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Horror-Sturz bei Olympia: Snowboardcrosser Schad wettert gegen Olympia-Strecke: "Das ist völlig krank"

Wer sich nach Misserfolgen über die Wettkampf-Bedingungen beschwert, wirkt meist unsouverän. Doch die Kritik der deutschen Snowboardcrosser am Olympia-Kurs war wohl berechtigt - wie ein schwerer Unfall zeigt.

Snowboardcrosser Konstantin Schad - keine Lust auf spektakuläre Olympia-Wettbewerbe

Snowboardcrosser Konstantin Schad missfällt die Entwicklung in seinem Sport. Er will nicht "mit jedem Sprung mein Genick riskieren", kritisierte er den Olympia-Wettbewerb in Pyeongchang.

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Citius, altius, fortius - schneller, höher, stärker. So lautet das Motto der Olympischen Spiele der Moderne. Ausgerechnet deutsche Sportler einer ganz modernen Sportart können damit aber offensichtlich wenig anfangen. Im Gegenteil: Nach seinem frühen Olympia-Aus schimpfte Snowboardcrosser Konstantin Schad los. Mit seiner Kritik an der Strecke und an der forcierten Jagd nach spektakulären Bildern hielt er sich nicht zurück. "Ich habe ein Problem damit, mit jedem Sprung mein Genick zu riskieren", polterte der 30-Jährige. "Das ist nicht mein Verständnis von Boardercross. Am Ende gewinnt ja immer einer, das tut der Show dann keinen Abbruch, das ist das Problem."

Wie sich zeigte, lag Schad mit seiner Kritik richtig. Der Österreicher Markus Schairer brach sich bei einem üblen Sturz einen Halswirbel; nur dem Glück zu verdanken ist, dass er wohl keine bleibenden Schäden davon trägt. Auch ansonsten wurde die Gefahr am Donnerstag besonders augenscheinlich. Bei der Hetzjagd von bis zu sechs Fahrern gleichzeitig über die Sprünge, Steilkurven und Wellen häuften sich die Stürze. Medaillenkandidat Paul Berg musste nach einem Crash seine Hoffnungen schon vor dem Halbfinale aufgeben, auch Olympiasieger Pierre Vaultier blieb nicht verschont.

Snowboardcross: Schad deutet Olympia-Verzicht an

Schad kam als Einziger aus dem deutschen Snowboard-Trio ohne einen Sturz durch. Aus Angst um seinen lädierten Rücken nach zwei Bandscheibenvorfällen und um seine schmerzenden Sprunggelenke hatte der älteste deutsche Teilnehmer aber das Risiko gescheut. Für ihn war schon im Achtelfinale Schluss. "Das ist völlig krank", kommentierte der Miesbacher, als er vom Rand die waghalsigen Aktionen der Konkurrenz verfolgte. Er deutete an, dass seine dritte Olympia-Teilnahme seine letzte gewesen sein könnte: "Wenn es in die Richtung geht, ist es vielleicht auch bald mal ohne mich."

Auch Martin Nörl, als Achter bester Deutscher, und Berg, klagten, die Sprünge würden nicht zum Streckenverlauf passen. Bei hohem Tempo flogen sie zu extrem, der Landebereich begann zu früh. "Wir haben das im Training angesprochen, aber geändert wurde nichts", sagte Nörl.

Der Adlkofener nahm die Schuld für seinen Crash allerdings auf sich. Er habe den Start nicht gut erwischt und sei deswegen überhaupt erst in die Situation gekommen. Der 24-Jährige sprang in Christopher Robanske hinein, der Kanadier musste von der Strecke abtransportiert werden. Die Chance aufs Finale war auch für Nörl dahin. Berg kam im Viertelfinale nach einer Kettenreaktion nicht ins Ziel.

Snowboarder drohen Medaillenziel zu verpassen

Mit dem Kampf Mann gegen Mann bringt es Snowboardcross mit sich, dass vieles nicht zu kalkulieren ist. Gold holte dennoch Topfavorit Pierre Vaultier, der seinen Erfolg von Sotschi 2014 wiederholte. Im Halbfinale des Franzosen stürzten vier Fahrer, Vaultier fuhr mit 20,05 Sekunden Rückstand als Dritter gerade so ins Finale.

Der Konstanzer Berg hatte sich nach seinem Weltcup-Sieg in Val Thorens Mitte Dezember und seinem dritten Platz bei der Generalprobe am Feldberg Außenseiterchancen ausrechnen dürfen. Sein jähes Aus nahm er gelassen, der deutsche Snowboardverband bleibt damit vor den Rennen der Raceboarder ohne Medaille. "Es ist nicht so, dass wir unzufrieden sein könnten, das wäre nicht realistisch", sagte Sportdirektor Stefan Knirsch und war erfreut über die Entwicklung im vergangenen Jahr unter dem neuen Bundestrainer Bernard Loer.

Zweimal Edelmetall lautet das Ziel von Snowboard Germany für Südkorea. Das Alpin-Team um Hoffnungsträgerin Ramona Hofmeister soll nun für die Topplatzierungen sorgen. Zwei Rennen bleiben dafür nur.

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dho / DPA
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