Alinghis Megaparty VIP-Bändchen, San Pellegrino und Champagner


Alinghi feierte eine Nacht lang ausgelassen die Verteidigung des America's Cup - mit gewohnter Großzügigkeit. Aber wirklich volkstümlich waren die siegreichen Eidgenossen um Milliardär Ernesto Bertarelli dabei nicht. Alles wirkte wie einstudiert und geprobt.
Von Roberto Lalli delle Malebranche, Valencia

Ein kleines gelbes Band machte den Unterschied: Wer es hatte, wurde vorgelassen und durfte die heiligen Hallen betreten, wer es nicht hatte, musste vor der Tür Schlange stehen und darauf hoffen, dass mit dem Fortschreiten der Nacht die Kontrollen am Eingang der Alinghi-Base nachlassen würden. Siegesfeier bei den Schweizer Cupverteidigern, und nur ein "kleiner Kreis" von etwa tausend Personen war eingeladen.

"Alinghi ist jetzt im Urlaub"

Der rote Schriftzug auf dem gelben VIP-Bändchen war und blieb der einzige Anflug von Schweizer Selbstironie an diesem Abend. Vornehmes Understatement ist nicht unbedingt die Sache der Segelmacht Alinghi. Nur wenige Stunden nach dem Sieg machten sich Arbeiter auf Hebebühnen daran, die Fassade der Basis mit riesigen Logos zu versehen: "We did it again. Alinghi, Winner of the 32. America's Cup".

Und natürlich war auch die Siegesfeier am Abend alles andere als bescheiden: Köche in weißer Montur, Cocktails bis zum Umfallen, Häppchen, Würste und Süßigkeiten so viel das Schweizer Herz begehrte und natürlich der gewohnt aufputschende Schweizer Musikmix: Abba, achtziger Jahre, Red Hot Chilli Peppers, und dazwischen ein paar elektrisierende Schlachtrufe des DJs, der im richtigen Leben wahrscheinlich auf Schweizer Ski-Hütten für Jubelstürme sorgt. Wieder einmal wurde bei Alinghi an nichts gespart, und die vielen Hundert meist jugendlichen Gäste erfreuten sich am surrealen Ambiente.

Unter der Siegeryacht SUI 100 auf dem extra herbei gekarrten Sand zu tanzen und "We are the champions" zu singen gab den meisten VIPs das Gefühl tatsächlich dabei zu sein und den Triumph mit den Eidgenossen zu teilen, und das, obgleich sie sich auf der "San Pellegrino-Ebene" befanden.

"Ich bin nicht Gott"

Die Champagner-Ebene mit Ernesto Bertarelli, Brad Butterworth, Jochen Schümann und den anderen befand sich an diesem Abend auf dem Dach der Base, hoch oben, abgeschirmt, über allem: dem Hafen, den Warteschlangen vor der Tür und den feiernden Angehörigen, Freunden, Journalisten und Fans unten. Diese Zweiteilung ist verständlich, aber sie spiegelt auch das eigentliche Problem der Eidgenossen im Allgemeinen und von Ernesto Bertarelli im Besonderen wider: Der Schweizer ist dafür bekannt, dass er sich bei offiziellen Terminen von den Photographen schon mal die Kamera aushändigen lässt, um Aufnahmen zu löschen, die ihm zu gewagt erscheinen. Gewagt bedeutet in solchen Fällen zum Beispiel das Bild seiner Frau, die gerade ein Glas Champagner trinkt. Wer derart sein Umfeld kontrolliert, kann natürlich schwerlich ein Bad in der Menge nehmen, den Sieg genießen und ganz einfach relaxen.

Und das, obgleich es Ernesto Bertarelli ganz offensichtlich genießt, öffentlich aufzutreten und im Mittelpunkt zu stehen. Der segelnde Milliardär braucht Anerkennung und Bewunderung, aber aus der Distanz, vom Siegespodest oder eben vom Dach der Defender-Basis aus. Und Alinghi, das er nach seinem Ebenbild geschaffen hat, ist genauso wie er: Das reichste und beste Segelteam der Welt, aber eben auch nicht mehr als das. Von Alinghi geht keine Wärme und kein Glanz aus, keine Leidenschaft und kein Zauber. Das ist auch an diesem Abend zu spüren, auf der großen Feier nach dem großen Sieg. Alles wirkt wie einstudiert und geprobt und nur an der Oberfläche lässig, einzig die gut gekleideten Kinder der Angehörigen sind für ein paar Stunden ganz einfach sie selbst. Und schon gegen drei Uhr tanzt fast niemand mehr im Schatten der SUI 100, die doch den 32. America's Cup gewonnen hat.


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