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Panne in Polen: Warum ein Banker von Uli Hoeneß fliehen konnte

Er zockte für Uli Hoeneß mit dreistelligen Millionensummen. Mit dem Steuerfall will der Schweizer Banker Jürg Hügli nichts zu tun haben. Den Fahndern konnte er entwischen, das bringt die bayerische Justiz in Erklärungsnot.

Von Johannes Röhrig

Uli Höneß, 63, wurde zu Gefängnis verurteilt, hier hat er tagsüber Freigang

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Dieser Text erschien zuerst im stern Heft Nr. 26 2015. 

Wenn Uli Hoeneß bei seinem Freund Jürg Hügli anrief, dann ging es meist um irre Beträge. Hügli, lange Zeit Chef des Devisenhandels bei der Schweizer Privatbank Vontobel, ist der Mann, der für den Bayern-Präsidenten dreistellige Millionensummen auf Dollar und Yen setzte. Mit dem Steuerfall will der Banker nichts zu tun haben. Dennoch ließ die Münchner Staatsanwaltschaft ihn zur Fahndung ausschreiben – wegen Beihilfeverdachts. Am 22. Oktober 2014 wurde der Schweizer in Warschau geschnappt. Doch die Freude der deutschen Ermittler über den Fahndungserfolg währte nur kurz. Hügli konnte fliehen. 

Erklärungsversuch der Bayrischen Regierung

Es ist nicht das erste Mal, dass die Münchner Justiz im Fall Hoeneß leer ausgeht. Schon beim Schnellverfahren im März 2014 blieben viele Fragen offen. Der Versuch, Rechtshilfe in der Schweiz zu bekommen, reichte nach stern-Informationen über eine Voranfrage nicht hinaus. Und auch aus einer Vernehmung Hüglis wird vorerst nichts. Das wirft kein gutes Licht auf die Justiz. Erstmals hat sich nun das bayerische Justizministerium zu den ominösen Umständen der Flucht geäußert.

Die Erklärung der Behörde: Unzulänglichkeiten in Polen. Nicht einmal das Vernehmungsprotokoll aus der Auslieferungshaft hätten die Bayern erhalten, gibt das Ministerium im April 2015 auf eine parlamentarische Anfrage des Landtagsabgeordneten Peter Bauer (Freie Wähler) an, die erst jetzt bekannt wird. Die polnische Justiz wiederum erklärt die missglückte Rechtshilfe mit fehlenden Übersetzungspapieren. 

 Die Pannenserie im Fall Hügli beginnt am 23. Oktober 2014, dem Tag nach der Festnahme. Die Staatsanwaltschaft II aus München faxt eine polnische Übersetzung des hiesigen Haftbefehls an die Kollegen in Warschau. Dort bleibt das Papier angeblich liegen bis zum folgenden Vormittag und wird erst dann an das zuständige Bezirksgericht weitergeleitet. Zu spät. Das Gericht hat bereits Fakten geschaffen und den Banker gegen Meldeauflagen und Kaution aus der Haft entlassen. Die polnische Justiz behauptet, die Übersetzung des Haftbefehls habe nicht rechtzeitig vorgelegen. Die Münchner geben an, die Zustellung sei fristgerecht erfolgt. Gegen die Freilassung des Bankers legt die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein. Doch als der Haftbefehl wieder in Kraft gesetzt wird, sind Wochen vergangen, und der Banker ist längst über alle Berge. Die Schweiz liefert ihre Staatsbürger nicht aus. Es ist übrigens Hüglis Verteidiger, der am 13. November 2014 bei der Münchner Staatsanwaltschaft anruft und mitteilt: Sein Mandant befinde sich wieder auf sicherem Terrain. 

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