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Deutscher Ruder-Achter Ein perfektes letztes Rennen


In einem dramatischen Rennen hat der Deutschland-Achter Gold geholt. Vier Jahre hat sich das Team dafür gequält. Der größte Erfolg dieser famosen Mannschaft war gleichzeitig auch ihr letzter.
Von Christian Ewers, Eton

Vier Jahre haben sie für diesen Moment gearbeitet. Vier Jahre auf dem Dortmund-Ems-Kanal, im Industriehafen Deusen, wo das Wasser trüb ist und die Spundwände rostig. Sie sind bei jedem Wetter gerudert, vorbei an Kokshalden, Bergen aus Altmetall und Altpapier, vorbei an der Waffelfabrik, die Vanillewolken in die Luft bläst. Vier Jahre lang haben sich die Männer aus dem Deutschland-Achter gequält für diesen Moment, der am Mittwochmittag um kurz nach halb eins Ortszeit in Eton, Grafschaft Buckinghamshire, endlich gekommen war: Ihr grünes Boot schoss als erstes über die Ziellinie auf dem Dorney Lake, vor Kanada und vor den Briten, die bis zur 1500 Meter-Marke so hart mit ihnen gerungen hatten.

Der deutsche Achter um Schlagmann Kristof Wilke ist Olympiasieger. Es war der 36. Sieg in Folge für das Team des Deutschen Ruderverbandes – eine in der Geschichte der Achter-Konkurrenz einmalige Serie. Es war ein mühevoller Sieg; das britische Boot hielt lange mit, der Vorsprung der Deutschen betrug nur wenige Zentimeter. "Ich habe nicht nach links und nicht nach rechts geschaut", sagte Max Reinelt, der körperlich stärkste Athlet im Achter, "ich habe bloß gezogen wie ein Ochse, und am Ende hat es gereicht."

Alles war richtig, alles hat sich gelohnt

Ausgelaugt und überwältigt zugleich waren die Ruderer, als sie aus dem Boot stiegen. Freudentränen liefen ihnen über die Wangen, aber da war auch totale Erschöpfung aus den Gesichtern zu lesen, leere Blicke, offene Münder, die noch Minuten nach dem Finale nach Luft schnappten. "Alles war richtig, alles hat sich gelohnt", sagte der atemlose Schlagmann Wilke, das musste als erste Analyse des Rennens erstmal genügen. Bundestrainer Ralf Holtmeyer hingegen sprach über das Rennen, als liege es schon Jahre zurück. Er ist ein Mann, der Triumphe und auch Niederlagen still mit sich selbst ausmacht. Holtmeyer sagte: "Mir war klar, dass wir das größere Stehvermögen besitzen. Die Engländer haben uns einen harten Kampf geliefert, aber ich wusste, welche Reserven wir haben."

Die Truppe ist einmalig

Holtmeyer ist ein erfahrener Trainer, bereits 1988 in Seoul holte er mit dem Achter Gold. Als er in Eton gefragt wurde, ob der aktuelle Achter das beste Team sei, das er jemals betreut habe, zögerte der Coach zunächst, sagte aber dann: "Unsere Siegesserie spricht für sich. Ich glaube, dieser Achter ist das ausgeglichenste Boot, das wir je hatten. Diese Truppe ist einmalig. Es hat alles perfekt zusammengepasst."

Das olympische Rennen war der größte Erfolg der Mannschaft, die 2009, 2010 und 2011 Weltmeister wurde. Und zugleich auch das letzte. Das Team wird sich auflösen, Schlagmann Wilke will Lehrer für Biologie und Geschichte werden, Florian Mennigen, der im Boot hinter Wilke sitzt, wird Psychologe, und Andreas Kuffner aus dem Bug treibt sein Wirtschaftsingenieursstudium voran. An die Zukunft wollte jedoch niemand denken am Mittwoch. "Wir haben jahrelang für ein fernes Ziel gearbeitet", sagte Andreas Kuffner. "Jetzt feiern wir den Moment."


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