Uefa-Pokal Schwere Randale auf der Reeperbahn


Schwere Ausschreitungen in Hamburg: Vor dem Uefa-Pokal-Spiel gegen Ajax Amsterdam gegen den HSV haben Hunderte niederländische Fans auf der Reeperbahn randaliert. Die Polizei musste zeitweise die ganze Amüsier-Meile absperren.

Der kahlköpfige Mann liegt auf der Straße, die Hände auf dem Rücken. Dutzende Polizisten - ausgerüstet mit Schlagstöcken und weißen Helmen - umringen ihn. Ein Beamter ruft: "You are arrested!" - "Sie sind festgenommen!". Vor dem Uefa-Cup-Spiel des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV gegen Ajax Amsterdam herrscht am Donnerstagnachmittag Chaos auf der Reeperbahn: Hunderte gewaltbereite Fans randalieren auf der weltberühmten Sex-Meile, in einem Hotel gehen rund 300 Gläser zu Bruch. Die Polizei nimmt bis zum frühen Abend mehr als 40 Niederländer in Gewahrsam.

Am Nachmittag ist die Lage so brisant, dass die Reeperbahn eine Dreiviertelstunde lang komplett gesperrt wird. Auch später stockt der Verkehr auf Hamburgs "geiler Meile": Mitten auf der Reeperbahn steht ein Wasserwerfer, an dem sich die Autos vorbeischlängeln müssen, und eine schier endlose Reihe von Polizeitransportern säumt den Straßenrand. Die Büdchen des Weihnachtsmarktes sind vor lauter Einsatzwagen kaum zu sehen. An vielen Straßenecken stehen Polizeitrupps in voller Montur, mehrere Hundertschaften sind nach Angaben von Polizeisprecher Ralf Meyer unterwegs. Am Abend sollten rund 800 Beamte im Einsatz sein.

Böller werden gezündet, Flaschen fliegen

Irgendwo kracht es, Böller werden gezündet. Als plötzlich Flaschen fliegen, sprinten die Beamten los - zwei Männer werden festgenommen. Ein dichtes Polizeispalier drängt Fans in eine Seitenstraße, Schaulustige beobachten das Spektakel in Imbissbuden und Kneipen. Überall ist viel Niederländisch zu hören. Rund um den Einsatz geht das normale Reeperbahn-Leben aber weiter: Menschen hasten aus der S-Bahn, schlendern an Sex-Shops vorbei, trinken Bier.

"Was ist denn hier los, was hat das denn mit Fußball zu tun?», empört sich ein junger Mann mit einer schwarzen Mütze. Rund um das Spiel gebe es "ein Dutzend Vollidioten und zehntausend Normale", schimpft ein älterer Herr vor einer Bier-Bar. Andere heizen die Stimmung aber an, grölen herum und beschimpfen Polizisten. Beamte seien auch angegriffen worden, sagt Polizeisprecher Meyer - "mit Flaschen und pyrotechnischen Gegenständen".

Alle S-Bahn-Stationen werden gesichert

Für die Bundespolizei - zuständig etwa für die S-Bahn-Stationen - bleibt es dagegen zunächst relativ ruhig, wie Sprecher Rüdiger Carstens berichtet. "Wir haben aber auch viel aufgefahren." Mehr als 200 Bundespolizisten sind Carstens zufolge im Einsatz, zwölf Diensthunde sollen die S-Bahn-Stationen sichern. Ein Radfahrer auf der Reeperbahn ist angesichts des Trubels ganz verwirrt - und fragt Carstens prompt, um was für ein Fußballspiel es sich denn überhaupt handelt: "Wer spielt denn da?"

Julia Ranniko/DPA DPA

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