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Olympische Gefühle: Heiße Küsse, bittere Tränen

Glück und Unglück liegen in Athen dicht beisammen. Der Triumph der einen ist die Niederlage der anderen. Die Anstrengungen nach dem alles entscheidenden Wettkampf setzen nicht nur bei den Athleten die stärksten Gefühle frei.

Strahlende Sieger posieren neben Athleten, die vor den Trümmern ihrer Anstrengungen stehen. In Athen wurden Tränen hemmungslos vergossen, bei den Gewinnern auf dem Treppchen, aber auch bei den Gescheiterten. Die traurigsten Tränen vergossen aber nicht die unterlegen Athleten, sondern die Gestürzten und Verletzten. Und diejenigen, die glaubten, von einem undurchsichtigen Reglement oder unfairen Kampfrichtern, um ihren Platz betrogen worden zu sein. Natürlich gab es auch Athleten, die Sieg oder Niederlage scheinbar unberührt erlebten oder ihr enttäuschendes Abschneiden, wie der deutsche Jan Ullrich fast kaltschnäuzig quittierten.

Wenigstens keine Freudenschüsse

Jubel und Tränen erreichten selbst den Irak. Den jungen Männern, die sich vor Spielbeginn extra T-Shirts der irakischen Mannschaft übergezogen hatten, standen Tränen in den Augen, als ihre Helden im fernen Griechenland mit 1:3 gegen Paraguay vom Platz gingen. "Ich bin sehr traurig, denn wir waren in den letzten Tagen überwältigt vor Freude, als wir zuschauten, wie die Mannschaft immer weiter kam", erklärt der Student Sami Mohammed (22). Doch im Irak gelten andere Gesetze, ein älterer Beamter war insgeheim sogar froh, dass die irakische Mannschaft nicht gewonnen hat. "Man soll im Schlechten immer das Gute suchen", meinte er, "denn so hat es wenigstens keine Freudenschüsse gegeben, durch die Zivilisten ums Leben kommen können."

Kra/DPA

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