HOME

Box-Weltmeister Abraham: Schnabeltasse statt Rumpsteak

Nach seiner schweren Kiefer-Operation ist für Box-Weltmeister Arthur Abraham erstmal nur Flüssignahrung angesagt. Seinen Trainer plagt derweil das schlechte Gewissen.

Abrahams doppelter Kieferbruch wurde am Montag im Evangelischem Krankenhaus von Siegen mit zwei Titanplatten fixiert. Die Platte im Kinnbereich wurde mit zwölf Schrauben (jeweils sechs oben und unten) in den Kieferknochen gebohrt. Ein Aufwärtshaken seines Gegners Miranda verursachte den ersten Bruch. Eine weitere Titanplatte mit zehn Schrauben hält den zweiten Kieferbruch. Folge eines Kopfstoßes des Kolumbianers. Bereits am Wochenende will Abraham aber schon wieder nach Hause.

Sein Trainer Ulli Wegner hat unterdessen erstmals eingeräumt, dass der blutige WM-Kampf seines schwer verletzten Schützlings auch bei ihm tiefe Spuren hinterlassen hat. "Ich muss dass alles mit meinem Gewissen hinkriegen", sagte Wegner am Montagabend in der Sendung Heimspiel des "Hessischen Rundfunks" ein.

"Der Junge ist ein Held"

Abraham hatte am Samstag in Wetzlar trotz des doppelten Kieferbruchs durch einen Punktsieg gegen den Kolumbianer Edison Miranda den IBF-Titel im Mittelgewicht verteidigt. Wegner verteidigte die umstrittene Entscheidung, den 26 Jahre alten Berliner nicht aus dem Ring genommen zu haben, als vertretbar. "Es war ein Spiel mit dem Seil. Es gab keine andere Chance, um den Titel zu behalten. Wir sind ein Risiko eingegangen, denn vom Seil kann man auch runterfallen. Deshalb haben wir ihn permanent beobachtet", sagte der Coach.

Er sei frühzeitig über die Schwere der Verletzung Abrahams im Bilde gewesen. "Ich wusste, dass der Kiefer gebrochen war, war natürlich vom Arzt informiert. Aber ich musste ihn doch motivieren und konnte ihn in den schwersten Stunden nicht im Stich lassen", erklärte Wegner. Im Nachhinein habe sich die Entscheidung, den Kampf nicht abzubrechen, als richtig erwiesen und für Abraham ausgezahlt. "Jetzt ist der Junge ein Held", so Wegner.

DPA/kbe

Wissenscommunity