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Wiechmanns WM-Kolumne: Warum Akrobatik-Sex für die Brasilien-Stars tabu ist

20 Tage vor der Fußball-Weltmeisterschaft ist es an der Zeit, sich mit den wirklich wichtigen Angelegenheiten dieser WM zu beschäftigen, also mit dem Thema Akrobatik-Sex der Nationalspieler.

Brasiliens Trainer Felipe Scolari hat sich als erster zu dem Thema Akrobatik-Sex geäußert, auf einer Veranstaltung mit dem Titel "Sprechen wir über Fußball". Seitdem gehen die Diskussionen quer durch die Familien der 200-Millionen-Nation. Scolari, der in Brasilien nur Felipão genannt wird, antwortete auf die Frage eines Journalisten über ein mögliches Sex-Verbot während des Turniers: "Wenn es normaler Sex ist, in Ordnung. Aber der finde nicht „da oben auf dem Dach statt". Es gebe "bestimmte Formen, bestimmte Arten und andere Menschen, die Akrobatik vollführen." Das sei nicht in Ordnung.

Er benutzte das schöne Wort "malabarismo". Man kann es auch mit Jonglieren übersetzen. Jonglier-Sex, Dach, Akrobatik - das setzte manche Assoziationen frei.

"Erleichterung" schadet keinem

Seitdem wird spekuliert, was Akrobatik-Sex so alles umfasst. Fällt der Sprung vom Schrank schon in die Kategorie und inwieweit darf die Fensterbank noch in den Akt mit eingeschlossen werden? Warum ist ausgerechnet das Dach als Location explizit ausgeschlossen worden und was sagen eigentlich die betroffenen Spieler dazu?

Vor einigen Tagen trat der Nationalstürmer Fred im Fernsehen auf. Er sagte, es gebe freie Tage, und da ist dann durchaus eine "Erleichterung" zu erwarten, das schade keinem. Auf die Frage der Moderatorin, ob Akrobatik-Sex zur Erleichterung gehöre, stärkte Fred seinem Trainer Scolari den Rücken und sagte: Nein, "alles ganz ruhig".

Seit dieser WM haben die brasilianischen Spieler Einzelzimmer, da ist ohnehin eine Menge möglich.

Geheime Touren der Ex-Weltmeister

Nicht dass vorher nichts möglich war. Wenn man dem Weltmeister von 1994, Romário, glauben darf, brachen die Spieler früher aus dem WM-Lager aus und gingen auf manche geheime Tour, um ihre Abenteuerlust zu stillen. Romário wäre nicht Romário, wenn er nicht auch ein paar gute Tipps parat hätte: "Die guten Angreifer schießen nur Tore, wenn sie in der Nacht davor guten Sex hatten."

Wenn Romário sich zum Thema Sex äußert, darf Ronaldo, WM-Held von 2002, nicht schweigen. Ronaldo wäre nicht Ronaldo, wenn er nicht seine eigenen Tipps parat hätte, auch wenn er das Thema Akrobatik-Sex außen vor ließ: "Ich glaube, dass Masturbation dich von großen Leistungen abhält. Es ermüdet viel mehr als Sex."

Deutsche haben es nicht leicht

Wie das bei Jogi Löw und den deutschen Jungs mit dem Akrobatik-Sex so aussieht, ist bisher nicht bekannt. Löw will seine Spieler in einem schwer bewachten Camp im Bundesstaat Bahía einpferchen, wo es einige Ziegen gibt und einige Rinder und eine Straße, die nach starken Regenfällen gesperrt wird. Da ist das zumindest mit den Erleichterungstrips und Abenteuern nicht ganz leicht.

Dafür haben sich die Mexikaner geäußert, Gegner der Brasilianer in der Vorrunde. Coach Miguel Herrera hat seine Männer aufgefordert, auf Sex während der WM zu verzichten. Es sei in Ordnung, Bikinimädchen hinterherzuschauen, aber nicht sie zu berühren. "Ich kann Sex nicht verbieten", sagte er, fügte aber hinzu: "Ich denke an Fußball und hoffe die Jungs denken an Fußball, und noch ist keiner an 40tägiger Enthaltsamkeit gestorben." Herrera blickte in einige ungläubige Gesichter. Da fuhr er fort: "Einige Menschen sind Jungfrauen bis sie 20 oder 25 Jahre alt sind. Also, bitte, keiner stirbt an 40 Tagen ohne."

Man darf gespannt sein. Brasilien spielt gegen Mexiko am 17. Juni in Fortaleza.

Von Jan-Christoph Wiechmann / print
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