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Was meinen Strunz?: "Torwart-Rot der größte Unsinn"

Der erste Spieltag der neuen Champions-League-Saison ist gelaufen. Ein Sieg und zwei Niederlagen: So lautet die Bilanz des Bundesliga-Trios. stern.de-Experte Thomas Strunz hat sich Spiele der deutschen Teams genauer angeschaut.

Dienstag und Mittwoch war es endlich wieder soweit. Der erste Spieltag der neuen Champions-League-Saison stand auf dem Programm und damit einhergehend die ersten internationalen Vergleiche nach der Weltmeisterschaft 2006.

Den vermeintlich leichtesten Gegner der drei deutschen Teilnehmer hatte der FC Bayern vor der Brust. Mit dem russischen Vizemeister Spartak Moskau wurde einer der großen alten Namen des europäischen Fußballs am Dienstag in der Allianz-Arena vorstellig. Nachdem sich der Rekordmeister 45 Minuten schwer tat, seinen Rhythmus zu finden, brannten die Münchener in der zweiten Hälfte ein wahres Feuerwerk ab.

Am Ende stand ein ungefährdeter und auch in seiner Höhe verdienter 4:0-Erfolg. Lukas Podolski durfte dabei übrigens von Anfang an stürmen. Eine kleine, aber durchaus richtungweisende Nuance dieses Matches. Nach der überraschenden Niederlage von Gruppefavorit Inter Mailand bei Sporting Lissabon verschafften sich die Bayern eine hervorragende Ausgangsposition in der Champions League. Für die anstehenden Bundesliga-Spiele dürfte zudem das Selbstvertrauen nicht eben kleiner geworden sein.

Kleine Fehler werden sofort bestraft

Die schwierigste Aufgabe des Bundesliga-Trios hatte Werder Bremen mit dem Auswärtsspiel bei Chelsea London zu lösen. Die Millionentruppe des russischen Öl-Moguls Roman Abramowitsch besiegte die Hanseaten schließlich und endlich verdient mit 2:0. Die Bremer lieferten an der Stamford Bridge einen großen Kampf und hatten am Ende auch Pech, dass Miroslav Klose beim Stand von 1:0 für Chelsea mit einem Kopfball nur die Querlatte traf.

Kurze Zeit später entschied ausgerechnet Michael Ballack mit einem Klasse-Elfmeter die rassige Partie für die "Blues". Unterm Strich muss man sagen, dass Werder zwar lange mithielt, insgesamt aber der bessere Gesamtkader für den Erfolg von Chelsea London ausschlaggebend war. Und noch etwas wurde deutlich: Kleine Fehler wie der von Petri Pasanen vor dem 0:1 werden auf höchster internationaler Ebene sofort bestraft. Daran müssen die Männer von Thomas Schaaf weiter arbeiten.

Spiel wurde durch die Rote Karte zerstört

Am Mittwoch schließlich stand für den Hamburger SV nach sechs Jahren Abstinenz die Rückkehr auf die europäische Top-Bühne an. Ich war selber im Stadion, auch weil ich mir einen präziseren Eindruck über den momentanen Zustand der Hamburger verschaffen wollte. Der HSV ist ja mit vielen Problemen in die neue Saison gestartet. Es herrschte eine unglaubliche Atmosphäre in der AOL-Arena, eine Mischung aus Anspannung, Vorfreude und Nervosität. Alle waren heiß auf dieses Spiel.

Leider wurde die Begegnung dann aber bereits in der Anfangsphase zu Ungunsten der Rothosen entschieden. Nach einem vermeintlichen Foul des Hamburger Torwarts Sascha Kirschstein zeigte der Schiedsrichter nicht nur auf den Elfmeterpunkt, sondern dem Keeper auch noch die Rote Karte. Die Regel, die besagt, dass auch der Torwart vom Platz gestellt werden muss, wenn er eine Torchance durch ein Foul im Strafraum verhindert, ist großer Unsinn. Ein spannendes und interessantes Spiel wurde dadurch zerstört. Arsenal ließ nach der Führung eigentlich kaum noch etwas zu. Wenn doch, so war der gute Jens Lehmann stets auf dem Posten. Am Ende hieß es 2:1 für die "Gunners" - zugegeben verdientermaßen.

Ein kurzes Wort noch zum Gesamteindruck aller Spiele. Die Favoriten haben sich größtenteils durchgesetzt, zum Teil sogar deutlich. Auch im Spiel Olympique Lyon gegen Real Madrid hat das favorisierte Team gewonnen. Real gehört für mich nicht mehr zu den Titelkandidaten. Das sind nach dem ersten Spieltag wie erwartet der FC Barcelona, der AC Mailand und der FC Chelsea. Und vielleicht doch der FC Bayern? Es bleibt jedenfalls spannend.

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