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Uli Hoeneß: "Den Schuh muss ich mir nicht anziehen"

Bayern-Manager Uli Hoeneß äußert sich zum Rückfall von Nationalspieler Sebastian Deisler, der sich erneut in psychatrische Behandlung gegeben hat. Eine Mitschuld des Vereins weist er von sich.

Wie haben Sie von den erneuten gesundheitlichen Problemen Sebastian Deislers erfahren?

Hoeneß: Er hat mich um ein Gespräch gebeten, und darum gebeten, dass er nach Hause fahren kann, weil er sich nicht wohl fühlt und wohl ärztliche Behandlung braucht.

Kam diese Entwicklung für Sie überraschend?

Hoeneß: Man merkt, wie einer sich gibt im Gespräch, wie er einen anschaut. Ich hatte schon mal vor etwa zwei Wochen ein Gespräch, da habe ich ihn gefragt, ob was ist, und da hat er gesagt, es ist alles okay. Da war ich wieder etwas beruhigt, und jetzt ist es halt wieder gekommen.

Fürchten Sie eine ähnlich lange Pause wie in der Vorsaison?

Hoeneß: Ich denke, dass es eine andere Situation ist als damals, und er will sich jetzt einfach wieder in ärztliche Behandlung begeben. Er hatte wohl auch seit einigen Tagen Kontakt mit der Klinik.

Sie haben also Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr?

Hoeneß: Ich glaube, dass das ganze Umfeld viel stabiler ist, weil das Kind jetzt da ist. Ich kann mir schon vorstellen, dass er mit dieser Sache anders umgehen kann als damals, weil damals war er ja völlig unvorbereitet und hat mit der Krankheit nichts anfangen können. Ich denke, dass das ein Stadium oder ein Zustand ist, wo das alles relativ schnell in den Griff zu kriegen ist, aus meiner laienhaften Beobachtung.

Gibt es denn überhaupt Hoffnung auf eine vollständige Heilung?

Hoeneß: Ich bin kein Professor, aber Heilung in dem Sinn, dass es nie mehr auftreten kann, das ist schwierig. Es muss immer wieder weiter bekämpft und behandelt werden. Wir waren uns im Klaren, dass es Rückschläge geben kann.

Deisler hat zuletzt nicht gut gespielt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Behandlung durch Verein und Trainer und den Problemen? Es hieß auch, er sei zu früh wieder großem Druck ausgesetzt worden.

Hoeneß: Nein, wirklich nicht. Den Schuh muss ich mir nicht anziehen, aber gar nicht.

Das Interview führte Arne Richter/DPA / DPA
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