg sichtlich verunsicherten Leverkusener vor Probleme zu stellen. Zwar mit spielerisch erfolgversprechenden Ansätzen, brachten sich die Gastgeber mit allzu schlampigem Passspiel selbst um die möglichen Früchte.

SID/tis / SID

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