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Fußball-WM "Zwischen 400 und 500": WM-Organisationschef räumt erstmals höhere Todeszahlen zu Gastarbeitern ein

Bauarbeiter aus Sri Lanka arbeiten auf einer Baustelle vor dem Hotel "The Torch" (l) und dem Khalifa International Stadium
Bauarbeiter aus Sri Lanka arbeiten 2016 auf einer Baustelle vor dem Hotel "The Torch" (l.) und dem Khalifa International Stadium
© Andreas Gebert / DPA
Hassan al Thawadi, Organisationschef der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar, nannte in einem Interview Zahlen zu Gastarbeitern, die beim Bau der Infrastruktur ums Leben gekommen seien: Sie liege "zwischen 400 und 500".

Der Generalsekretär des Organisationskomitees, Hassan al-Thawadi, hat in einem Interview von mehreren Hundert toten Gastarbeitern im Zusammenhang mit der WM in Katar gesprochen. "Die Schätzung ist bei etwa 400, zwischen 400 und 500. Ich habe die exakte Zahl nicht", sagte al Thawadi in dem Gespräch mit Piers Morgan für den britischen TV-Sender "Talk TV". Morgan hatte gefragt: "Wissen Sie, wie viele Menschen in Katar in den letzten zwölf Jahren bei Bauarbeiten im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft ums Leben gekommen sind, seit Sie den Zuschlag erhalten haben? Mit anderen Worten: neue Hotels, neue Brücken, was auch immer. Wie hoch ist die realistische Gesamtzahl der Arbeitsmigranten, die infolge der Arbeiten für die Fußballweltmeisterschaft gestorben sind?"

Das Organisationskomitee wies am Dienstagnachmittag darauf hin, dass sich die Aussage von al Thawadi auf nationale Statistiken für alle arbeitsbedingten Todesfälle landesweit in Katar, für alle Branchen und Nationalitäten im Zeitraum von 2014 bis 2020 beziehe. Diese Zahl liege bei 414.

Bericht: mehr als 6500 tote Gastarbeiter

Auf den Stadion- und anderen offiziellen WM-Baustellen habe es offiziellen Angaben zufolge drei arbeitsbedingte und 37 nicht arbeitsbedingte Todesfälle gegeben. Zahlen zu den insgesamt im Zusammenhang mit der WM gestorbenen Gastarbeitern hatte das Organisationskomitee bislang nicht genannt. Ein aufsehenerregender Bericht des britischen "Guardian" von Anfang 2021 hatte von mehr als 6500 toten ausländischen Arbeitern aus fünf asiatischen Ländern im Emirat in den zehn Jahren seit der WM-Vergabe im Jahr 2010 gesprochen. Katar hatte die folgende Kritik zurückgewiesen und von einer normalen Todesrate gesprochen.

Hassan al Thawadi verwies in dem Gespräch erneut auf die Reformen, die im Emirat in den letzten Jahren für eine Verbesserung der Bedingungen für Arbeiter auf den WM-Baustellen gesorgt hätten. Der Deutsche Fußball-Bund und andere europäische Verbände machen sich für einen Entschädigungsfonds für Gastarbeiter in Katar sowie die Einrichtung eines Gastarbeiter-Zentrums in Doha stark.

rw DPA

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