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Olympia 2008: Die "Block-Maschine" jagt das "Biest"

Im Beachvolleyball der Männer kämpfen ein US-amerikanisches und ein brasilianisches Duo um Gold. Beide haben in ihrer Sportart Geschichte geschrieben, beide besitzen schier grenzenloses Charisma. Beim Auftakt zeigten die Brasilianer gleich einmal ihre ganze Klasse. Zwei Akteure aus Angola mussten als Opfer herhalten.

Von Jens Fischer, Peking

Wie sie da saßen, konnten sie einem fast ein wenig Leid tun. Erschöpft nach einer herben Klatsche in brutaler Hitze versuchten die beiden Angolaner Morais Santos Abreu und Emanuel Fernandes gute Miene zum bösen Spiel zu machen. "Für uns war es einfach eine große Ehre gegen unsere Idole Emanuel Rego und Ricardo Santos antreten zu dürfen", erklärten die beiden Exoten demütig. "Heute ist für uns ein Traum wahr geworden, aber leider haben uns die beiden Brasilianer keine Chance gelassen."

In der Tat. Wie ein Wirbelwind sind die beiden amtierenden Olympiasieger Rego und Santos bei ihrem Auftaktspiel in Peking über die Angolaner gekommen. Besonders Rego schmetterte ein Aufschlag-Ass nach dem anderen über das Netz, und sein 33-jähriger Partner Santos zeigte das, wofür er berühmt geworden ist und was ihm den Kampfnamen "Block-Maschine" eingebracht hat: Kaum einen Schmetterball ließ er am Netz passieren, immer wieder verzweifelten die Gegner an seiner unglaublichen Präsenz am Netz.

Brasilianische Idole

Rego und Santos sind in Brasilien Nationalhelden. Sie sind dort ähnlich populär wie die großen Fußball-Stars. Kein Wunder, haben sie seit ihrem Zusammenschluss im Jahr 2002 doch vier Mal in Folge die Welttour gewonnen und zahlreiche Medaillen an die Copacabana geholt. Sie gelten als der Inbegriff des Beachvolleyballs, und ihr Auftreten hier im Chaoyang Park wirkt, als würden sie Hof halten. Santos und Rego wissen um ihre enorme Popularität: "Beachvolleyball ist für die Menschen in Brasilien einfach wahnsinnig wichtig. Daher bekommen wir von unseren Landsleuten zu Hause auch die Unterstützung, die wir für unser Spiel brauchen."

Allerdings haben die beiden Südamerikaner in Peking ein Problem - und das kommt aus Amerika. Das Duo Todd Rogers und Phil Dalhausser hat Santos/Rego bereits bei der Vorolympiade in Peking bezwungen. Diesen Coup wollen sie nun wiederholen. Dalhausser, in der Schweiz geboren und wegen seines unheimlichen Aussehens mit 2,05 Meter und kahl geschorenem Schädel "Das Biest" genannt, glaubt an den Olympiasieg, ist überzeugt davon, die beiden brasilianischen Rivalen schlagen zu können: "Wir sind beide hoch konzentriert und felsenfest von unseren Qualitäten überzeugt. Ich denke, wir können hier jedes Spiel gewinnen."

Zauberer im Sand

Asket Dalhausser ist das Kraftpaket der beiden Amerikaner. Mit unglaublichen Blocks und speziell mit seinen Aufschlag-Raketen ist er längst als einer der weltbesten Beachvolleyballer etabliert. Er ist etwas Besonderes und besitzt Fähigkeiten, die ihn von anderen Spielern abheben. Auch sein Partner und Freund Rogers lobt ihn in höchsten Tönen: "Er ist einfach einmalig", sagt er über den 28-Jährigen. "Viele große Spieler haben enorme Power in ihren Schlägen, aber Phil spielt zudem noch clever und präzise. Er hat einfach magische Hände."

Dennoch ist Rogers, vor seiner Laufbahn Assistent an der Universität von Santa Barbara, der heimliche Leader im Team. Er gibt den Takt vor, spielt intelligent und hat die nötige Erfahrung. Dalhausser und Rogers ergänzen sich mit ihren Qualitäten perfekt.

Sicher ist: Auf die Beachvolleyball-Fans wartet in Peking das hochklassigste Turnier aller Zeiten. Santos/Rego und Rogers/Dalhausser werden auf ihrem Weg ins Olympiafinale 2008 kaum zu stoppen sein. Dann wartet der große Showdown und von einem kann man ausgehen: "Das Biest" hat wieder einen Riesen-Appetit.

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