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US-Beachvolleyballer Jake Gibb Vom Doping-Pranger zum Glückskind von London


Jake Gibb wurde positiv getestet. Zum Glück. Er hatte nicht gedopt, sondern Krebs. Geheilt ist der US-Beachvolleyballer bei Olympia mit dabei. Eine wahre Hollywood-Geschichte – nur echt.
Von Swantje Dake

Positiv! Suspendiert! Jacob "Jake" Gibb wollte es nicht glauben. Aber die Dopingprobe im Dezember 2010 war eindeutig. Der Beachvolleyballspieler aus den Verinigten Staaten hatte zu viel eines Hormons im Blut, das auch benutzt wird, um Anabolikamissbrauch zu vertuschen. Verbotene Substanzen hatte Gibb nicht geschluckt, da war er sich sicher. Der inzwischen 36-Jährige machte sich auf die Suche nach der Ursache. Eine schnelle Internetsuche besagte: Diese hohe Konzentration von Alpha Feto-Protein und Beta-HCG weisen nicht nur Doper auf, sondern auch Schwangere und Männer mit Hodenkrebs. Ein Arztbesuch verschaffte die Gewissheit: Gibb hatte Hodenkrebs. Die Suspendierung war damit hinfällig, aber viel wichtiger für Gibb: "Die Olympischen Spiele in London hatten sich damit erledigt."

Krebs, Kind, Qualifikation

Gibb befand sich 2011 mit seinem Partner Sean Rosenthal gerade am Anfang der Qualifikation. "Das härteste war, Leute anzurufen, ihnen von der Erkrankung zu verzählen. Dadurch wurde sie real", sagt Gibb in einem Video auf seiner Homepage. Es war bereits das zweite Mal, dass Gibb Krebs hatte. 2004 wurde bei ihm ein bösartiges Melanom entdeckt. Hautkrebs. Seitdem trägt Gibb eine Narbe an der linken Schulter.

Diesmal war der Eingriff gravierender. Gibb wurden seine Hoden entfernt. Selbst diesem tragischen Verlust kann der US-Boy Gutes abgewinnen. "Ohne Chemo davon zu kommen, war die größte Erleichterung. Es hat Olympia möglich gemacht, ich konnte meine Karriere fortsetzen, konnte weiter Sport machen."

Am Tag vor der Operation erfuhr seine Frau Jane, dass sie schwanger ist. Nach der Operation erholte sich Gibb schnell. Er konnte weiter trainieren und mit Partner Rosenthal wieder spielen. "Es war ein hartes Jahr. Meine Frau bekam unseren Sohn Crosby, während ich mich auf der Wettkampftour befand, um mich doch noch für Olympia zu qualifizieren." Punkt für Punkt arbeite sich das Duo auf der Rangliste nach oben. Im allerletzten Spiel schafften sie die Qualifikation für London.

Gibb will über Krankheit schweigen

Gibb spricht mittlerweile ungern über sein Schicksal. "Es ist zu emotional. Wenn ich darüber spreche, breche ich zusammen", sagte er mit brüchiger Stimme zu einem Reporter, der ihn zum Leben nach der Krankheit befragen wollte.

In Peking wurden Gibb und Rosenthal Fünfte. In London gewannen sie ihr erstes Match, verloren jedoch das zweite gegen Polen und müssen gegen Lettland nun gewinnen, damit sie ihr Medaillenziel noch erreichen können. Sollte es mit dem Edelmetall nicht klappen, wird für Gibb und Rosenthal keine Welt zusammenbrechen. "Nach dieser harten Zeit müssen wir Volleyball aus der richtigen Perspektive betrachten. Letztendlich ist Volleyball nur ein Spiel", sagt Gibbs Partner Rosenthal.


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