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Umfrage in Großbritannien: Rund jeder zwölfte Fußball-Fan verabscheut schwule Profis

Trotz des Coming-outs von Thomas Hitzlsperger 2014 bekennt sich kaum ein Fußball-Profi dazu, schwul zu sein. Oft wird in diesem Zusammenhang auf negative Fan-Reaktionen verwiesen. Eine britische Studie hat nun Fans dazu befragt.

Der schwule Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger

Der schwule Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger bekannte sich 2014 zu seiner sexuellen Orientierung

Thomas Hitzlsperger ist der erste und bisher einzige deutsche Fußball-Nationalspieler, der sich zu seiner Homosexualität bekannt hat. Im Jahr 2014, nachdem er seine aktive Karriere beendet hatte, fasste er sich ein Herz und ging den Schritt in die Öffentlichkeit. Viele hofften damals auf einen Startschuss. Dass andere seinem Beispiel folgen würden. Doch der Effekt blieb aus. Obwohl es statistisch höchstwahrscheinlich ist, dass bei den 56 Profiklubs aus den drei höchsten deutschen Fußballligen auch einige schwule Kicker dabei sind, scheint das Coming-out weiterhin ein Tabu zu sein.

Nicht selten wird dabei die mögliche negative Reaktion der Fans als Grund ins Feld geführt. Eine Umfrage unter britischen Sportfans, über die die BBC berichtet, hat sich dieser Thematik nun angenommen. Dabei gaben 82 Prozent der Befragten an, kein Problem mit einem schwulen Sportler bei ihrem Lieblingsklub zu haben. Acht Prozent der Fußballfans kündigten jedoch an, die Spiele ihres Klubs nicht mehr zu verfolgen, sollte dort ein schwuler Akteur auf dem Rasen stehen. Bei den Sportfans im Allgemeinen lag der Anteil bei sieben Prozent. 57 Prozent der Sportfans fanden, dass schwule Spieler sich outen sollten, damit sich auch andere ein Beispiel daran nehmen würden. Rund jeder Fünfte gab aber an, dass diese das "für sich behalten sollten".

Thomas Hitzlsperger spielte lange in England

Thomas Hitzlsperger verbrachte einen großen Teil seiner Karriere im englischen Fußball, unter anderem bei Aston Villa, West Ham United und dem FC Everton. Bekannt ist in England der Fall von Justin Fashanu. Der Fußballspieler outete sich 1990 noch während seiner aktiven Karriere als homosexuell und wurde daraufhin von den Fans und sogar dem eigenen Trainer wüst beschimpft. Er erhängte sich 1998 im Alter von 37 Jahren.

Der deutsche schwule Ex-Fußballer Marcus Urban, der sich 2007 öffentlich zu seiner sexuellen Orientierung bekannte, gab 2015 der "TZ" ein Interview zu der Thematik. Auf die Frage, von wie vielen schwulen Fußballern er wüsste, sagte er: "Ich habe über die Jahre eine Liste zusammengetragen, darauf stehen circa 25 Spieler, die ich versuchen werde zusammenzubringen." Über die Homosexuellen im damaligen Nationalmannschaftskader sagte er: "Es sieht so aus, als sei der WM-Titel nicht nur von Heterosexuellen erkämpft worden, dabei beziehe ich mich aber nicht nur auf den Spielerkader." Er gestand allerdings ein, sich hier "im spekulativen Bereich" zu befinden. Keiner dieser Akteure stehe auf seiner Liste.

fin

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