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Klitschko vs. Rahman: Seniorenboxen mit Vladimir

Was kann Vladimir Klitschko wirklich? Am Samstag gegen den abgehalfterten Ex-Champ Hasim Rahman wird der Weltmeister wieder nicht richtig gefordert. Bei stern.de schießt der deutsche Box-Promoter Wilfried Sauerland gegen die Klitschko-Seite - dabei kann die nicht unbedingt etwas dafür.

Von Klaus Bellstedt

Es hätte endlich mal wieder ein echter Leckerbissen in der Königsklasse des Boxens werden können: Das Weltmeisterschafts-Duell im Schwergewicht zwischen Vladimir Klitschko und dem Russen Alexander Povetkin aus dem Sauerland-Boxstall. Doch weil Povetkin im Trainingslager in Russland umknickte und sich am Knöchel verletzte, platzte dieses Mega-Duell, das, Zitat Povetkin, "die ganze Welt sehen will". Jetzt muss Klitschko gegen den abgehalfterten Ex-Champ Hasim Rahman aus Baltimore ran.

Es ist ein Jammer. Der 29-jährige Klitschko-Herausforderer Povetkin, der in 15 Profikämpfen ungeschlagen ist und die Weltrangliste nach Version der IBF souverän anführt, stellt ein ganz anderes Kaliber dar, als es Hasim Rahman tut. Klitschko hätte gegen Povetkin, der über eine furchterregende rechte Gerade verfügt, sein Visier öffnen müssen. Dieser Kampf hätte endlich gezeigt, was der jüngere der beiden ukrainischen Ungeheuer wirklich drauf hat. Darauf muss jetzt weiter gewartet werden.

Kohl gibt Rahman keine Chance

Der Amerikaner Rahman sprang nach der Verletzung Povetkins sozusagen als Ersatzmann ein und boxt nun am Samstag (ab 23 Uhr live bei RTL) in der Manheimer SAP-Arena gegen Klitschko. Ein Kampf, den schon vor dem ersten Gong niemand sehen will, weil der Ausgang klar ist. Klitschko, darüber ist sich die Boxwelt weitgehend einig, wird den Fight gegen den 36-jährigen Box-Opa vorzeitig beenden. Im Forum auf der Klitschko-Homepage, also dort wo sich die ganz harten Klitschko-Fans tummeln, spekuliert man auf einen K.o-Sieg des Weltmeisters in der zweiten Runde.

Auch wenn diese Einschätzung ein wenig zu optimistsich erscheint, mehr als sechs Runden wird Rahman, wohl nicht überstehen. "Vladimir müsste ihn mit seiner mittlerweile sehr großen Erfahrung problemlos besiegen können", sagt denn auch einer der es wissen muss, der Boss von Universum Box-Promotion Klaus-Peter Kohl, zu stern.de.

Bei Klitschkos Haus- und Hofsender RTL sieht man das (Werbe-)Unheil natürlich auch schon auf sich zukommen, offen darüber sprechen möchten die Kölner darüber aber nicht. Und wenn, dann hört sich das ganz anders an: "Wir hoffen, dass der Kampf diesmal etwas länger geht", erinnert sich Manfred Loppe, Sportchef des übertragenden Fernsehsenders, dieser Tage ungern an das Duell zwischen Klitschko und Ray Austin im vergangenen Jahr in Mannheim zurück. "Dr. Steelhammer" gewann damals durch K.o. in der zweiten Runde.

Sauerland schießt gegen Steward

Bei Klitschkos Manager Bernd Bönte klingt es fast schon euphorisch - und ein bisschen zum Schmunzeln: "Diesmal wird es ein Super-Kampf. Uns ist es gelungen, einen der absoluten Topleute zu gewinnen." Ein Topmann war Rahman vielleicht mal. Aber das liegt Ewigkeiten zurück. Sein Ruhm dauerte gerade mal vom 22. April 2001 bis zum 17. November des gleichen Jahres. Zunächst hatte er sensationell gegen den britischen Superchampion Lennox Lewis dank eines glücklichen K.-o.-Treffers gewonnen, ehe er in der Revanche mächtig Prügel bezog.

"Ich finde es geradezu lächerlich von Klitschkos Trainer Emanuel Steward, dass er sagt, Rahman sei stärker einzuschätzen als unser Boxer Alexander Povetkin", so der andere deutsche Grand Seigneurs des deutschen Profi-Boxens, Wilfried Sauerland, im Gespräch mit stern.de. Natürlich spricht auch eine Menge Frust aus den Worten Sauerlands, Frust über die Absage seines Schützlings und damit einhergehend der Frust über die verpasste Gelegenheit, Klitschko einen seiner WM-Gürtel wegzuschnappen.

Glaubt man den Worten Sauerlands hätten die Chancen dafür mehr als gut gestanden: "Alexander Povetkin verfügt über äußerst schnelle Hände, er ist ein aggressiver Boxer, der seinen Gegner vom ersten Gong an unter Druck setzt. Und genau da wird es interessant, weil Vladimir Klitschko ein Fighter ist, der nicht im Rückwärtsgang boxen kann. Das ist seine große Schwäche."

Ein Herausforderer, der müde ist

Gegen Rahman wird Klitschko nicht in die Verlegenheit kommen, aus der Defensive heraus zu boxen. Das musste er gegen Chris Byrd (38 Jahre), Ray Austin (38), Lamon Brewster (35) und Tony Thompson (37), seine Gegner der letzten zwei Jahre, auch nicht. Wenn man den letzten öffentlichen Auftritt von Rahman vor dem Kampf am Samstag in Mannhein genauer betrachtet, könnte man allerdings meinen, dass alles noch viel schlimmer kommt. Der 36-Jährige aus Baltimore wirkte müde und ausgelaugt, drohte bei der letzten Pressekonferenz einzunicken und mit dem Kopf auf den Tisch zu schlagen. Aber einen Satz murmelte Rahman dann doch noch ins Mikrofon: "Ich bin darauf eingestellt, viel Prügel einzustecken." Das Schwergewichtsboxen, es ist momentan einfach eine einzige Farce. Und die Klitschkos lachen sich ins Fäustchen.

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