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WM-Euphorie: Sangeskunst in deutschen Gassen

Die Fußball-WM begeistert die Menschen in aller Welt. Der Musikpsychologe Günther Rötter hat darüber hinaus festgestellt: "Die Deutschen singen wieder". Und zwar überall.

Die Fußballbegeisterung zur WM lässt die Deutschen singen. "Die Leute singen wieder - nicht nur im Stadion, sondern auch auf der Straße", sagt der Dortmunder Musikpsychologe Günther Rötter. Zwar erschienen die Fangesänge zunächst wie "primitives Gegröle", doch folgten sie sehr subtilen Reaktionsmustern - und nicht jede Melodie tauge dafür. "Die Deutschen haben ein ausgesprochen umfangreiches Repertoire bei diesen Gesängen."

Die Fans bedienten sich aller Musikrichtungen, von der Oper bis zur Popmusik. So erklingt der Triumphmarsch aus der Verdi-Oper "Aida" ebenso wie die Melodie des Beatles-Hits "Yellow Submarine" oder des Gospels "Oh When The Saints". "Beim Fangesang gelten andere Gesetze als bei normalen Hits", erklärte Rötter. Ausschlaggebend seien vor allem ein prägnanter, zackiger Rhythmus und ein nicht allzu großer Tonumfang ohne erhebliche Intervallsprünge.

Kaum Unterschiede zwischen den Nationen

Die akustischen Reaktionen im Stadion und bei Fan-Festen reichten von Schreien, Pfeifen und rhythmischem Klatschen über Kurzgesänge bis hin zu anspruchsvolleren Melodien. "Bei den Primärreaktionen und den kurzen Stücken gibt es kaum Unterschiede zwischen den Fans der verschiedenen Nationen", sagte Rötter.

Die musikalischen Darbietungen der Fans seien erstmals in den 70er Jahren im Londoner Wembley-Stadion zu beobachten gewesen und würden auf den Einfluss der Südamerikaner zurückgeführt. "Es fing an mit einem religiösen Lied zu Spielbeginn sowie dem rhythmischen Klatschen", sagt der Musikexperte: "Vorher war dieses Phänomen nicht da." Inzwischen habe sich das Repertoire stark erweitert.

Von den Fan-Gesängen profitierten auch die Spieler auf dem Rasen: Bei einer Befragung gaben gut 80 Prozent der Profispieler an, die Gesänge erhöhten ihre Leistung.

DPA / DPA
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