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HSV besiegt Leverkusen 1:0: "Hakan, du Hurensohn"

Neun Gelbe Karten, Rudelbildung und gellende Pfeifkonzerte: Das Spiel des HSV gegen Leverkusen wäre fast entgleist. Grund: Die Rückkehr des in Hamburg verhassten Hakan Calhanoglu.

Von Tim Schulze

Schwierige Rückkehr: Hakan Chalhanoglu (m.) wurde von den Hamburger Fans heftig ausgepfiffen

Schwierige Rückkehr: Hakan Chalhanoglu (m.) wurde von den Hamburger Fans heftig ausgepfiffen

Selbst nach dem Spiel beruhigte sich der Trainer von Bayer Leverkusen, Roger Schmidt, nicht: "Am Ende der ersten Hälfte war es mehr Treibjagd als Fußball. Wie Hamburg hier spielen wollte, war von der ersten Sekunde an klar zu sehen. In den ersten fünf Minuten waren schon Fouls dabei, die überaus aggressiv waren, die durchgewunken wurden." Sein Kollege Joe Zinnbauer sah es naturgemäß anders: "Ich denke, beide Mannschaften haben sich von der Hektik anstecken lassen", sagte der HSV-Trainer. "Der Kollege sagt, dass sie oft durch Fouls unterbrochen wurden. Ich denke, wir auch."

Schon während des Spiels waren beide Trainer heftig aneinander geraten. Kurz vor dem Pausenpfiff musste Zinnbauer vom HSV-Sprecher Jörn Wolf in den Klammergriff genommen werden, weil er auf Roger Schmidt losgehen wollte, so schien es. Zuvor hatte Leverkusens Giulio Donati Gegenspieler Marcell Jansen brutal gefällt. Danach gab es eine Rudelbildung. Schiedsrichter Florian Meyer und seine Assistenten hatten Schwierigkeiten, die aufgebrachten Spieler und Betreuer wieder zu beruhigen.

Fans bewerfen Calhanoglu mit Feuerzeugen

Grund für die aufgeheizte Atmosphäre war die Rückkehr von Supertalent Hakan Calhanoglu, der im Sommer für 14,5 Millionen Euro zu Bayer gewechselt war. Der 20-Jährige und seine Berater hatten den Wechsel mit viel kritisierten Methoden forciert. So verkündete sein Berater kurz vor den wichtigen Relegationsspielen gegen Fürth in der vergangenen Saison, dass Calhanoglu den HSV verlassen möchte. Später ließ sich der Spieler wegen angeblicher psychischer Probleme krank schreiben, um weiter Druck auf den HSV zu machen. Das haben ihm viele in Hamburg nicht verziehen.

Jetzt, bei seinem ersten Auftritt in Hamburg nach seinem Wechsel, gab es bei jeder Aktion des Türken ein gellendes Pfeifkonzert. Die Heimfans skandierten Rufe wie "Hakan ist ein Hurensohn" und "Alle auf die 10". Bei einem Freistoß vor dem HSV-Block wurde er mit Feuerzeugen beworfen. Neun Gelbe Karten verteilte Schiedsrichter Florian Meyer in der Partie, allein sechs für die Hamburger. Auch die Trainer ließen sich von der vergifteten Atmosphäre anstecken. Calhanoglu wurde in Hamburg außerhalb des Spielfelds von zwei Mitarbeitern des Bayer-Sicherheitsdienstes begleitet.

In der zweiten Halbzeit beruhigten sich die Gemüter ein wenig. Am Ende retteten die Hamburger die 1:0-Führung über die Zeit und setzten sich dank des Befreiungsschlages ein wenig vom Tabellenende ab. Rafael van der Vaart hatte per Foulelfmeter in der ersten Halbzeit den Siegtreffer erzielt.

Versöhnlich zeigte sich HSV-Legende Uwe Seeler, dessen Enkel Levin Öztunali ebenfalls für Leverkusen spielt (aber in Hamburg nur auf der Bank saß). "Man sollte so einem jungen Menschen auch mal verzeihen" hatte Seeler schon vor der Partie gesagt. "Wir sind alle Sportler, das soll man schnell vergessen. Bei Bayer Leverkusen spielt er Champions League, das ist auch nicht unwesentlich für seine Entwicklung."

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