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UEFA-Pokal: Zweitligist Aachen sorgt für Furore

Alemania Aachen schafft mit dem Sieg gegen den französischen Spitzenklub Lille eine Riesenüberraschung. Auch der VfB Stuttgart bleibt in der Erfolgsspur. Für den FC Schalke reichte es im Heimspiel gegen Basel nur zu einem Punkt.

Dank Kapitän Erik Meijer gehen die Fußball-Festwochen für Alemannia Aachen weiter. Der 35 Jahre alte Niederländer war am Donnerstag mit seinem zweiten Treffer im Wettbewerb vor 20.352 Zuschauern im Kölner RheinEnergieStadion in der 67. Minute der Matchwinner beim 1:0 (0:0) gegen den OSC Lille. Damit sorgte er für einen Traumstart des nun seit fünf Pflichtspielen unbesiegten Zweitligisten in die Zwischenrunde des UEFA-Cups.

"Das finde ich geil"

"Ich hatte gedacht, dass wir mithalten können. Dass wir gewinnen, das finde ich geil", sagte der lautstark gefeierte Meijer. Trainer Dieter Hecking lobte nicht nur den routinierten Torschützen, sondern den überzeugenden Auftritt des gesamten Teams: "Das war heute Gänsehaut pur, und wir haben dazu erheblich beigetragen."

In der Tabelle der Gruppe H liegen die Aachener, die in ihrer 104-jährigen Vereinsgeschichte erstmals international dabei sind, nach dem überraschenden, aber hoch verdienten Erfolg auf dem zweiten Rang. Es führt der FC Zenit St. Petersburg nach einem 5:1 (1:1) über den AEK Athen. Am 4. November treffen die Aachener auswärts auf den spanischen Spitzenclub FC Sevilla, der zum Auftakt der erstmals ausgetragenen Gruppenphase spielfrei war.

Aachen kaufte dem zweimaligen französischen Meister, der in der Liga nach zuletzt sechs Siegen in Serie punktgleich mit Tabellenführer Olympique Lyon Zweiter ist, mit viel Lauffreude sowie Einsatz den Schneid ab. In der rund 70 Kilometer von Aachen entfernten Domstadt feierten die Fans eine starke Leistung ihres Teams, die Vereins-Verantwortlichen freuten sich über eine wichtige Brutto-Einnahme von 400.000 Euro.

Lob von Otto Rehhagel

In einer an Höhepunkten armen ersten Spielhälfte war Außenseiter Aachen überlegen und hatte die erste gute Chance (4.). Nach einem Einwurf von Dauerläufer Willi Landgraf, der wie Cristian Fiel nach überstandener Grippe ins Team zurückgekehrt war, verfehlte Kai Michalke das gegnerische Tor aus spitzem Winkel nur knapp. Die erste Möglichkeit der Franzosen hatte Matt Moussilou in der 43. Minute, als er aus halblinker Position im Strafraum verzog. Wirklich zwingende Tormöglichkeiten gab es vor dem Seitenwechsel nicht.

Auch nach der Pause begann Aachen druckvoller. Ein Kopfball von Meijer wurde in der 49. Minute von Efstathios Tavlaridis mit Einsatz der Hand kurz vor der Torlinie abgewehrt. Der Grieche wurde von seinem Nationaltrainer Otto Rehhagel beobachtet, doch lobende Worte hatte der Europameister-Coach vor allem für die Aachener. "Hier hat die Kampfkraft den Technikern den Atem genommen", sagte Rehhagel.

Mit zunehmender Spieldauer und abnehmender Kraft der Aachener mühte sich Lille, das im UEFA-Cup im bisher einzigen Vergleich gegen eine deutsche Mannschaft 2002 an Borussia Dortmund gescheitert war, mehr. Doch nach Zuspiel von Simon Rolfes sorgte Meijer für den verdienten Siegtreffer.

Dämpfer für Rangnick

Der FC Schalke 04 hat mit einem 1:1 gegen den Schweizer Meister FC Basel den Auftakt der UEFA-Cup-Gruppenphase verschlafen. Nachdem der Georgier Levan Kobiaschwili die Schalker vor 52.870 Zuschauern in der Arena AufSchalke mit einem Sonntagsschuss schon in der achten Minute in Führung gebracht hatte, entriss der eingewechselte Argentinier Matias Emilio Delgado per Freistoß acht Minuten vor dem Ende den Gelsenkirchenern den sicher geglaubten Sieg.

Fünf Tage nach dem Erfolg über Bayern München gelang dem Bundesliga-Sechsten im vierten Spiel unter Trainer Ralf Rangnick erstmals kein Sieg. In der Tabelle der Gruppe A nehmen die Schalker gemeinsam mit Basel nach dem ersten Spieltag den zweiten Platz hinter Feyenoord Rotterdam ein, das am Donnerstag Heart of Midlothian mit 3:0 bezwang. Bei den Schotten müssen die Gelsenkirchener am 4. November zum zweiten Gruppenspiel antreten.

Ailton nur auf der Bank

Vor den Augen des Bundestrainergespanns Jürgen Klinsmann und Joachim Löw vertraute Rangnick seinen Bayern-Bezwingern - bis auf eine Ausnahme. An Stelle des in dieser Saison an Ladehemmung leidenden Torschützenkönigs Ailton rückte dessen in München gesperrter Landsmann Lincoln in die Mannschaft und Ebbe Sand neben Gerald Asamoah in den Sturm.

Sicher im Spielaufbau und sattelfest in der Abwehr begannen die "Knappen" auch da, wo sie gegen die Bayern aufgehört hatten, nur die beiden Spitzen blieben diesmal stumpf. Doch in Kobiaschwili sprang ein Mittelfeldspieler als Torschütze in die Bresche. Der Georgier schnappte sich nach einem Zuspiel von Christian Poulsen den Ball, zog aus 18 Metern couragiert ab und stellte mit diesem noch abgefälschten Linksschuss in den Torwinkel die Weichen früh auf Sieg.

Schalker wütend auf Schiedsrichter

Ohne ihren wegen einer Oberschenkelzerrung fehlenden Abwehrchef Murat Yakin hatten die Baseler in der ersten halben Stunde Mühe, dem Druck der Gastgeber Stand zu halten. In der 25. Minute verwehrte der belgische Schiedsrichter Johan Verbist den Schalkern einen Strafstoß, als Sand von Philipp Degen unfair gestoppt wurde. "Das war ein Elfmeter, das habe ich von der Tribüne gesehen", sagte Schalke-Manager Rudi Assauer in der Pause. Nur eine Minute später hätte Marco Zwyssig nach einer Eingabe von Hamit Altintop den Ball fast ins eigene Tor befördert.

Danach agierten die Schalker nachlässiger und überließen den Schweizern mehr Spielanteile. Die einzige brenzlige Situation vor der Pause bereinigte jedoch Keeper Frank Rost, der einhändig den Kopfball von Benjamin Huggel nach einer Ecke parierte (36.).

Basel blieb auch in der zweiten Halbzeit vor allem bei Standards gefährlich, doch erst Delgado konnte einen Freistoß zum schmeichelhaften Ausgleich für die Gäste nutzen. Rost sah bei in dierser Szene nicht gut aus.

Für unliebsame Szenen sorgten einmal mehr die berüchtigten Fans des FC Basel. Die Polizei musste während der Partie mit Schlagstöcken gegen gewaltbereite Anhänger der Schweizer vorgehen.

Stuttgart überrollt KSK Beveren

Unbeeindruckt vom afrikanischen Ballzauber des KSK Beveren ist der VfB Stuttgart mit einer souveränen Vorstellung in die Zwischenrunde des UEFA-Cups gestartet. Durch Tore von Cacau (9./52.), Kevin Kuranyi (40.), Philipp Lahm (76.) und Imre Szabics (90./+2) gewann der Bundesliga-Spitzenreiter bei den mit zehn Spielern der Elfenbeinküste verstärkten Belgiern mit 5:1 (2:0) und feierte in der Gruppe G einen Auftakt nach Maß. Vor 7500 Zuschauern im Freethiel-Stadion der flandrischen Kleinstadt überstanden die Schwaben, die erst in der 87. Minute durch N’dri Romaric das 1:4 hinnehmen mussten, auch das 13. Saisonspiel ungeschlagen. Mit einem weiteren Erfolg am 4. November im heimischen Daimler-Stadion gegen Benfica Lissabon kann der VfB den Einzug in die nächste Runde fast schon perfekt machen.

Dietmar Fuchs, Heinz Büse und Ulrike John/DPA / DPA

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