Dortmund Hool-Angriff mit Flaschen, Tischen und Stühlen

Erstmals wurden Polizisten von randalierenden Fans angegriffen. Vor und während der Ausschreitungen am Rande des WM-Spiels Deutschland gegen Polen musste die Polizei rund 200 Fans in Gewahrsam nehmen.

Nahe des Alten Marktes bewarfen deutsche Fans Polizisten am Mittwochabend mit Flaschen, Bierdosen und Feuerwerkskörpern. Sie stießen Tische und Stühle von Gaststätten um und schmissen sie auf die Beamten. Nach Angaben einer Sprecherin wurden sowohl einige Fans als auch Polizisten leicht verletzt. Vor und während der Krawalle habe die Polizei, die zum Teil mit Schlagstöcken vorging, etwa 300 Anhänger beider Mannschaften in Gewahrsam genommen. Ansonsten feierten die Fans nach Angaben der Behörden wie bei den Begegnungen zuvor zumeist ein buntes Fußballfest.

So erlebten alleine auf der Fanmeile in Berlin rund eine halbe Million Menschen den in der Nachspielzeit erzielten 1:0-Siegtreffer durch Oliver Neuville, mit dem das deutsche Team dem Achtelfinale einen großen Schritt näher kann.

Zugriff auf Problem-Fans

Die Auseinandersetzung in Dortmund vor dem Spiel blieb die Ausnahme. Auf dem Alten Markt habe die Polizei eine Gruppe von rund 100 deutschen, so genannten Problemfans festgesetzt, um sie in Gewahrsam zu nehmen, sagte die Sprecherin. Viele von den deutschen Fans seien in der Vergangenheit als Gewalttäter aufgefallen. In der Innenstadt hatten sich vor dem Spiel Zehntausende von Fans beider Mannschaften versammelt. Nach Berichten von Augenzeugen kam es in der Umgebung des Alten Marktes auch zu vereinzelten Rangeleien zwischen den Fangruppen.

Ein Kameramann von Reuters TV erhielt nahe des Eingangs der Fan-Meile in der Dortmunder Innenstadt einen Schlag in den Nacken. Nach Aussagen von Augenzeugen handelte es sich bei dem Täter um einen deutschen Fan. Der Journalist wurde nach eigenen Angaben nur leicht verletzt. Jedoch sei seine Kamera bei der Attacke beschädigt worden.

Die Polizei setzte in den Stunden vor der Begegnung im Dortmunder Stadion auch gut 70 Anhänger der polnischen Mannschaft fest, um sie an Straftaten zu hindern oder weil sie gefährliche Gegenstände wie Totschläger dabei hatten.

Einreisende Hooligans abgewiesen

An der deutsch-polnischen Grenze wurden vor der Partie indes nur wenige Polen zurückgewiesen. Die Zahl von 30 Abgewiesenen sei angesichts der 3000 eingereisten Fans niedrig, sagte ein Sprecher des Bundespolizeiamtes in Frankfurt (Oder). Die abgewiesenen Polen seien der Bundespolizei zum Teil von den polnischen Sicherheitsbehörden gemeldet worden. Andere hätten umkehren müssen, weil bei der "begründete Verdacht bestand, das andere Aktivitäten geplant sind", sagte ein Sprecher des größten Bundespolizeiamtes an der deutsch-polnischen Grenze.

Am Nachmittag waren Zehntausende deutsche und polnische Fans nach Dortmund und geströmt und bestimmten mit schwarz-rot-goldenen und rot-weißen Fahnen, Mützen, Schals und Perücken das Bild in der Innenstadt. Sie begrüßten einander größtenteils freundlich mit Sprechchören, prosteten sich zu und lagen sich teils auch in den Armen. Einige deutsche Fans hatten anfangs allerdings auch den Hitler-Gruß gezeigt.

In Berlin sorgte das zweite Spiel der deutschen Mannschaft für einen Rekordansturm. Es kamen noch einmal rund 200.000 mehr auf die Fanmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule als beim Eröffnungsspiel. Einige Zugänge zur Fanmeile seien deshalb geschlossen worden, teilte die Polizei mit. Von einigen Rangeleien abgesehen, sei es in Berlin zunächst ruhig geblieben. "Recht bunt, recht lustig. Alle freuen sich über den Sieg", beschrieb ein Sprecher die Lage.

Matthias Inverardi/Reuters


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