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Fußball-WM 2010: Brasilien gegen Portugal - Duell um Wundertüte

Seltsame Konstellation für Brasilien: Die "Seleção" weiß nicht, ob ein Sieg gegen Portugal ihr möglicherweise Europameister Spanien im Achtelfinale beschert. Superstar Kaká muss ohnehin zuschauen. Den angeschlagenen Elano will Trainer Dunga noch schonen.

Das Duell der Real-Stars Kaká gegen Cristiano Ronaldo fällt aus, der Einzug ins Achtelfinale ist längst gesichert - doch Brasilien fiebert der Partie gegen den alten Bekannten Portugal seit Monaten entgegen. Für den Rekordweltmeister geht es am Freitag (16.00 Uhr) in Durban um den Gruppensieg - der am Ende ein Eigentor sein könnte. Denn als nächster Gegner droht Europameister Spanien. "Das spielt keine Rolle. Brasilien spielt immer, um zu gewinnen. Wir wollen den besten Fußball zeigen, den wir können", sagte Trainer Carlos Dunga am Donnerstag. "Man kann sich bei der WM seine Gegner ohnehin nicht aussuchen", meinte Kapitän Lucio gewohnt pragmatisch.

Ein Spiel um die Wundertüte: Erst viereinhalb Stunden nach dem Abpfiff im Moses Mabhida Stadion werden die beiden Rivalen wissen, ob sie in der ersten K.o.-Runde gegen Spanien, Chile oder die Schweiz antreten. Für die Auswahl der einstigen portugiesischen Kolonie ist die Partie nicht nur aus historischer Sicht etwas Besonderes: Die "Seleção" hat gegen die "Seleccao de Quinas" eine ihrer bittersten WM-Pleiten erlebt: 1966 in England flog Titelverteidiger Brasilien durch eine 1:3-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen das Team von Eusebio aus dem Turnier.

Der 6:2-Testspielsieg gegen die Portugiesen am 19. November 2008 war für Nationaltrainer Carlos Dunga so etwas wie ein Wendepunkt: Von da an verlor der Rekordweltmeister nur eines der 22 Spiele unter dem früheren Stuttgarter Bundesliga-Profi, der nach dem WM-Aus 2006 das Amt von Carlos Alberto Parreira übernommen hatte. "Dieses 6:2 gegen Portugal ist Vergangenheit. Jetzt sind wir bei der WM und es ist ein völlig neues Spiel", betonte Dunga.

"Wir haben in den letzten Jahren einige Male gegen sie gespielt. Die Rivalität ist gewachsen, zumal mit Deco, Pepe und Liedson drei Brasilianer bei den Portugiesen mitspielen", erklärte Kaká. Der Regisseur fehlt nach seiner Gelb-Roten Karte und wird somit seinem Madrider Clubkollegen Cristiano Ronaldo nicht auf dem Rasen begegnen. "Ich spreche regelmäßig mit ihm. Das letzte, was er mir gesagt hat, war, dass mein Platzverweis gegen die Elfenbeinküste ungerecht war", erzählte Kaká und kündigte an: "Brasilien wird auf Sieg spielen, denn es ist wichtig, Gruppenerster zu werden. Das würde uns Selbstvertrauen fürs Achtelfinale geben."

Europameister Spanien würden die Brasilianer in der ersten K.o.- Runde am liebsten aus dem Weg gehen, auch wenn Robinho sagte: "Spanien hat eine große Mannschaft mit großartigen Spielern. Aber unser Ziel ist der WM-Titel." Der Stürmer vom FC Santos ist einer der Kandidaten als Kaká-Ersatz - wenn Dunga Nilmar neben Luis Fabiano in den Angriff und Robinho ins zentrale Mittelfeld stellt. "Wir haben viele Möglichkeiten im Mittelfeld", meinte Dunga.

Als Alternative Nummer eins für den 65-Millionen-Mann gilt Kakás Kumpel aus Zeiten beim FC São Paulo: Julio Baptista vom AS Rom. Er vertrat den Regisseur schon bei der Copa América 2007, im Finale gelang ihm auch ein Treffer beim 3:0-Sieg gegen Argentinien. Mittelfeldspieler Elano hatte gegen die Elfenbeinküste eine Schienbein-Prellung erlitten und trainierte am Donnerstag nur individuell. Für ihn steht Flügelflitzer Dani Alves vom FC Barcelona parat. "Elano wird wahrscheinlich nicht spielen. Wir müssen ihn noch schonen", erklärte Dunga. Der bisher so starke Rechtsverteidiger Maicon setzt ganz auf Sieg. "Wir müssen niemandem etwas beweisen. Wir haben schon gezeigt, dass wir eine starke Truppe sind und jetzt warten wir einfach ab, welcher Gegner nach Portugal auf uns zukommt."

Ulrike John, DPA / DPA

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