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Kanu-Bronze: "Pfanne" holt nach 32 Jahren wieder Medaille

Stefan Pfannmöller erreicht Olympia-Bronze auf dem schwersten Slalom-Kanal der Welt. Jennifer Bongardt drosch frustriert mit dem Paddel auf ihr Boot ein.

Das "reinigende Gewitter" nach dem Zoff mit seinem Trainer Jürgen Köhler hat Stefan Pfannmöller einen dritten Platz beschert. Die deutschen Kajak-Damen hingegen enttäuschten: Jennifer Bongardt drosch nach Platz neun frustriert mit dem Paddel auf ihr Boot, Mandy Planert erreichte im wohl letzten Rennen ihrer Karriere nicht den Endlauf.

"Gigantisch. Das war der beste Wettkampf meines Lebens", meinte der 23-jährige Hallenser, nachdem er wieder und immer wieder die Faust gen Himmel gestreckt hatte. Nur vier Wochen nach dem großen Ärger, als "Pfanne" seinem langjährigen Betreuer nach der Pleite beim Weltcup in Prag heftige Worte an den Kopf geworfen hatte, so dass die "Vernunftehe" kurz vor dem Bruch stand, erkämpfte der Sportsoldat den größten Olympia-Erfolg eines deutschen Canadier-Einers seit dem Sieg des Leipzigers Reinhard Eiben 1972 in Augsburg.

Leben für Olympia

Perfektionist Pfannmöller ("Ich habe meine Lebensplanung seit Monaten auf die Spiele ausgerichtet") hatte dem Coach vorgeworfen, zu viel dem Zufall zu überlassen und den Trainingsablauf nicht streng genug zu organisieren. "So etwas passiert in den besten Familien. Aber sie haben sich ja zusammengerauft", meinte DKV-Sportdirektor Jens Kahl, der die beiden wieder an einen Tisch gebracht hatte.

"Manchmal braucht man so ein reinigendes Gewitter, aber danach sind wir beide zielstrebig an unsere Aufgabe gegangen. Ich bin heilfroh, dass es mit der Medaille geklappt hat", bestätigte Köhler und lobte seinen Schützling als überaus selbstbewussten Athleten. "Er war angespannt wie noch nie, nichts mit Pokerface", beschrieb Vater Uwe, der das Rennen vor dem Fernseher im heimischen Halle verfolgte.

Keine Chance gegen Topfavoriten

Gegen die beiden Topfavoriten Tony Estanguet (Frankreich), den Sieger von Sydney, und Atlanta-Gewinner Michal Martikan (Slowakei) war "Pfanne" allerdings schon nach dem Halbfinale ohne Chance. Nach dem Endlauf herrschte minutenlang Verwirrung um den Sieger: Zunächst wurde Martikan als Champion gefeiert, ehe die Jury feststellte, dass ein Torfehler des Slowaken vom technischen System nicht erfasst worden war. Somit verteidigte Estanguet seinen Thron.

Jennifer Bongardt: "Fuck"

Nur ein Wort fand Jennifer Bongardt: "Fuck" brüllte die 21-jährige Kölnerin und versetzte noch im Zielbereich ihrem Gefährt Hiebe, als wolle sie ihm die Schuld an ihrem Versagen geben. Mit Platz drei im Halbfinale hatte sie noch Riesen-Hoffnungen für das entscheidende Rennen geweckt. Im Endlauf aber meisterte sie die schwere Kombination zwischen den Toren 11 und 12 nicht und verpatzte danach das Rennen völlig. "Sie ist manchmal noch ein kleines Mädchen", versuchte Bundestrainer Mirco Kümper die vergeblich auf die Kajak-Fahrerin wartende Presse zu besänftigen.

"Sie muss erst ihren Frust ablegen. Aber auch ich bin enttäuscht. Wenn ich das nicht wäre, hätte ich keinen Antrieb für meine Arbeit", fügte Kümper hinzu. Der Sieg ging bei der olympischen Salzwasser- Premiere an Favoritin Elena Kaliska aus der Slowakei.

Mandy Planert: ein Häufchen Elend

Ein einziges Häufchen Elend war auch Mitfavoritin Mandy Planert, der völlig die Nerven versagten. Bis Tor elf fuhr sie im Halbfinale gut mit, doch in der Walze und dem darauf folgenden Tor 18 ließ sie viele Sekunden. "Ich bin furchtbar enttäuscht", sagte sie, nachdem sie sekundenlang mit gesenktem Kopf im Boot verharrt hatte. "Sie war zu aufgeregt. Ihre Arme waren ganz hart", kommentierte ihr Freund Jan Benzien, der sie sofort in die Arme nahm, um sie zu trösten.

Von Frank Thomas und Frank Kastner/DPA

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