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Box-WM: Klitschko kämpft ums Überleben

Als 5:1-Favorit geht Ex-Champion Wladimir Klitschko in den WM-Kampf gegen den Amerikaner DaVarryl Williamson in Las Vegas. Nach dem K.o.-Debakel gegen Lamon Brewster nehmen die US-Medien kaum noch Notiz von ihm.

Im Juli wurde Mike Tyson ausgeknockt, im September gingen Oscar de la Hoya und Roy Jones Jr. auf die Bretter, was auch für sie das Aus ihrer Boxkarriere bedeuten dürfte. Ist nun am Sonntag (3.00 Uhr MESZ/Premiere) in Las Vegas Schwergewichtler Wladimir Klitschko bei seinem Comeback gegen den zweitklassigen Amerikaner DaVarryl Williamson an der Reihe?

"Er gewinnt durch K.o."

"Wenn er verliert, rate ich ihm aufzuhören. Er sieht gut aus, er ist der perfekte Mann für eine Hollywood-Laufbahn", meinte Wladimirs fünf Jahre älterer Bruder Vitali am Donnerstag im Caesars Palace bei der abschließenden Pressekonferenz. Während Trainer Emanuel Steward angesichts der K.o.-Serie der Superstars "etwas nervös ist", glaubt der Weltmeister nach WBC-Version dennoch an "Wowa", der als 5:1- Favorit in das Zehn-Runden-Duell geht: "Er gewinnt durch K.o. in der 5. oder 6. Runde", prophezeite Vitali.

Eine Niederlage des 28 Jahre alten früheren WBO-Champions würde ihren Traum zerstören, als erste Brüder in der Königsklasse zur gleichen Zeit in verschiedenen Verbänden Titelträger zu sein. Auch die Pläne ihrer Promotion-Firma (K 2) und ihre weltweit gemeinsame Vermarktung würden zur Makulatur werden. Wie schwer es ist, sich auf dem wichtigsten Boxmarkt zu etablieren, bekam Wladimir nach dem K.o.-Debakel vor sechs Monaten im WM-Kampf gegen Lamon Brewster zu spüren.

Als er das Desaster mit Einflüssen von Außen begründen wollte, verspielte der "Hüne mit dem Glaskinn" bei den US-Medien nahezu alle Sympathien. Seitdem nimmt von ihm kaum noch jemand Notiz. Die im neuen Amphitheater des Caesars Palace ausgetragene Veranstaltung zieht niemanden richtig in den Bann. Obwohl neben dem Hauptkampf noch zwei WM-Duelle im Super-Welter- und Super-Mittelgewicht stattfinden, sind längst nicht alle der 4200 Eintrittskarten verkauft.

Weder "Angst noch Nervosität noch Druck"

Gegen den unerfahreneren, acht Jahre älteren, zwanzig Pfund leichteren und einen halben Kopf kleineren Williamson (20 Siege/2 Niederlagen) gehe es ums Überleben, sagte Wladimir, der den wenigen Schaulustigen als künftiger Schwergewichts-Weltmeister angepriesen wurde. Trotz der immensen Bedeutung verspüre der Olympiasieger von 1996 im Gegensatz zu Steward weder "Angst noch Nervosität noch Druck. Nur eine gewisse Anspannung." Er sei ganz unten, habe deshalb "fast nichts zu verlieren. Gewinne den Fight", das sei das einzige, was ihn beschäftige, sagte Wladimir, dessen langjähriger Trainer Fritz Sdunek erstmals nicht in seiner Ecke steht.

Sein 46. Profikampf (42. Siege) birgt aber noch ein anderes großes Risiko in sich als nur das Karriere-Ende. Sollten die Ukrainer, deren neuer Berater Tyson-Manager Shelly Finkel ist, den Rechtsstreit wegen des Vertragsendes gegen ihren einstigen Promotor Klaus-Peter Kohl verlieren, drohen Schadensersatzansprüche in Millionenhöhe. Gleiches gilt dann auch für "Showtime". Weder Wladimir noch ein Vertreter des Pay-TV-Senders, der den Kampf ausstrahlt, wollten sich dazu äußern. Vitali indes räumte ein, "die Situation belastet uns. Ich hoffe, der Nervenkrieg ist bald zu Ende. Ich verstehe Peter Kohl sehr gut." Doch der diplomierte Sportwissenschaftler will nicht mehr, dass ihn jemand zu etwas zwingt, was er nicht will.

Gunnar Meinhardt/DPA / DPA

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