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WM 2010: Erfrischender deutscher Jugendstil schlägt englische Trägheit

Lobeshymnen auf die deutsche Elf, Schelte für den schwachen Schiedsrichter: Selten war sich die internationale Presse in ihrem Urteil so einig wie nach dem deutschen 4:1-Sieg gegen England.

Die Fußball-Welt verneigt sich vor Deutschland, Wembley-Tor hin oder her. Neben der scharfen Kritik am schwachen Schiedsrichter Jorge Larrionda kam in der Weltpresse am Tag nach dem begeisternden 4:1-Erfolg der deutschen Mannschaft im WM- Achtelfinale gegen England auch die Huldigung der neuen deutschen Fußball-Generation nicht zu kurz. "Nach drei bleiernen Wochen haben die deutsche Nationalelf und ein Typ namens Müller die WM endlich groß gemacht", jubelte die spanische Tageszeitung "El Mundo" am Montag. "Deutschland zündet den Funken", titelte die "Basler Zeitung" in der Schweiz.

Auch auf der britischen Insel hoben die Kommentatoren hervor, dass die umgekehrte Wiederholung des Wembley-Tores nicht der Hauptgrund für das Aus der "Three Lions" war. "Lassen Sie sich nicht von Fabio Capellos Vernebelungsmanöver über Frank Lampards "Tor" in die Irre führen. Selbst wenn das außergewöhnliche Tor des Mittelfeldmannes gegolten hätte, was es hätte sollen, kann sich England nicht der brutalen Erkenntnis entziehen, dass Deutschland in allen Belangen überlegen war", bilanzierte die englische Tageszeitung "Daily Telegraph".

Argentiniens Nationaltrainer Diego Maradona hatte der deutsche Auftritt ebenfalls Respekt eingeflößt. "Wir wissen, dass Deutschland eine ganz andere Mannschaft als Mexiko ist", sagte Maradona, der mit Messi und Co. am Samstag im Viertelfinale den deutschen Schwung stoppen will. "Wir stellen unser bestes Team zusammen, unser Gala- Team. Es wird die Mannschaft sein, die mir die Garantie gibt, dass wir gegen Deutschland weiterkommen", sagte der 49-Jährige.

Die übrigen WM-Konkurrenten hielten sich mit Kommentaren zum deutschen Sieg zurück. Die Niederländer hatten parallel zum Klassiker Deutschland gegen England ihre Pressekonferenz vor dem eigenen Achtelfinale gegen die Slowakei anberaumt, Rekordweltmeister Brasilien stand auf dem Trainingsplatz.

Im Rest der Welt kamen die Beobachter zwar nicht umhin, die starke Leistung von Joachim Löws junger Rasselbande mit dem kapitalen Aussetzer Larriondas zu koppeln. Bei allem Unverständnis über die krasse Fehlentscheidung beim Schuss von Frank Lampard, der den Ausgleich bedeutet hätte, überwog aber die Begeisterung für das deutsche Spiel. "Deutschland demütigt England", schrieb der "Tuttosport" in Italien. "Klose, Poldi & Co. im Rausch", überschrieb die Tageszeitung "Österreich" ihre Geschichte.

Vor allem die Diskrepanz zwischen erfrischendem deutschem Jugendstil und englischer Trägheit machte den Journalisten auf der ganzen Welt Freude. "Deutschland spielte besser, England spielte überhaupt nicht. Eine Freude zuzuschauen! Die goldene Generation der Engländer wurde von den Jungen (Deutschen) erniedrigt", meinte der "Sport Express" in Russland.

"Deutschland hatte die Hilfe des Schiedsrichters nicht nötig", fand die französische Tageszeitung "Le Parisien". Nach dem ernüchternden Auftritt der eigenen "Equipe Tricolore" erfreuten sich die Franzosen am Offensiv-Feuerwerk der DFB-Elf. "In der zweiten Hälfte hielten sie (die Engländer) der Qualität des deutschen Kollektivspiels nicht stand", schrieb die renommierte französische Sportzeitung "L'Équipe".

Wie es sich für ein Duell Deutschland gegen England anscheinend gehört, durfte auch die unvermeintliche Kriegsmetaphorik in den weltweiten Schlagzeilen nicht fehlen. "Die Panzer zerquetschten England und sind weiter. Mit Klose, Müller und Podolski hat Deutschland England ausgelöscht", titelte die türkische Zeitung "Fanatik".

Lars Reinefeld, DPA / DPA

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