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WM 2010: Deutschland - England: Wayne Rooney taugt nicht zum Tierorakel

Ob Kraken mit prophetischen Gaben oder ein englischfreier Sonntag: Die Engländer haben schon verloren, bevor das Achtelfinale gegen Deutschland überhaupt angepfiffen ist, wie sich ganz einfach nachweisen lässt.

Eine Indizienprognose von Niels Kruse

Es ist ja mittlerweile schon eine Binsenweisheit, dass Affen und Papageien in Sachen Wertpapieranlage genauso gut oder sogar besser performen als Profi-Anleger. Bei soviel visionärer Eingebung ist es natürlich nur recht und billig, die ollen Biester auch zum Ausgang der Deutschland-Spiele zu befragen. Deshalb sollte an dieser Stelle eigentlich eine Liste mit den schönsten Tierorakeln stehen, doch leider hat sowohl das Flusspferd aus dem Chemnitzer Zoo versagt als auch ein Konstanzer Oktopus, die vor der Partie gegen Serbien auf Deutschland gesetzt hatten.

Krake Paul macht Hoffnung

Hoffnung macht jedoch der Krake Paul aus Oberhausen, der diversen Medienberichten zufolge jedes Spiel von Löws Jungs richtig vorhergesehen hat - zuletzt die Niederlage gegen Serbien als auch den Sieg gegen Ghana. Vor dem Spiel gegen den geliebten Erzfeind setzt der Tintenfisch, auf, na, wen wohl? Deutschland natürlich! Nichts gegen die prophetische Gabe des Tentakels, der übrigens gebürtiger Engländer ist, aber selbst die drei Löwen auf den englischen Trikots würden auf unsere Jungs setzen, wenn sie irgendeine Form eines eigenen Willen hätten.

Denn wenn irgendwas fußballgottgegeben ist, dann ja wohl, dass die Inselkicker keine Chance gegen unsere Nationalmannschaft haben. Dazu muss man erst gar nicht die ganze Elfmeterarie wieder und wieder anstimmen, es reicht ein Blick in den Schlund eines der drei Löwen, der mit der Stimme Wayne Rooneys vor ein paar Tagen gebrüllt hat: "Ich will Deutschland aus dem Turnier werfen". Gut gebrüllt, aber er sagt auch Sätze wie: "Deutschland hat Angst vor uns!" Aha, so wie hier?

Britischer Premier will nicht mit Merkel gucken

Dass es genau umgekehrt ist, dafür sprechen noch eine Reihe weiterer Indizien: David Cameron zum Beispiel wird beim G20-Gipfel das Spiel nicht zusammen mit Angela Merkel gucken. "Wir werden wohl beide etwas mitgerissen werden", sagt der britische Premierminister in weiser Voraussicht. Vermutlich möchte er gegenüber seiner deutschen Kollegin keine Schwäche zeigen. Denn bei so einem wichtigen Termin stärken öffentlich vergossene Tränen nicht unbedingt die Verhandlungsposition. Soviel Realismus kann man von einem Regierungschef erwarten.

Dann ist da noch der Ausfall von Rio Ferdinand - auch so ein ungutes Zeichen. Sein Knie wurde ausgerechnet vom Tier im Sturm, Emil Heskey, weggegrätscht. Schmerzhaft. Und nun steht Trainer Fabio Capello ohne einen Abwehrchef in Südafrika herum. Das muss man sich mal vorstellen: Der Mann ist Italiener. Wie soll denn so ein Italiener bloß Fußball spielen ohne Abwehrchef? Das ist als ob man einem Koch die Töpfe wegnehmen würde. Wie das dann ausgeht, hat man gesehen in den ersten beiden Spielen. Wenn man noch solche Torhüter wie Robert Green und David James hat, dann ist die Abwehr allerdings auch wieder egal.

Allerdings gibt es auch Dinge, die ein wenig aus der Zeit gefallen scheinen und sich daher als kontraproduktiv erweisen könnten. So fordert die nicht ganz koschere Zeitschrift "Deutsche Sprachwelt" für den Tag des Achtelfinales einen "englischfreien Sonntag". Als Zeichen, dass Deutschland hinter der deutschen Mannschaft und hinter der deutschen Sprache steht", wie der Chefredakteur Thomas Paulwitz sagt. Der Mann hält auch gleich ein paar Ersatzworte etwa für das Public Viewing parat: Rudelgucken. Ein schönes Wort, das allerdings fußballferne Assoziationen weckt. Schade wäre übrigens auch der von ihm vorgeschlagene Verzicht auf englischsprachige Lieder. Natürlich könnte man nach dem Sieg Beckenbauers Ode an die Mannschaft "Gute Freunde kann niemand trennen" singen. Aber "Football's coming home" von den Lightning Seeds ist in diesem Fall natürlich geiler.

Der Engländer hat die Hosen voll

Umgekehrt war die Verwendung deutscher Worte auf der Insel stets ein gutes Zeichen: Wenn der englische Revolverboulevard vor wichtigen Spielen wie wild mit längst vergessenen Begriffen wie Kraut, Blitz, Fritz sowie irgendwas mit Stahl und Panzer um sich gedruckt hat, dann hieß das nichts anderes als: Der Engländer hat die Hosen voll und verliert. Anders gesagt, es gelten weiterhin die Worte des weisen Gary Lineker: "22 Mann jagen einem Ball hinterher, und am Ende gewinnt Deutschland“. Wie immer halt. Gegen den künftigen Weltmeister Argentinien darf Löws Mannschaft dann getrost im Viertelfinale ausscheiden.

P.S.: Deutschland gegen England - wer kommt am Sonntag weiter? Diskutieren Sie darüber auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

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