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"Pok ta Pok": Brennende Bälle, wilde Krieger

Die Ur-Kicker stammen aus Mexiko. Ihre Regeln sind etwas anders: Trommeln und Flöten feuern die Krieger an. Der Ball wird mit den Ellenbogen hin und her befördert.

Mexiko schickt nicht nur seine Fußball-Nationalmannschaft nach Deutschland, sondern auch 14 Männer, die eine Urform des Ballspiels konserviert haben: Das Pelota-Spiel der Azteken und der Mayas. Im Rahmen des offiziellen Kulturprogramms rund um die Weltmeisterschaft in Deutschland werden sie einen bunten und heißen Beitrag zum Thema Spiel mit dem Ball leisten. In mehreren deutschen Städten werden sie zum ersten Mal diese wohl mehrere tausend Jahre alte Sportart jetzt vorführen. Deutschlandpremiere ist am Freitag auf dem Hamburger Rathausmarkt.

Alles nur keine Hände oder Füße

Der Ball war in der vorspanischen Zeit in Mesoamerika nicht aus Leder, sondern aus Kautschuk gefertigt. Er wurde gewissermaßen mit allem geschlagen, womit der Mann schlagen kann: mit der Hüfte, den Oberschenkeln, dem Hintern, den Ellenbogen, den Ober- und den Unterarmen sowie mit Stöcken. Aber nicht mit dem Fuß und nicht mit der Hand. Fußball oder Handball gab es bei den Azteken und Mayas wohl nicht. Vielleicht, weil der Ball aus Kautschuk zu schwer und zu hart war? Heute ist ein wenig Luft in der Kugel, damit sie leichter ist.

Das Spektakel beginnt mit zeremoniellen Handlungen, die Götter werden angerufen. Zuerst bereiten zwei Frauen das Feld mit Räucherungen vor. Dann betreten die Anführer der aus je sieben Kämpfern bestehenden Mannschaften unter ihren riesigen und prächtigen Federbüschen die Arena, stoßen Kampfrufe hervor. Die beiden, wie auch ihre Mannschaften, stellen die Sonne und die dunkle Nacht, Leben und Tod dar, entsprechend sind auch die Kämpfer ausgestattet und angemalt.

Feuerball bei Nacht

Das Spiel, das wegen des Ballgeräusches auch "pok ta pok" genannt wird, beginnt wie Volleyball, aber ohne Netz. Trommeln und Flöten feuern die Krieger an. Der Ball wird mit den Ellenbogen hin und her befördert. Die Schlagarme sind mit einem Lederschutz umwickelt. Wenn sie angespielt werden wollen, rufen die Krieger: "Ei Tata!" Das ist Nahuatl und bedeutet: "Hier bin ich, Vater!" Nach einer gewissen Zeit versuchen beide Seiten, den Ball durch einen Steinring zu befördern, der vertikal an der Seitenwand in rund drei Meter Höhe angebracht ist. In der Dunkelheit wird der Ball angezündet.

"Der Ball wog eineinhalb bis drei Kilo", erklärt Nahui Mazatl (Nahuatl: Vier Hirsche). "Die Spieler können ihn so hart schlagen, dass er bis zu 70 Kilometer pro Stunde erreicht", berichtet Mazatl weiter. Der 49-jährige Pelota-Profi lebt seit dem 14. Lebensjahr in Teotihuacan nahe den berühmten Pyramiden 50 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt. Die Mannschaften bestehen aus seinen Söhnen und Freunden - eine kleine Minderheit, die sich vorgenommen hat, den alten Brauch am Leben zu erhalten. Gespielt wird Pelota immer noch in den vom Zentrum weit entfernten Regionen Sinaloa und Nayarit.

Die Sieger kommen ins Paradies

Alles ist durch unsere spärlichen archäologischen Funde abgesichert, sagt Adalberto Rodriguez, der die Gruppe unter Vertrag hat. Für das Pelotaspiel, das bei der Tour durch Deutschland "pok ta pok" heißt, gibt es auch in Mexiko keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Deshalb ist es kein Wunder, das die Legende entstanden ist, derzufolge die Sieger den Göttern geopfert wurden, weil dies eine Ehre gewesen sein soll, die den direkten Zugang zum Paradies bedeutete.

Auch das ist heute anders. Am Ende des Spiels ruft Mazatl, der Anführer der Sonnenkrieger: "Solange die Erde besteht, werden Ruf, Ruhm und Kultur von Mexiko-Tenochtitlan nicht enden." Das Paradies ist für die Mexikaner jedenfalls nicht im Jenseits. Und eins ist schon jetzt sicher: Der moderne Fußball ist und bleibt die beliebteste Sportart in Mexiko. Doch wenn die mexikanische Nationalmannschaft in Deutschland untergehen sollte, haben die Mexikaner einen Trost: Sie haben die beste Mannschaft im Pok ta Pok. Es ist die einzige - weltweit.

Franz Smets/DPA / DPA
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