HOME

Vor CL-Spiel gegen Petersburg: Klopp in Translation

Schon vor dem Achtelfinalspiel gegen Zenit St. Petersburg schlägt BVB-Trainer Jürgen Klopp eine harte Schlacht ums Mikrofon. Ein übereifriger Übersetzer wird für ihn zur Geduldsprobe.

Von Oliver Noffke

Deutsch, die Sprache der Dichter, der Denker, endloser Kettenwortzusammensetzungen und des Genitivs - eine reichhaltige, eine schöne Sprache. Würden nicht am Ende jedes zweiten Satzes Wörter stehen, die die Bedeutung des zuvor gesagten noch komplett verändern können. Eine Herausforderung für jeden, der Deutsch als Fremdsprache erlernt oder es simultan übersetzt. Bei der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Zenit St. Petersburg trieb dieser Umstand die Gesichtsmuskulatur von BVB-Trainer Jürgen Klopp zu Höchstleistungen an.

Wie sich der BVB auf den Gegner vorbereitet hat, wollen die Journalisten wissen. Klopp erzählt von der Video-Analyse. "Wir haben die Testspiele bei dem Turnier in Israel gesehen", beginnt er. Bevor er jedoch weiter ausholen kann, fährt ihm der Übersetzer über den Mund. Klopp, überrascht von der Attacke aus dem Rückraum, bleibt souverän, lässt mit großen Augen den Übersetzer gewähren und setzt schließlich erneut an. Doch dies ist erst der Auftakt zum Zweikampf um das Mikrofon.

Das Video sehen Sie hier. Klopp spricht ab Minute 1:28.

Bei seinen Antworten senkt Klopp immer wieder in der für ihn typischen Sprechweise mit jedem neuen Wort sanft die Stimme, unterstreicht durch wohl gesetzte Pausen die Integrität des Gesagten, bis ein Satzende unausweichlich scheint. Bei der ersten größeren Lücke im Sprachfluss wähnt der Übersetzer seine Chance und grätscht dem Maestro mit freudigem Russisch (ebenfalls ein große Dichtersprache) in die Aufzählung. Angesichts der bislang unbekannten Situation verschafft Klopp seinem Frust durch Zähneknirschen Luft.

Aber der Übereifer des Gegenübers bleibt nicht folgenlos. Verausgabt ringt der Übersetzer mit den Substantiven. Klopp bleibt fair, hilft aus, kämpft mit der eigenen Mimik und schlägt am Ende eiskalt zu. Von Journalisten auf die vielen verletzten Spieler in der Dortmunder Mannschaft angesprochen, spielt der Trainer seine jahrelange Erfahrung mit Kurzinterviews aus: "Das ist eine unglückliche Situation, dass so viele Spieler verletzt sind", setzt Klopp an, "wenn die Waschmaschine kaputt geht, ist am nächsten Morgen der Trockner auch im Arsch." Souveräner Verbalsieg.

Auf dem Platz muss sich der BVB heute Abend beweisen.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

  • Oliver Noffke