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ARD- und ZDF-Livestreams: Mit dem Zweiten sieht man online nichts

Erstmals übertragen ARD und ZDF Olympia nicht nur von morgens bis abends, sondern verlängern ihr Programm mit Livestreams im Netz. Die Nachfrage ist groß. Zeitweise zu groß für die Kapazitäten.

Von Swantje Dake

Nichts verpassen, alles live gucken können - das soll die Devise der Zuschauer der Öffentlich-Rechtlichen für Olympia 2012 sein. Stundenlang übertragen ARD und ZDF im Wechsel täglich live, dazu gibt es ein breites Angebot im Internet mit Bildern, Texten, Tickern - und erstmals umfassende Livestreams. Wer unbedingt bei Timo Boll an der Platte bleiben möchte, während aber das übertragende ZDF zum Fechtfinale mit Britta Heidemann wechselt, konnte am Montagabend auf die Internetseite des Zweiten gehen. Genutzt hat es ihm aber nichts.

Denn die Livestreams werden gut angenommen. Zu gut; denn bereits am mittelmäßig spannenden Montagabend waren die Streams des ZDF zeitweise nicht mehr zu erreichen. Der Livestream zum Tischtennis-Achtelfinale brach mehrfach zusammen oder war erst gar nicht zu starten, sowohl bei der ARD als auch beim ZDF. Ebenso hatte auch das Fechtfinale digitale Startschwierigkeiten.

Wiederholung nicht ausgeschlossen

"In den Peaksituationen kann es passieren, dass die Server glühen", sagt Eckart Gaddum, Onlinechef beim ZDF. "Es tut uns Leid um jeden Zuschauer, der nicht auf den Stream zugreifen kann. Aber das ist ein stückweit die Normalität des Netzes." Dass das ZDF so schnell an die Kapazitätsgrenze stoßen würde, hätte man beim Sender nicht gedacht. Bereits am ersten Wettkampftag verzeichnete der Sender 2,69 Millionen Zugriffe, der beste Wert des Jahres - bislang. Es wurde aufgerüstet, weitere Server hinzugeschaltet. Aber: "Dass uns das am morgigen Mittwoch, wenn der Deutschland-Achter am Vormittag um Gold rudert, nicht wieder passiert, können wir nicht garantieren."

Bei der ARD sind die Streamprobleme von Montag nicht bekannt. Generell kann der Sender bestätigen, dass das Angebot sehr gut angenommen wird. Am Sonntag, als die ARD aus London übertrug, wurden die Streams 1,8 Millionen Mal angeklickt. "Das hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen", so ein Sprecher. Die Konsequenz: Auch beim Ersten werden die Kapazitäten ausgebaut. Sonst hilft nur ein Kniff: zur nichtübertragenden Konkurrenz wechseln. Die Streams sind in der Regel weniger nachgefragt.

Manchmal ohne Kommentar, aber immer live

Bis zu sechs Livestreams laufen auf den Internetseiten von ARD und ZDF parallel und bieten größtmögliche Unabhängigkeit vom Fernsehgerät. Lieber Synchronschwimmen statt Judo gucken? Oder doch lieber die Vorläufe im Rudern? Oder alles parallel. Wer so auch nur eine Minute seiner Lieblingssportart verpasst, ist selber schuld. Oder aber die Technik.

Zwei Drittel der Streams werden kommentiert. Überträgt das Erste, schieben die ZDF-Kollegen Livestreamschicht und umgekehrt. 60 Stunden bewegte Sportbilder jenseits des Fernsehens sollen so pro Tag auf Laptops, Smartphones und Tablets gesendet werden. Der Zuschauer kann vor- und zurückspulen, eine längere Pause einlegen oder zeitversetzt gucken. Wie viel sich ARD und ZDF die umfassende Berichterstattung kosten lassen, können sie nicht genau beziffern. In den 9 bis 10 Millionen Euro, die die Sender für die Olympischen Spiele eingeplant haben, ist dieser Posten nicht extra aufgeschlüsselt. Womöglich auch, weil die Kosten noch nicht absehbar sind: Die Sender bekommen die Bilder vom Olympic Broadcasting Services (OBS), die die Bilder von den Spielen an die Fernsehstationen liefert. Zahlen müssen die Sender dann pro abgerufenem Stream - je mehr Zugriffe, desto höher also die Rechnung. Könnten teure, aber erfolgreiche Spiele für die Öffentlich-Rechtlichen werden.

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