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Fußball-WM in Katar Offizieller aus Katar: Regenbogenflaggen werden einkassiert, um Fans zu schützen

Eine Regenbogenfahne weht vor einem leicht bewölkten Himmel
Die Regenbogenflagge steht für alle, die in Ihrer sexuellen Orientierung oder Identität von der heterosexuellen Welt abweicht
© Wolfgang Kumm / DPA
Ein hochrangiger Sicherheitsbeamter aus Katar hat begründet, warum während der Fußball-Weltmeisterschaft Polizisten Regenbogenflaggen konfiszieren könnten: Das geschehe allein zur Sicherheit der Fans.

Es klingt wie eine vorgeschobene Begründung, um das Zeigen von Regenbogenflaggen während der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar Ende des Jahres zu unterbinden: Sollten Sicherheitskräfte die bunten Fahnen einkassieren, so geschehe das im Sinne der der Anhänger. Falls ein Fan "die Regenbogenfahne zeigt, und ich sie ihm wegnehme, geschieht dies nicht, weil ich sie wirklich nehmen will, um ihn zu beleidigen, sondern um ihn zu schützen", sagte Generalmajor Abdulasis Abdullah Al Ansari der Nachrichtenagentur AP.

"Denn wenn nicht ich es bin, könnte ihn jemand attackieren. Ich kann nicht für das Verhalten aller Menschen garantieren. Und ich werde ihm sagen: "Bitte, es gibt keinen Grund, die Flagge hier zu zeigen."

Fifa-Präsident: Jeder ist in Katar willkommen

Al Ansari ist unter anderem der Vorsitzende des Nationalen Terrorismusbekämpfungs-Komitees im katarischen Innenministerium. Die Regenbogenflagge steht weltweit als Symbol für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Der WM-Gastgeber Katar ist nicht nur wegen der Menschenrechtslage und der Bedingungen für ausländische Arbeiter in der Kritik internationaler Organisationen. Amnesty International hatte zuletzt geurteilt, dass Frauen sowie lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LGBTI+) "sowohl durch Gesetze als auch im täglichen Leben weiterhin diskriminiert" würden. Homosexualität ist in Katar gesetzlich verboten.

Fifa-Präsident Gianni Infantino sagte kürzlich: "Jeder wird sehen, dass jeder hier in Katar willkommen ist, auch wenn wir über LGBTQ+ sprechen." Die Fifa hatte in der Vergangenheit betont, dass Regenbogenflaggen im Stadion erlaubt seien. Die katarischen WM-Organisatoren erklärten, dass sie Richtlinien des Weltverbands diesbezüglich respektieren würden.

WM-Chef ermahnt englischen Nationaltrainer

Al Ansari sagte, dass er keinen LGBTI+-Fans von der Reise nach Katar abraten würde. "Bucht ein Zimmer zusammen, schlaft zusammen, das ist etwas, das uns nichts angeht", sagte er. Wer seine Ansichten zur LGBTI-Situation demonstrieren wolle, solle das in einer Gesellschaft tun, "in der das akzeptiert wird".

Überhaupt scheinen Offizielle in dem Wüstensaat nervös zu werden, weil sie zunehmende Kritik an der Menschrechtslage fürchten. So ermahnte vor wenigen Tagen der Chef der WM, Nasser Al Khater, den englischen Nationaltrainer Gareth Southgate, seine "Worte vorsichtiger" zu wählen. Southgate hatte sich besorgt über die Situation von Arbeitsmigranten in dem Land geäußert und gesagt, "es wäre eine Schande, wenn einige Fans wegen eigener Sicherheitsbedenken nicht zum Turnier reisen" würden.

tis DPA

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