B. Becker Vom College-Boy zum "Schlafstörer"


Beim Ausflug mit der College-Mannschaft träumte Benjamin Becker noch von der Qualifikation in Flushing Meadows. Nun steht der Tennis-Profi aus dem kleinen Saarland im riesigen New York gegen Andre Agassi vor dem größten Match seines Lebens.

"Die US Open haben einen besonderen Reiz. Ich habe sie immer im Fernsehen verfolgt und war vor zwei Jahren hier mit dem College zu Besuch. Damals habe ich mit einigen deutschen Spielern zusammen gesessen und gesagt: Hier einmal Quali zu spielen, wäre ein Traum", erzählte der 25-Jährige nach seinem Einzug unter die letzten 32. Nun darf er sich auf ein Spiel vor fast 24 000 Fans im weltgrößten Tennis-Stadion freuen.

Jahrelang war Becker mit dem Team der texanischen Baylor-Universität aus Waco unterwegs, jetzt schlägt er Bälle mit seinem deutschen Kollegen Thomas Haas und trainiert auf dem Platz neben Superstar Roger Federer. "Es geht so schnell, dass ich es gar nicht realisiere. Ich fühle mich noch nicht so wohl in der Umkleidekabine, aber ich habe mich jetzt schon dran gewöhnt."

Auge in Auge mit den Superstars

Agassi erlebte er zuletzt hautnah bei dessen Verabschiedung auf der Spielerversammlung in New York. Noch in Wimbledon bei seinem Grand-Slam-Debüt war alles einen Tick zu neu für den Namensvetter des deutschen Tennis-Idols, der bei Fans und Beobachtern des Sports immer noch für ein komisches Gefühl sorgt, wenn sein Zuname fällt. "In Wimbledon habe ich viel zu sehr auf das Umfeld geguckt. Ich habe auf die Bälle geschaut, ob da auch das W- Zeichen drauf ist. Diese Erfahrung hat mir hier geholfen", sagte Becker. "Ich versuche, mir einfach zu sagen, es ist nur ein anderes Tennismatch. Ich versuche, rauszugehen, Spaß zu haben und mich von der Atmosphäre nicht beeindrucken zu lassen."

Das klappt so gut, dass der umgängliche und bodenständige College- Meister mittlerweile zur Attraktion und zum "Schlafstörer" in der Heimat geworden ist. Den Erstrundensieg über den Italiener Filippo Volandri verfolgten daheim zu nachtschlafender Zeit Vater und Onkel. Beide verzichteten darauf, sich nach dem Nerven aufreibenden Match noch einmal hinzulegen und gingen ohne Schlaf direkt zur Arbeit.

Keine Nachtruhe für die Großeltern

Nach dem nur anfangs umkämpften Erfolg über Sébastien Grosjean meldeten sich die Großeltern per Telefon. Da war es in Deutschland ein Uhr nachts. "Die gehen sonst um neun ins Bett. Sie haben kein Internet und schauen immer alle zwei Minuten im Videotext, ob der Satz umspringt", sagte Becker schmunzelnd. Der einstige Trainer von Ex-US-Open-Sieger Andy Roddick, der Franzose Tarik Benhabiles, hilft Becker als Berater und informiert ihn über alle Stärken und Schwächen der Gegner. Für die war Becker bislang ein unbeschriebenes Blatt. "Es ist ein Vorteil für mich, dass mich keiner kennt", sagte B. Becker. Damit ist es jetzt vorbei.

DPA


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