"Was machen Strunz?" - Teil 8 Die Party geht weiter


Ganz Deutschland sprach nur noch von diesem Spiel, selbst mit wissenschaftlichen Mitteln wollte man die Chancen der deutschen Mannschaft ermitteln. Auf dem Platz sah stern.de-WM-Experte Thomas Strunz dann einen Zermürbungskampf von zwei erstklassigen Teams.

Endlich, das Warten hatte ein Ende und es ging mit unserer Mannschaft weiter. Mit dem zweimaligen Weltmeister Argentinien stand unserem Team der erste wirkliche Prüfstein stand gegenüber. Ganz Deutschland redete seit Tagen redete nur noch von diesem Spiel.

Egal wo ich war, überall fragte man mich nach unseren Chancen. Können unsere Stürmer den Abwehrriegel der Argentinier knacken? Ist unsere Defensive stark genug, die vier Weltklasse-Stürmer des Gegners zu bremsen? Was ist mit Riquelme? Wer stoppt den genialen Spielmacher, schafft der Frings das? Ich antwortete jedem, dass ich absolut davon überzeugt bin, dass unsere Elf Argentinien schlagen kann.

Nahezu alle Weltmeister von 1990 wurden befragt, auch sonstige Zeitzeugen interviewt, Vergleiche der Teams von früher mit den heutigen gezogen und ähnliches. Es wurden Wissenschaftler zur Wahrscheinlichkeit eines Sieges befragt. Selbst ein Physiker und Mathematiker hat eine Wahrscheinlichkeit des Sieges gegen Argentinien per Sinuskurve ermittelt. Mir bleibt diese Logik bei allem Respekt der Beteiligten allerdings schleierhaft.

Dieses ganze Vorspiel war Makulatur, als Schiedsrichter Lubos Michel um Punkt 17.00 Uhr das erste Viertelfinale dieser WM in Berlin anpfiff. Die deutsche Mannschaft spielte in der gewohnten und mittlerweile eingespielten Formation und in ihren traditionellen Farben Schwarz-Weiß. Diese Einheit strahlte die gesamten letzten Tage ein ungeheures Selbstbewusstsein aus, was sich von Tag zu Tag bis zum heutigen Spiel steigerte. Es herrschte eine unglaubliche positive Stimmung im gesamten Land, die diese 23 "Kicker" mit ihren Trainern in den letzten Wochen entfachten, dass selbst unerfreuliche Dinge der Politik scheinbar von jedem einfach entgegen genommen wurden. Steuererhöhungen und Gesundheits-Soli interessierten niemanden. Weder den Manager noch den Arbeitslosen. WIR sind Deutschland war das Motto und dann ging es endlich los. Unter dem Jubel der mehr als 70.000 Zuschauer begann das Spiel.

Und es begann sehr hektisch, ohne klare Spielzüge und ohne Torchancen. Man merkte beiden Mannschaften den großen Respekt voreinander an. Argentinien besaß in der ersten Hälfte zwar mehr vom Spiel, ohne jedoch nach vorne zu spielen. Die deutsche Defensive funktionierte sehr gut. Es war eine Art Zermürbungskampf zwischen zwei taktisch erstklassigen Mannschaften, wobei man das Gefühl hatte, dass der erste Fehler eines Teams das Spiel entscheiden könnte.

Nach dem frühen 0:1 in der zweiten Hälfte schien sich diese Vermutung zu bewahrheiten, doch durch das fünfte Turniertor von Miroslav Klose erzwang unser Team noch die Verlängerung, in der beide Mannschaften kein Tor mehr erzielten. Nach acht geschossenen Elfmetern war der erste Held dieser Weltmeisterschaft geboren. Jens Lehmann, der zwei Elfmeter abwehren konnte und Deutschlands Traum aufrecht erhielt. Die Party geht weiter, mindestens bis zum Halbfinale gegen Italien. Der nächste Klassiker steht uns bevor.


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