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Boxen: Gnadenfrist für Klitschko

Der Boxverband World Boxing Council gewährt dem verletzten Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko eine Gnadenfrist. Binnen drei Monaten muss der 34 Jahre alte Ukrainer wieder fit sein.

Spätestens dann muss er seinen Titel gegen dem Amerikaner Hasim Rahman zu verteidigen. Wie WBC-Präsident Jose Sulaiman am Montag mitteilte, werde Klitschko der Titel aberkannt und Rahman zugesprochen, sollte die Knieverletzung des Champions nicht innerhalb von 90 Tagen ausgeheilt sein. Klitschko hatte seine für Samstag in Las Vegas angesetzte Titelverteidigung gegen Rahman wegen einer Meniskusverletzung absagen müssen. Damit musste der Kampf bereits zum vierten Mal verschoben werden.

Der schon seit Jahren vom Verletzungspech verfolgte Klitschko, dem bei Titelverlust rund zehn Millionen Dollar aus Kampfbörse und TV- Einnahmen verloren gehen würden, will sich in den nächsten Tagen beim Kniespezialisten Richard Steadman in Vail/Colorado untersuchen lassen. "Wir hoffen, dass Vitali Ende der Woche oder Anfang der nächsten Woche einen Termin bei Steadman erhält", sagte Klitschkos Berater Bernd Bönte. "Bisher wurde in der Computertomographie lediglich ein Meniskusriss und eine Bänderdehnung im rechten Knie festgestellt. Sollte es dabei bleiben, könnte Vitali schon in drei Wochen wieder fit sein."

Sulaiman will die Diagnose des Mediziners abwarten und anschließend ein endgültiges Urteil fällen. "Es wäre unfair, einem Boxer nicht die Möglichkeit zu geben, sich richtig untersuchen zu lassen, um festzustellen, wie schwerwiegend die Verletzung ist", sagte der Mexikaner. "Wir werden rechtzeitig eine faire Entscheidung treffen. Wenn er in den kommenden drei Monaten wieder fit ist, darf er seinen Titel verteidigen." Klitschko hatte Sulaiman persönlich am Sonntag angerufen und um Verständnis geworben.

Anfälliger Champion

Der WBC-Präsident wahrte bei aller Sympathie aber auch Distanz zu Klitschko. "Vielleicht sind es auch physiologische Gründe, ich weiß es nicht", spekulierte er über den körperlichen Gesamtzustand des Ukrainers. "Deshalb warten wir erst recht die Untersuchungen ab." Klitschkos vom früheren Kickboxen arg strapazierter Körper hat sich gegen die enormen Belastungen mehrfach zur Wehr gesetzt: Schulter- Operation (April 2000), Kreuzbandriss im linken Knie (Juli 2001), Bandscheibenoperation (Juli 2002), Muskelfaserriss und Rückenoperation (April/Juli 2005).

Sulaiman gab zu, dass er aufgefordert wurde, Klitschko den Titel sofort abzuerkennen. "Es gibt zahlreiche wirtschaftliche Interessen überall auf der Welt, die meinen Verband unter Druck setzen wollen", meinte der WBC-Präsident, der vor allem vom amerikanischen Promoter Don King attackiert wird.

King will seinen bereits als Interimsweltmeister geführten Schützling Rahman schnellstmöglich als offiziellen Titelträger sehen. Dann hätte der 74 Jahre alte Box-Pate die Champions aller vier großen Verbände unter Vertrag: Chris Byrd (IBF), Lamon Brewster (WBO), John Ruiz (WBA) und eben Rahman (WBC). "King macht unendlich viel Druck gegen den WBC", stöhnte Bönte. Der umtriebige amerikanische Promoter und Manager hat bereits seinen Anwalt Judd Burstein auf die Titeleroberung angesetzt.

Sven Busch und Franko Koitzsch/DPA

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