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Olympia in Vancouver: Schweizer Janka gewinnt Gold im Riesenslalom

Der Schweizer Skirennfahrer Carlo Janka sicherte sich im Riesenslalom die Goldmedaille – und nahm das ziemlich cool zur Kenntnis. Ausgelassen feierte dagegen der Deutsche Felix Neureuther seinen achten Platz.

Rosi Mittermaier machte nach der bravourösen Fahrt ihres Sohnes Felix Neureuther von der Tribüne aus das Erinnerungsfoto - der Partenkirchener zeigte als Riesenslalom-Achter mehr Emotionen als Olympiasieger Carlo Janka. Als wäre nichts Großartiges geschehen nahm der Schweizer Skirennfahrer sein Gold im Ziel cool zur Kenntnis. Selten fiel die Freude über eine olympische Goldmedaille zumindest nach außen hin so dürftig aus. Wieder ließ sich der 23 Jahre alte "Iceman" zu keinen Emotionen hinreißen, aber zuvor auch durch nichts aus der Ruhe bringen. Neben ihm jubelten die norwegischen Medaillengewinner Kjetil Jansrud (Silber) und Aksel Lund Svindal (Bronze) deutlich ausgelassener.

Janka verlieh seinen Gefühlen wenigstens verbal Ausdruck. "Mein Ziel für die Spiele war eine Medaille. Jetzt hab ich eine Goldene, das ist ein toller Tag für mich", sagte er. "Man hat etwas gewonnen, aber man weiß die Bedeutung noch nicht."

Neureuther jubelt über achten Rang


Überschwänglich fiel die Bilanz von Neureuther aus, der nicht erwartete Riesentorlauf-Qualitäten gezeigt hatte. "Top 15 wäre schon Wahnsinn gewesen und jetzt bin ich Achter", schwärmte der WM-Vierte. Im Weltcup war Neureuther im Riesenslalom bislang nur einmal in die besten 15 vorgedrungen. Das Olympia-Rennen wollte er vor allem zur Einstimmung auf den Slalom am Samstag nutzen, in dem er Medaillenchancen hat.

"Schön, wenn man sieht, dass das bei Olympia passiert. Dass man mit dem Druck und dem Ganzen umgehen kann", sagte Neureuther, der schon bei seiner ersten Fahrt auf der "Dave Murray"-Piste gut zurecht kam. "So nah war ich im Riesenslalom in meinem Leben noch nicht dran", staunte der 25-Jährige selbst ein bisschen angesichts von nur 0,97 Sekunden Rückstand und Platz 13 im ersten Durchgang. Fast schon in Siegerpose stand er nach der gelungenen Vorstellung im Zielraum - im zweiten Durchgang durfte er sogar kurz in die Leaders Box.

"So weit war Felix im Riesenslalom noch nie vorne. Er ist wirklich super gefahren. Ist halt doch ein Olympionike", sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier und war vom Kitzbühel-Sieger im Slalom "überrascht". "Er hat alles richtig gemacht." Das geplante "Anfreunden" mit dem Berg, wie Neureuther es formuliert hatte, ist gelungen.

Es ging heiß zu


Einen Tag vor der Damen-Entscheidung im Riesentorlauf mit Weltmeisterin Kathrin Hölzl (Bischofswiesen) ging es bei den Herren heiß her. Nur 2/100 Sekunden hatte Janka nach dem ersten Durchgang Vorsprung auf den Österreicher Romed Baumann. Dessen Angriff auf Gold gelang nicht, denn Janka blieb wieder einmal ganz cool. Die Österreicher präsentierten sich auf den Plätzen vier bis sechs mannschaftlich stark, aber blieben wieder ohne das so sehr herbeigesehnte Edelmetall. Die vorgelegten Bestzeiten beeindruckten den 23-jährigen Janka zumindest äußerlich nicht und wie bei der WM in Frankreich vor einem Jahr carvte er dank seiner Ausnahmetechnik sicher zum Titel. "Eine sensationelle Vorstellung. Der Riesenslalom hier war so ziemlich das Gegenteil zur WM. Den dann auch zu gewinnen: Tipptopp", lobte der deutsche Alpin-Chef Wolfgang Maier.

Langsam hatte sich der Allrounder, der trotz seines jungen Alters schon in drei verschiedenen Weltcup-Disziplinen gewinnen konnte, an die Medaille herangepirscht. Platz elf in der Olympia-Abfahrt, Rang acht im Super und Vierter in der Kombination - nun wurde die olympische Steigerungsfahrt belohnt. Die Schweizer Fans feierten den zweiten Olympiasieg nach dem von Didier Defago in der Königsdisziplin Abfahrt überschwänglich und ließen ihre großen Kuhglocken läuten. Sie konnten verschmerzen, dass Mitfavorit Didier Cuche als 14. erneut Edelmetall verpasste.

Gestoppt wurde der Erfolgszug des Amerikaners Bode Miller. Nach drei Medaillen in Whistler, darunter Kombi-Gold, schied der 32-Jährige am Dienstag nach einer wilden Fahrt aus.

Christian Kunz und Michael Becker, DPA / DPA

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