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Klitschko gegen Rahman: Sieben Runden Langeweile

Was für eine Farce! Wladimir Klitschko bleibt Schwergewichts-Champion, und darf sich eigentlich nicht freuen. Denn sein Gegner Hashim Rahman war nur eine Marionette - träge und kraftlos. Klitschko braucht endlich einen ernstzunehmenden Gegner.

Von Jens Fischer, Mannheim

Also, doch wieder die Mannheimer SAP-Arena. Ausfahrt Neckarau taucht sie auf, diese blau illuminierte Halle mit ihren 13.000 Menschen Fassungsvermögen. Die SAP-Arena hatte er sich bereits zum dritten Male ausgesucht, der Doktor aus der Ukraine; der jüngere der beiden Klitsckos, Vladimir, Schwergewichts-Champion in den drei Verbänden IBO, WBO und IBF.

Auf das einmalige Publikum freue er sich, auf den Sachverstand und die Begeisterungsfähigkeit, erzählte Klitschko vor dem Fight gegen Herausforderer Hashim Rahman, einem Amerikaner, mit seinen 36 Jahren nicht mehr der Frischeste und wie sich schnell herausstellen sollte, eines dieser Früchtchen, die gerne schnell zu Boden fallen. In Runde sechs sackte der phlegmatische Rahman in sich zusammen, in Runde sieben wurde der ungleiche Fight abgebrochen. Das Trauerspiel hatte ein Ende, es war letztlich eine Farce.

Mehr Show als Sport

Dabei gab Klitschkos Haus- und Hofsender RTL alles, um den Zuschauern in der Arena ein unvergessliches Spektakel zu bieten. Michael Mendl, zugegeben ein begnadeter Schauspieler – aber an diesem Abend fehl am Platze - hielt einen dramatischen Monolog über Leben und Wirken eines Boxers, Tenöre schmetterten einen ABBA-Klassiker. Überflüssig, aber vielleicht wussten die TV-Macher da bereits, dass der nachfolgende Kampf keinen der anwesenden Zuschauer befriedigen würde können.

Klitschko bleibt IBF-Weltmeister und das nach einer Vorstellung, bei der er trotz des sicheren Erfolges nicht immer überzeugend wirkte. Seine kurzen linken Geraden zermürbten zwar Rahman, dennoch wirkten die Aktionen Klitschkos ängstlich, oftmals bieder und nur wenig durchschlagskräftig. Keiner wusste so recht, auf was er wartete, denn von Rahman ging wirklich keinerlei Gefahr aus. In der ersten Runde spielte der ehemalige Champion das zahnlose geduckte Raubtier, in Runde zwei ließ er sich wie auf Drogen in den Ringseilen gemütlich verdreschen, und was in den restlichen fünf Runden folgte, hatte mit Boxen nicht mehr viel zu tun. Rahman war kein Maßstab – und eine Beleidigung für die Fans, die für dieses lächerliche Schauspiel viel Geld bezahlten.

Es geht nur ums Geld

Bereits während der ersten Runde hatte Rahmans Trainer das weiße Kapitulations-Handtuch bereit gelegt, am Ring hatte man den Eindruck, für die müde Ami-Truppe ging es heute nur ums Abkassieren. Dabei war doch alles fein gerichtet und alle waren sie gekommen.

Medien-Prominenz wie Ernst Huberty oder die unvermeidliche Frauke Ludowig, Milieu-Größen wie der kultige Kalle Schwensen, aber auch einige, die sich mit dem Geschehen im Ringgeviert auskennen, Experten eben. Da saß zum Beispiel ein Luan Kransiqi - und für das amerikanische Box-Pay-TV HBO kam sogar die Legende Lennox Lewis über den großen Teich. Wie er da stand im feinen Zwirn, hünenhaft, dennoch elegant und eloquent – man könnte meinen, der nächste US-Präsident wäre nicht gerade erst gefunden worden. Dabei wird spekuliert, ob Lewis nicht noch einmal ein Comeback wagt.

Null Feuer

"x-plosive", also feurig, gefährlich und atemberaubend sollte sie werden, die Titelverteidigung des amtierenden Schwergewichts-Champions Wladimir Klitschko. Das hatten sie Veranstalter zumindest mit dicken Buchstaben auf Plakate und Kampfhefte gepinselt. Was übrig blieb war der Abklatsch eines Boxkampfes. "Dr. Steelhammer" konnte nicht verlieren.

Stellt sich die Frage: Warum tut sich der Ukrainer das immer wieder an? Warum setzt er seine Glaubwürdigkeit als Boxer aufs Spiel, indem er das Schwergewichts-Altersheim niederschlägt? Chris Byrd (38), Ray Austin (38), Lamon Brewster (35), Tony Thompson (37) und jetzt Rahman (35) waren seine letzten Pseudo-Rivalen. Klitschko braucht jetzt einen starken Gegner, so darf es für ihn nicht weitergehen.

"Die großen Kämpfe werden kommen", war sich Klitschko vor seiner Titelverteidigung sicher. "Ich habe meine beste Zeit noch vor mir." Dann nutze sie, möchte man ihm zurufen. Der Riese Nicolai Valuev, der wiedergenesene Ruslan Chagaev oder der Brite David Haye stünden bereit. Oder einer der jungen ehrgeizigen Russen, die zumindest konditionell Klitschko alles abverlangen würden. Wie ein Alexander Dimitrenko aus dem Universum-Stall mit Klitschkos Ex-Trainer Fritz Sdunek oder eben der am Samstag ursprünglich vorgesehene Sauerland-Fighter Alexander Povetkin, dem Experten vieles zutrauen.

Pfiffe ohne Ende

Am Ende aber standen die beiden Klitschkos nach dem bizarren Sieg wieder einmal im Ring und beantworteten fleißig die Fragen von RTL-Model-Journalist Kai Ebel. "Ein starker Gegner", meinte da alles Ernstes der ältere Vitali und erntete dafür gellende Pfiffe. Und Vladimir sprach seinem Punching-Ball Rahman sogar ein Lob aus. Peinlich.

Der untrainierte Ami stand derweil immer noch im Ring, zerbeult und ausdruckslos. Schlief er denn schon wieder? Oder träumte er am Ende doch nur von seiner Millionen-Gage, die er sich ergaunert hatte? Erboxt hatte er sie sich nicht, das wussten an diesem langweiligen Mannheimer Abend wirklich alle.

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