Rodeln Alle gegen "Super-Armin"


Die deutschen Rodler suchen noch immer nach einem Nachfolger von Rodel-Legende Georg Hackl. Der Weg zu Olympia-Gold führt für den deutschen Nachwuchs nur über einen Sieg gegen den Italiener Armin Zöggeler, der in Vancouver einen Gold-Hattrick anstrebt.

Ganz Olympia fürchtet die Regen-Spiele. Nur die deutschen Rodel-Männer hoffen bei ihrer Jagd auf den "Außerirdischen" Armin Zöggeler auf Schmuddelwetter. "Wenn es so bleibt, ist es deutsches Wetter", befand der zweimalige Weltmeister Felix Loch mit einem zufriedenen Blick in den düsteren Himmel von Whistler und richtete für das Rennen am Wochenende eine Kampfansage an den zweimaligen Olympiasieger und Top-Favoriten aus Italien. "Ich bin gut drauf und mein Schlitten auch. Die Konkurrenz weiß, dass ich hier gut rodeln kann", sagte der erst 20 Jahre alte Mitfavorit vor dem Rennen auf der schnellsten Eisrinne der Welt.

Vier Jahre nach dem schwachen Auftritt bei Olympia 2006 will das Männer-Trio Loch, David Möller und Andi Langenhan zurück in die Medaillenränge und im Idealfall den Gold-Hattrick Zöggelers verhindern. Wie das gehen könnte, bewies im Training auf der olympischen Hochgeschwindigkeitsbahn vor allem Senkrechtstarter Loch. Nach schwachem Auftakt steigerte sich der Weltmeister von 2008 und 2009 und kam immer besser mit der Bahn zurecht. "Wenn man an den richtigen Schräubchen dreht, läuft der Schlitten gleich ganz anders", freute sich Loch, der nun auch im Rennen auf Plus-Grade setzt.

Lochs größtes Plus ist seine Nervenstärke: Schon bei seinen WM- Siegen hatte Loch dank seiner Unbekümmertheit Routinier Zöggeler in die Schranken verwiesen. "Bis jetzt habe ich mit Druck von außen noch nie Probleme gehabt", gibt sich der 20-Jährige, der in diesem Winter endlich seinen ersten Weltcup-Sieg feiern konnte, denn auch für das Großereignis zuversichtlich. Doch der Olympia-Neuling, der vor einem Jahr im Weltcup in Whistler mit Tempo 153,98 einen Rekord aufstellte, hat durchaus Respekt: "Hier sind es vier Läufe, da dürfen keine Fehler passieren. Alles muss optimal passen."

Nach Rang fünf in Turin setzt Möller bei seinem zweiten Anlauf auf eine Olympia-Medaille auf Masse, fünf Kilogramm hat der zweimalige Weltmeister zugelegt. "Gewicht bringt Geschwindigkeit", erklärt der 28-Jährige. Dass er es auch ohne Zusatz-Kilos kann, bewies der Thüringer vor einem Jahr mit dem Weltcup-Sieg bei der Olympia- Generalprobe in Whistler. "Es ist Quatsch zu sagen, man ist wegen dieses Sieges Favorit. Aber natürlich gibt mir das Selbstvertrauen", sagt Möller. Nur Außenseiter ist Langenhan, der zudem im Training einen Sturz hinnehmen musste. "Das war echt brutal heftig", sagte der 25-Jährige. "Ein Platz unter den ersten Sechs wäre schon toll."

Der Weg zu Gold führt derweil nur über Zöggeler, der nach 2002 und 2006 seinen dritten Olympiasieg in Serie holen kann. Seine härtesten Gegner sieht der Italiener, der in seiner Heimat als "Außerirdischer" gefeiert wird, in Loch und Möller - und im Russen Albert Demtschenko. "Mein Favorit heißt Demtschenko", lobte Zöggeler erst - um dann vor zwei Wochen nach einem Sturz des Russen die Psycho-Spielchen zu starten. "Für die Moral und das Selbstvertrauen ist das nicht förderlich", befand der Topfavorit.

Von Michael Fox, dpa DPA

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