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Autobiographie Lahm ätzt gegen Klinsmann, Magath und van Gaal


Kapitän Philipp Lahm verteilt als Buch-Autor schlechte Noten an die vorigen Bayern-Trainer: Jürgen Klinsmann war im Eiltempo "gescheitert", Felix Magath arbeite nur mit Druck und der Befehlsstil von Louis van Gaal sei out.

John Terry, Frank Lampard, Wayne Rooney: In England ist es nicht unüblich als Fußballer schon zu aktiven Zeiten seine Autobiographie zu schreiben. Die drei Nationalspieler haben ihre Bücher schon seit Jahren auf dem Markt. In Deutschland verhält sich das etwas anderes. Dort schreiben die Kicker meist erst nach Ende der Karriere ihre Geschichte auf - so wie Stefan Effenberg ("Ich hab’s allen gezeigt"), Oliver Kahn ("Ich. Erfolg kommt von innen") oder Sebastian Deisler ("Zurück ins Leben"). Nun hat mit Philipp Lahm, 27, erstmals auch ein aktueller deutscher Nationalspieler ein Buch auf den Markt gebracht. Die Autobiographie des Bayern-Kapitäns mit dem Titel "Der feine Unterschied" erscheint am Montag.

Darin berichtet Lahm unter anderem über seinen Aufstieg vom Nachwuchsspieler in München zu einem der besten Außenverteidiger der Welt. Aber es wird nicht nur gekuschelt. Lahm rechnet auch mit seinen Ex-Trainern ab. In vorab von der "Bild" veröffentlichen Auszügen bekommen Jürgen Klinsmann, Felix Magath und Louis van Gaal ihr Fett weg.

So stellt Lahm Jürgen Klinsmann, der vom 1. Juli 2008 bis zum 27. April 2009 Bayern-Trainer war, ein schlechtes Zeugnis aus. Er schreibt: "Das Experiment Klinsmann war schnell gescheitert. Bei Klinsmann trainierten wir fast nur Fitness. Taktische Belange kamen zu kurz. Wir Spieler mussten uns selbständig zusammentun, um vor dem Spiel zu besprechen, wie wir überhaupt spielen wollten. Nach sechs oder acht Wochen wussten bereits alle Spieler, dass es mit Klinsmann nicht gehen würde. Der Rest der Saison war Schadensbegrenzung."

An die eigentlich sehr erfolgreiche Zeit unter Felix Magath, unter dem die Bayern 2005 und 2006 jeweils das Double holten, denkt Lahm nicht gern zurück: "Felix Magath arbeitete mit Druck. Er ließ viele Spieler im Ungewissen, ob er auf sie setzt, und holte auf diese Weise ein Maximum an Einsatz aus ihnen heraus. Für die Spieler war das sehr anstrengend, und es kam irgendwann der Zeitpunkt, wo sie nicht mehr auf der Seite des Trainers standen. Das war im Winter 06/07 der Fall. Der Trainer hat mit seinen Methoden nicht mehr den gewünschten Effekt erreicht. Seine Tricks griffen nicht mehr. Es war ein logischer Abschied, ein Ermüdungsbruch zwischen Trainer und Mannschaft."

"Van Gaal hat weder Zweifel an sich noch an seinem System"

Lahm geht in seinem Buch auch mit Louis van Gaal, der ihn zum Bayern-Kapitän gemacht hat, hart ins Gericht. "Ein guter Trainer verfügt über Autorität und eine Ausstrahlung, um seine Ideen auf die Mannschaft zu übertragen", schreibt Lahm: "Aber die Zeit der Trainer, die mit ihren Spielern nur reden, um ihnen Befehle zu erteilen, ist vorbei. Ein moderner Trainer muss seine Mannschaft zwar führen, aber er darf sie nicht gegen den Willen der Spieler zu einer Spielweise verpflichten, die der Mannschaft nicht angemessen ist. Lahm über van Gaal: "Er hat weder Zweifel an sich noch an seinem System."

Deutliche Worte des Nationalspielers, mit denen man in dieser Schärfe nicht unbedingt rechnen konnte. "Das ist ein Buch, wie ich es selbst gerne gelesen hätte, als ich ein junger Fußballer war", sagt der Autor über sein Werk. Was wohl die erwähnten Ex-Trainer von Philipp Lahm bei der Lektüre denken werden?

Eine Buchbesprechung von "Der feine Unterschied. Wie man heute ein Spitzenfußballer wird" lesen Sie am Montag auf stern.de.

Klaus Bellstedt

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