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Langlauf-Duell in Vancouver: Marit verliert und vergisst

Erst raubte sie Marit Björgen das historische vierte Gold, dann entschuldigte sich Justyna Kowalczyk nur halbherzig für ihre bösen Vorwürfe gegen die Königin der Winterspiele.

Erst raubte sie Marit Björgen das historische vierte Gold, dann entschuldigte sich Justyna Kowalczyk nur halbherzig für ihre bösen Vorwürfe gegen die Königin der Winterspiele. "Es tut mir leid. Das war keine Attacke gegen Marit´, sagte die erste polnische Langlauf-Olympiasiegerin: "Wir haben Probleme mit Asthma beim Langlauf. Aber man hat mir gesagt, dass es nicht die richtige Zeit war, um das zu sagen.´

Kowalczyk hatte während der Winterspiele behauptet, dass ihre niemals positiv getestete Erzrivalin Björgen ohne das von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) genehmigte Asthma-Medikament keine Chance gehabt hätte: "Marit weiß genau, dass sie ohne ihre Hilfsmittel nicht viel zu bieten hätte.´ Der Vorwurf löste in der Skilanglauf-Szene vor allem deshalb Verwunderung aus, weil Kowalczyk selbst schon eine Doping-Sperre abgesessen hat. "Das war überhaupt eine ganz dumme Kritik, weil sie mit diesen Vorwürfen auf ihre eigene Vergangenheit aufmerksam macht´, sagte Bundestrainer Jochen Behle: "Außerdem ist es Quatsch, dass ein Asthmamittel diese Leistung auslöst. Es ist einfach phänomenal, was Marit hier geleistet hat. Sie ist die Nummer eins.´

Obwohl es zum Abschluss wegen zwei Zehntelsekunden nach 30 km "nur´ zu Silber reichte, holte Björgen als erste Wintersportlerin fünf Medaillen (drei Gold, je einmal Silber und Bronze) bei denselben Winterspielen.

Kowalczyks Vorwürfe hatten sie enttäuscht, zumal sich die Polin nur über die Medien und nicht persönlich bei ihr entschuldigt hatte: "Aber jetzt habe ich es vergessen. Schluss damit, ich schaue nach vorn. Ich freue mich für sie, dass es Gold ist.´ Trotz aller Beteuerungen lag aber Spannung in der Luft. Das Duell wurde über 30 km bis zur Ziellinie verbissen wie selten eines zuvor geführt.

Zur Pressekonferenz traten beide nacheinander und nicht wie gewohnt zusammen an, und Björgen nannte ihre Erzrivalin immer nur "Kowalczyk´ und nicht beim Vornamen. Die Vorwürfe dürften aber spätestens vergessen sein, wenn sie in die Arme ihres Freundes Fred-Börre Lundberg, Kombinierer-Olympiasieger von 1994, sinkt. "Ich freue mich so auf meinen Freund, schließlich habe ich ihn fünf Wochen nicht gesehen. Mal seh´n, was dann passiert´, sagte Björgen mit verschmitztem Lächeln.

Lars Becker, SID / SID
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